Höheres Risiko für Männer mit starkem Alkoholkonsum?
In einer Post-hoc-Analyse untersuchten Forschende die Zusammenhänge zwischen Alkoholkonsum und der Progression der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) bis hin zur fortgeschrittenen Form.1 Daneben stand auch die Vergrößerung der Läsion bei der geografischen Atrophie (GA) im Fokus.
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Autorin: Javed Choudhury | Übersetzung und Redaktion: Anna Besson
An 6.670 Augen von 3.673 Teilnehmenden ohne späte AMD zu Studienbeginn wurde das Risiko für das Fortschreiten der Erkrankung zu ihrer späten Form und deren Subtypen untersucht. Das durchschnittliche Alter lag bei 72,9 Jahren; 56,9 % der Teilnehmenden waren Frauen.
Die Eckpunkte der Studie
Die GA-Progression wurde bei 1.143 Augen mit GA von 841 Teilnehmerinnen (57,8 %) und Teilnehmern im durchschnittlichen Alter von 74,9 Jahren an mehr als zwei aufeinanderfolgenden Terminen ermittelt. Die Rate der GA-proximitätsbasierten Progression wurde bei 808 Augen von 638 Teilnehmenden mit nichtzentraler GA untersucht. Davon waren 59,1 % Frauen im durchschnittlichen Alter von 74,8 Jahren.
Der Alkoholkonsum wurde anhand eines 131-Punkte-Harvard-Ernährungsfragebogens quantifiziert, der die Aufnahme in Gramm pro Tag erfasste und wie folgt definierte: kein Alkohol (Terzil 1), 3 Getränke pro Woche (Terzil 2), zwischen 4 und 8 Getränken für Frauen bzw. zwischen 4 und 15 für Männer (Terzil 3). Starker Alkoholkonsum ist definiert als mehr als 8 Getränke pro Woche für Frauen und mehr als 15 Alkoholika für Männer.
Alkoholeinfluss auf Progression nicht gleich groß
Bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 4,5 Jahren entwickelten 40,2 % der Augen eine späte AMD. Bei Männern, die nicht regelmäßig Alkohol konsumierten (Terzil 1) als Referenz, betrug die Hazard Ratio für die Progression zu einer späten AMD 0,69 (95 %-Konfidenzintervall [KI], 0,55–0,87; P = 0,0015) für Terzil 2 und 0,85 (0,71–1,02; P = 0,079) für Terzil 3. Bei Frauen lag das Risiko bei 1,12 (0,95–1,31, P = 0,17) bzw. 0,85 (0,72–1,00, P = 0,046).
Über einen mittleren Nachbeobachtungszeitraum von 3,1 Jahren war die flächenbasierte Progression der GA bei Frauen signifikant schneller als bei Männern: 0,295 (95 %-KI, 0,278–0,311) bzw. 0,260 mm/Jahr (95 %-KI, 0,241–0,279) vs. (P = 0,007). Bei Letzteren unterschied sich die flächenbezogene Progression signifikant nach dem Alkohol-Terzil (P = 0,0001) und lag bei 0,275 (95 %-KI, 0,248–0,303), 0,183 (95 %-KI, 0,143–0,223) bzw. 0,280 mm/Jahr (0,254-0,306) in den Terzilen 1 bis 3. Bei Frauen zeigte sich hier zwischen den Terzilen kein signifikanter Unterschied (P = 0,11). Nur bei Männern war starkes Trinken, wie es von den Centers for Disease Control and Prevention definiert wird, mit einer schnelleren Progression (P = 0,024) assoziiert, mit 0,306 (95 %-KI, 0,262–0,349) gegenüber 0,252 mm/Jahr (95 %-KI, 0,233–0,270).
Bei 808 Augen mit nicht zentraler GA unterschied sich die GA-Progression in Nähe der Makula nicht signifikant nach Alkohol-Terzil (P = 0,55).
Fazit
Ein mäßiger Alkoholkonsum ist bei Männern mit einem geringeren Risiko für eine Progression zu einer späten altersbedingten Makuladegeneration (AMD) verbunden. Bei Frauen entwickelte sich die Progression der geografischen Atrophie (GA) schneller.
„Obwohl einige dieser Zusammenhänge auch auf Störfaktoren zurückzuführen sein könnten, deuten sie möglicherweise darauf hin, dass Personen mit GA einen hohen Alkoholkonsum vermeiden sollten“, fassen die Studienautoren zusammen.
Dieser Beitrag erschien im Original auf Medscape.com.
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