09. Juli 2020

3 aktuelle Studien im Juli

In der Onkologie hat es auch in den vergangenen Wochen eine Vielzahl von neuen Studien gegeben. Hier finden Sie 3 kurze Zusammenfassungen.

Lesedauer: 3 Minuten

Redaktion: Christoph Renninger

Ripretinib bei gastrointestinalen Stromatumoren (GIST)

Gastrointestinale Stromtumore (GIST) zeigen üblicherweise ein gutes Ansprechen auf Inhibitoren der Rezeptortyrosinkinase KIT oder des platelet-derived growth factor receptor α (PDGFRA). Kommt es jedoch zu Resistenzen gibt es keine Standardtherapieoptionen neben Imatinib, Sunitinib und Regorafenib.

Nun wurden die Ergebnisse der randomisierten, doppel-blinden, Placebo-kontrollierten Phase III-Studie INVICTUS in The Lancet Oncology veröffentlicht.1 129 GIST-Patienten erhielten im Verhältnis 2:1 entweder Ripretinib (ein oraler Switch-Control Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI), der sich gegen Mutationen von KIT und PDGFRA richtet) oder ein Placebo erhielten.

Die Patienten waren zu 55-59% männlich, 41-47% hatten einen primären Tumor im Magen, 62-64% hatten bereits 3 Vortherapien, 55-64% hatten eine Mutation im KIT Exon 11, 14-17% eine Mutation im KIT Exon 9 und nur 0-4% eine PDGFRA-Mutation.

Bei einem medianen Follow-Up von 6,3 Monaten in der Ripretinibgruppe und 1,6 Monaten im Placeboarm war das progressionsfreie Überleben (primärer Endpunkt der Studie) unter dem Medikament signifikant länger (Hazard Ratio 0,15; p <0,001). Die Ansprechrate lage bei 9,4% (Placebo: 0%).

Das mediane Gesamtüberleben (mOS) war unter Ripretinib deutlich länger (15,1 vs. 6,6 Monate; Hazard Ratio 0,36), wobei die Effekte möglicherweise noch unterschätzt werden, da 66% der Placebopatienten zu Ripretinib wechselten. Nebenwirkungen von Grad 3/4 waren selten (2-5% der Patienten), unter anderem kam es zu einer Lipaseerhöhung, Hypertonie, Fatigue und Hypophosphatämie.

Minimal invasive Eingriffe und Überleben

In den vergangenen 20 Jahren gab es eine deutliche Zunahme minimal invasiver Chirurgie (MIC) und eine Abnahme offener Verfahren bei der Behandlung von Zervix- und Ovarialkrebs im frühen Stadium. Der Effekt der Operationsart auf das Überleben bei diesen Krebsarten ist jedoch unklar.

In einem systematischen Review und einer Meta-Analyse in JAMA Oncology konnten Forscher 15 Studien (insgesamt 9499 Patientinnen mit Zervixkarzinomen) mit einem medianen Follow-Up von mehr als 2 Jahren identifizieren. Nach einer Hysterektomie durch MIC (49%) oder offene Chirurgie (51%) kam es zu 451 Todesfällen. Die Hazard Ratio war dabei um 56% höher (p = 0,004), wenn ein minimal invasives Verfahren angewendet wurde.2 Der Einsatz roboterassistierter Chirurgie hatte keinen Einfluss auf das Ergebnis.

Eine weitere Analyse der US National Cancer Database von 8859 Patientinnen (Duchschnittsalter 57 Jahre) mit Eierstockkrebs (Stadium 1) verglich MIC (29%) mit offener Chirurgie (71%). Dabei war eine Ruptur der Ovarien unter MIC um 20% häufiger als unter anderen Verfahren, insbesonder bei großen Tumoren.3

Eine Ruptur des Tumors ist mit einem erhöhten Todesrisiko innerhalb der folgenden 4 Jahre assoziiert. Bei MIC stieg das Risiko von 8% (ohne Ruptur) auf 11% an. Bei offen-chirurgischen Eingriffen von 9% auf 13%.

Olanzapin bei chronischer Übelkeit

Olanzapin ist eine orales atypisches Neuroleptikum, das bei der Behandlung von Schizophrenie und bipolarer Störungen eingesetzt wird. Es wurde zudem zur Therapie von Krebs-assoziierter Anorexie eingesetzt, aufgrund der dosisabhängigen sedierenden Wirkungen ist der Einsatz jedoch nur begrenzt möglich.

Wissenschaftler haben in einer doppel-blinden, randomisierten Studie untersucht, ob niedrig-dosiertes Olanzapin chronische Übelkeit und Erbrechen bei 30 Krebspatienten im fortgeschrittenen Stadium reduzieren kann. Einschlusskriterium war, dass die Patienten 14 Tage vor Studienbeginn keine Chemo- oder Strahlentherapie, sowie 30 Tage zuvor keine antipsychotischen Medikamente erhalten hatten.4

Alle Patienten litten unter schwerer chronischer Übelkeit über mindestens eine Woche (medianer Nausea Score 9 von 10). Die Patienten erhielten eine Woche lang entweder Olanzapin (5 mg am Tag) oder Placebo.

Unter Olanzapin war der mediane Nausea Score bereits nach einem Tag signifikant niedriger (2 vs. 9) als unter Placebo, ebenso nach einer Woche (1 vs. 9). Patienten berichteten unter Olanzapin zudem über weniger Erbrechen, selteneren Gebrauch von Antiemetika, besseren Appetit, weniger Sedierung und Fatigue.

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