Titelbild von Ophthalmologie
Logo von Ophthalmologie

Ophthalmologie

18. Nov. 2024

Eishockey: Netzhauttraumata außer beim Torwart?

Eishockey ist eine typische High-Impact-Sportart und als solche mit Verletzungen der Augen assoziiert. In der Netzhaut können traumatisch verursachte Löcher oder Risse zu einer Netzhautablösung führen. Wie lange dauert die Genesung? Sind Torwarte weniger gefährdet?

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Eishockey: Netzhauttraumata außer beim Torwart?
Netzhautverletzungen sind keine Seltenheit bei den Eishockeyprofis der National Hockey League (NHL). (Foto: Getty Images | gilaxia)

Autorin: Dr. Jana-Sophia Karp | Redaktion: Anna Besson

Eine Netzhautablösung am Auge (Amotio retinae) stellt eine schwerwiegende Erkrankung dar, die unbehandelt in den meisten Fällen zur Erblindung des Auges führt. Eine rechtzeitige operative Intervention ist daher von großer Bedeutung, um langfristig gute Visusergebnisse zu erzielen. Die meisten Amotiones sind Folge einer Loch- oder Rissbildung (Foramen) im Bereich der Netzhaut (Retina) und treten überwiegend idiopathisch auf, also ohne äußere Gewalteinwirkung. Stumpfe Augentraumata können allerdings ebenfalls zu Netzhautforamina führen und somit eine nachfolgende Netzhautablösung verursachen.

Netzhautverletzungen bei Eishockeyprofis

Es ist bekannt, dass High-Impact-Sportarten mit Netzhautverletzungen der Augen, wie Foramina und Amotiones assoziiert sind – Eishockey gilt als eine solche Sportart. Eine langfristig angelegte retrospektive Studie untersuchte Augen-Traumata bei Eishockeyprofis aus Amerika und Kanada zwischen Januar 2000 und Januar 2022. Die Studie hatte das Ziel, Informationen zur Wahrscheinlichkeit einer Rekonvaleszenz nach Verletzung der Retina sowie zur Dauer der resultierenden „Auszeit“ betroffener Eishockeyspieler zu treffen.1

Innerhalb des untersuchten Zeitraums von 22 Jahren wurden Traumata der Augen bei insgesamt 95 Spielern der National Hockey League (NHL) dokumentiert, bei denen es sich in 16 Fällen um Retinaverletzungen handelte. Informationen zur Art der Verletzung wurden öffentlich zugänglichen Presse- und Krankheitsberichten entnommen. Die Dauer der Rekonvaleszenz war definiert als Anzahl der Tage zwischen Verletzung und nächster Teilnahme an einem NHL-Hockeyspiel.

Keine Netzhautverletzungen bei Torwarten

Beim Eishockey treten pro Mannschaft jeweils fünf Feldspieler und ein Torwart gegeneinander an. Sämtliche in der Studie dokumentierten Netzhautverletzungen betrafen Feldspieler aller Positionen (vgl. Aufklapper), ausgenommen waren jedoch Torwarte. Die wahrscheinlichste Erklärung hierfür liegt in den vorgeschriebenen Spezialhelmen mit zusätzlichem Gitterschutz der „Goalies“. Seit der Spielsaison 2013/14 tragen auch alle Feldspieler, die der NHL neu beitreten, Helme mit einem obligatorischen Visier als Schutz.

Spielpositionen der Hockeyspieler mit Netzhautverletzungen1
Positionen beim EishockeySpieler pro MannschaftAnzahl der Netzhautverletzungen
Left Wing (linker Flügelspieler)12
Center (Mittelstürmer)13
Right Wing (rechter Flügelspieler) 15
Defense (Verteidiger)26
Goalie (Torwart)10

Die häufigsten Verletzungsmechanismen waren Traumata verursacht durch einen Hockeyschläger (8) oder einen Puck (6). Je ein Spieler wurde von einem Schlittschuh getroffen oder durch einen Stoß am Kopf verletzt. Die Studie ermittelte eine deutlich längere Zeit der Rekonvaleszenz bei Amotiones (151 Tage im Mittel) als bei Foramina oder ähnlichen Verletzungen (28 Tage im Mittel). Ein Spieler konnte in Folge einer Netzhautablösung seine Karriere bei der NHL nicht fortsetzen, während 15 Spieler in der nächsten Spielsaison wieder aufgestellt wurden – die „time on ice“ pro Spiel war bei ihnen jedoch deutlich geringer als bei einer Vergleichsgruppe.

Impressum anzeigen
Zurück zum Seitenanfang