03. September 2020

Hirntumore bei Kindern besser therapierbar machen

Wissenschaftler der McMaster Universität in Hamilton (Kanada) haben möglicherweise einen Weg gefunden, wie einer der aggressivsten pädiatrischen Hirntumore besser auf die Therapie anspricht.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Christoph Renninger

4 Gruppen des Tumors

Das Medulloblastom (MB) ist der häufigste maligne Hirntumor bei Kindern und kann in 4 molekularbiologisch unterscheidbare Subgruppen eingeteilt werden. Tumore der Gruppe 1 haben meist ein gutes Outcome, metastasieren selten und enden in wenigen Fällen tödlich. Erkrankungen der Subgruppen 2, 3 und 4 sind trotz aller Therapieoptionen aggressiv, bilden Metastasen und enden in 20-30% der Fälle lethal.

Abb. 1 Wnt-Signalweg

Subgruppe 1 wird auch als Wnt-Subtyp bezeichnet, da eine Mutation des Gens CTNNB1 (Beta-Catenin 1) zu einer Aktivierung des Wnt-Signalwegs führt. Dieser Signalweg spielt eine wichtige Rolle in verschiedenen Geweben und bei der Entwicklung von Organen (Abb.1).

Tumorstammzellen sequenziert und differenziert

Wissenschaftler um Dr. Sheila Singh von der McMaster Universität haben ein kleines Molekül identifiziert, das den Wnt-Signalweg auch in anderen Subtypen des Medulloblastoms aktiviert, so können diese aggressiven Varianten des Tumors besser auf eine Therapie ansprechen.

Die Forscher untersuchten verschiedene Wege, um zu analysieren, ob eine Wnt-Aktivierung in Medulloblastomen der Subgruppen 3 und 4 die Tumore weniger aggressiv macht, die Fraktion an Tumorstammzellen und die Fähigkeit sich zu erneuern abnimmt und so Wachstum und Verbreitung des Tumors vermindern.

Durch Sequenzierung einzelner Tumorstammzellen konnte eine kleine Fraktion an Wnt-aktiven Zellen auch in Tumoren der Gruppen 2,3 und 4 gefunden werden. Werden diese Zellen aussortiert, generieren sie kleinere, eher benigne erscheinende Tumore, während die Wnt-inaktiven Zellen aggressive, metastasierende Tumore bilden.

Small molecule aktiviert Signalweg

Das Forschungsteam testete dann ein small molecule, das den Wnt-Signalweg bei Mäusen mit non-Wnt-Medulloblastomen aktiviert. Dies führte zu einer Reduktion des Tumorwachstums und verbesserte das Überleben der Tiere.

Die in Nature Communications veröffentlichte Arbeit zeigt auch, dass der historisch als Krebsfördernd bekannte Wnt-Signalweg unter bestimmten Umständen auch als Krebs-Inhibitor wirken kann. Vielversprechend ist die Erkenntnis, das in allen Tumor-Subgruppen Wnt-aktive Stammzellen vorhanden sind.

Den Wnt-Signalweg selektiv und spezifisch zu aktivieren wäre nach Ansicht der Autoren eine innovative Therapiestrategie für therapieresistente Medulloblastome.

  1. Manoranjan B et al. Wnt activation as a therapeutic strategy in medulloblastoma. Nature Communications 2020; 11: 4323.
  2. Researchers find potential to make brain cancers in children respond better to treatment. MedicalXpress, 28.08.2020

Bildquellen: © Getty Images/thepoo
© Centelles JJ. General Aspects of Colorectal Cancer. ISRN Oncology 2012(1):139268. CC-BY-SA 4.0

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