29. April 2021

Übergewicht und Krebsrisiko: Der aktuelle Stand

Übergewicht und Adipositas erhöhen das Risiko für verschiedene Krankheiten, darunter einige Krebserkrankungen. Doch was ist über die Zusammenhänge bekannt?

Lesedauer: 2,5 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Publikation im Journal of the Royal College of Physicians of Edinburgh.1 Redaktion: Christoph Renninger

Risiko für 14 Krebsarten erhöht

Krebs und kardiovaskuläre Krankheiten sind bedeutende Todesursachen für übergewichtige Menschen. Zudem ist Übergewicht nach Rauchen der zweithäufigste vermeidbare Risikofaktor für eine Krebserkrankung.

Derzeit liegt Evidenz für ein erhöhtes Risiko durch Übergewicht bei 20 Krebsarten vor. Darunter einige der häufigsten Krebsarten, wie Brust- oder Darmkrebs, aber auch Erkrankungen mit besonders schlechter Prognose, etwa Ösophagus- oder Pankreaskarzinome.

Bei übergewichtigen Krebspatienten ist die Überlebensrate schlechter als bei normalgewichtigen. Auch das Risiko für Rezidive nach einer erfolgreichen Therapie ist erhöht.

Welche Mechanismen stecken dahinter?

Die Verbindung zwischen Adipositas und Krebs ist in mancher Hinsicht noch unklar. In manchen Fällen besteht ein direkter Zusammenhang, da sich ein Übermaß an Fettgewebe auf den Metabolismus von Sexualhormonen auswirkt. Dies hat Einfluss auf Hormon-sensitive Tumore, etwa Brust-, Endometrium- oder Prostatakrebs.

Des Weiteren erhöhen Folgeerkrankungen der Adipositas das Krebsrisiko, etwa Typ 2 Diabetes mellitus. Insulin hat auch mitogene Eigenschaften und beeinflusst die Zellteilung. Auch eine chronische Hyperinsulinämie hat Effekte auf die Entstehung von Krebserkrankungen.

Kolorektalkarzinome zählen zu den häufigsten Krebstodesursachen und es gibt Hinweise, dass ein konstant hoher Insulinspiegel eine wichtige Rolle bei der Entwicklung spielt. Personen mit einem BMI >30 kg/m 2 haben ein um 30% erhöhtes Risiko zu erkranken.

Einfluss von Genen und Hormonen

Das Fettmasse und Fettleibigkeit-assoziierte Protein (FTO-Gen) spielt eine Rolle bei der Appetit-Kontrolle und eine Überexpression steht mit übermäßiger Nahrungsaufnahme in Zusammenhang. Hoch-Risiko-Varianten des Gens erhöhen das Risiko einer Adipositas, aber es bestehen auch Verbindungen zu Brust-, Endometrium-, Pankreas- und Darmkrebs.

Auch der Melanocortin-4-Rezeptor (MC4R) ist an der Appetit-Regulierung beteiligt. Eine Mutation dieses Rezeptors steht in Zusammenhang mit Adipositas, darunter bis zu 6 % der Fälle von Übergewicht im jungen Alter. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko an Darmkrebs zu erkranken.

Fettzellen schütten Adipokine aus, etwa Leptin, Visfatin Adiponectin und Resistin. Bei Übergewichtigen sind die Spiegel der pro-inflammatorischen Adipokine erhöht, während die anti-inflammatorisch wirkenden verringert sind. Auch Chemokine und Zytokine sind bei einem hohen BMI verändert. All diese Veränderungen führen zu einer inflammatorischen Umgebung, welche die Karzinogenese unterstützt.

Weitere Mechanismen werden erforscht

Die oftmals durch Übergewicht verursachte Hypertonie kann das Risiko von Nierenkrebs erhöhen. Schilddrüsenkrebs tritt häufiger bei einem geringen Jodspiegel auf, wie er häufig bei Adipösen vorliegt, möglicherweise ausgelöst durch erhöhte TSH-Spiegel.

Ein weiterer diskutierter Mechanismus bei der Entstehung von Darmkrebs sind die Veränderungen des Darmmikrobioms bei stark Übergewichtigen. Darmbakterien, die auch onkogene Eigenschaften haben, sind etwa Streptokokken-Arten, Bacteroides-Spezies, E. coli, Fusobacterium nucleatum und Enterococcus faecalis.

  1. Wilcock S & Haboubi N. Obesity and the Risk of Malignancy: An Evolving Saga. J R Coll Physicians Edin 2020; 50: 392-397.

Bildquelle: © Getty Images/themacx

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653