Beidseitige Linsentrübung zeitgleich operieren?
Sollten bei beidseitiger Katarakt beide Augen am selben Tag operiert werden oder besser zeitversetzt? – die Meinungen gehen auseinander. Forschende werteten im Rahmen eines Cochrane-Reviews hierzu 14 Studien aus.1
Lesedauer: ca. 2 Minuten

Autorin: Dr. Jana-Sophia Karp | Redaktion: Anna Besson
Die fortschreitende Eintrübung der bei Geburt noch klaren Augenlinse ist ein natürlicher Alterungsprozess. Erst wenn Betroffene eine deutliche Visusminderung und/oder störende Blendungen bemerken, ist von einer Katarakt (grauer Star) die Rede. Die Therapie besteht dann aus einer operativen Entfernung der getrübten Linse und der anschließenden Implantation einer klaren Kunstlinse. Altersbedingte Linsentrübungen betreffen typischerweise beide Augen – wenn auch oft in unterschiedlichem Ausmaß. Daher stellt sich für Patientinnen und Patienten sowie Behandelnde die wichtige Frage: Sollte man beide Augen am gleichen Tag operieren oder lieber zeitlich versetzt?
Beidseitige Katarakte werden oft zweizeitig operiert
Bei beidseitiger Linsentrübung ist es grundsätzlich möglich, beide Augen am selben Tag zu operieren. Allerdings liegen bei beidseitigen Kataraktoperation gegenwärtig mehrere Tage, Wochen oder Monatezwischen den Eingriffen.
Befürworter der zweizeitigen Operation verweisen insbesondere auf das Risiko möglicher Komplikationen. Am meisten gefürchtet ist eine Endophthalmitis (visusbedrohende Entzündung des Augeninneren), die mit einer Inzidenz von ca. 0,1 % sehr selten auftritt. Ein postoperatives Makulaödem (Flüssigkeitsansammlung in der Netzhaut), das Irvine-Gass-Syndrom, stellt hingegen eine häufigere Komplikation dar und wird je nach Studie mit einer Inzidenz von bis zu 2 % angegeben. Die Therapie bis zum Erreichen der vollen Sehschärfe kann in diesem Fall Wochen oder sogar Monate dauern.
Treten Komplikationen an beiden Augen gleichzeitig auf, kann dies sehr belastend für die Betroffenen sein. Andererseits erfolgt bei einzeitigem Vorgehen, die Visusrehabilitation deutlich schneller, sofern keine Komplikationen auftreten. Zudem sind weniger Arztbesuche nötig und eine optimale Brille lässt sich früher anpassen.
Mögliche, therapiebedürftige Komplikationen nach Katarakt-OP in absteigender Häufigkeit2
- Vorderkammerreizzustand
- Makulaödem
- Augeninnendruckanstieg
- Medikamentenallergie oder -unverträglichkeit
- Hornhautödem
- Netzhautriss oder -ablösung
- Endophthalmitis
Cochrane Review zur zeitgleichen Katarakt-OP beider Augen
Beidseitige Kataraktoperationen werden aus Sicherheitsgründen häufig zweizeitig durchgeführt. Vor- und Nachteile eines solchen Vorgehens sind unter Fachleuten allerdings seit langem umstritten In einem Cochrane-Review wurde daher die derzeitige Evidenz anhand von 14 Studien mit insgesamt 276.260 Teilnehmenden untersucht.
Die Forschenden kamen zu dem Ergebnis, dass es kostengünstiger sei, beide Augen an einem Tag zu operieren. Ansonsten fanden sie keine deutlichen Unterschiede zwischen den beiden Vorgehensweisen in Bezug auf Refraktion (Brillenwerte), bestkorrigierten Visus (Sehschärfe mit Brille) und Häufigkeit einer Endophthalmitis.
Die Forschenden geben allerdings zu bedenken, dass die untersuchten Studien, von denen lediglich zwei randomisiert und kontrolliert durchgeführt wurden, einen „sehr niedrigen“ bis „moderaten“ Evidenzgrad aufweisen.
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