06. August 2020

Darmkrebs bei jungen Menschen, Kryoablation & Antikoagulation nach Geburt

3 aktuelle Studien im August

In der Onkologie und Hämatologie hat es auch in den vergangenen Wochen eine Vielzahl von neuen Studien gegeben. Hier finden Sie 3 kurze Zusammenfassungen.

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Christoph Renninger

Darmkrebs bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Kolorektalkarzinom können bei jungen Menschen verheerende Auswirkungen haben. Um die klinischen und molekularen Eigenschaften der Tumore in dieser Altersgruppe zu charakterisieren, haben Wissenschaftler in den Niederlanden Datenbanken von Darmkrebspatienten ausgewertet, die bei der Diagnose 25 Jahre oder jünger waren.1

Die wichtigsten Ergebnisse der Analyse waren:

  • Zwischen 2000 und 2017 wurden 139 Patienten mit Kolorektalkarzinom diagnostiziert (Durchschnittsalter 22 Jahre); die durchschnittliche Inzidenz lag bei 8 Fällen im Jahr.
  • Die Krebserkrankung verteilte sich recht gleichmäßig auf das distale Kolon (34%), das proximale Kolon (31%) und das Rektum (31%).
  • Die meisten Patienten befanden sich in Stadium III (40%) oder IV (25%). Die schlechteste 5-Jahresüberlebensrate hatten Patienten im Stadium IV (19%).
  • Ein zweiter Primärtumor wurde bei 13% der Patienten diagnostiziert; bei 6,5% betsand eine entzündliche Darmerkrankung.
  • Ein Drittel aller Tumorbiopsien hatte eine muzinöse Komponente oder wies Siegelringzellen auf.
  • Zwei Drittel der Krebserkrankungen waren Mikrosatelliten-stabil (MSS); ein genetisches Tumorrisiko lag bei 39% der Fälle vor, am häufigsten war das Gen MLH1 betroffen.
  • Im Vergleich zu Patienten über 60 Jahre war die Prävalenz von MSS und Mutationen von TP53 und POLE höher, die von Mutation im APC-Gen jedoch niedriger.

Kryoablation bei Nierenzellkrebs

Lokale, zufällig entdeckte Nierenzellkarzinome werden zunehmend mit perkutanen ablativen Verfahren (z.B. Kryoablation, Radiofrequenzablation) behandelt und seltener chirurgisch. In einer Studie aus Großbritanninen wurde nun das Outcome bei 180 Patienten im Stadium T1 (<7 cm und kein Nachweis von Lymphknoten- oder Fernmetastasen) untersucht.2

Die Patienten wurden von einem interdisziplinären Team für die Kryoablation ausgewählt, auf Grundlage der Tumoranatomie und der Patientenwünsche. Die durchschnittliche Tumorgröße betrug 2,9 cm (1,1 – 5,8 cm), das Follow-Up erfolgte durchschnittlich 28 Monate später (3-63 Monate).

Technisch erfolgreich (d.h. die Kryoablation erfolgte mindestens 5 mm über die Tumorgrenzen hinaus) war die Prozedur in allen Fällen, bis auf 2 Ausnahmen. Bei 4 Patienten kam es während des Eingriffs zu Komplikationen (2 x Blutungen, Lungenembolie, Pneumothorax), wovon keine tödlich endete. Das progressionsfreie Überleben nach 3 Jahren lag bei 98%. Beim Follow-Up konnten keine Metastasen festgestellt werden.

Therapeutische Antikoagulation nach der Geburt: Wann wieder beginnen?

Frauen mit Venenthrombosen, künstlichen Herzklappen, Arrhythmien oder Kardiomyopathien können auf eine Antikoagulation während und nach der Schwangerschaft angewiesen sein. Vor der Geburt wird eine Antikoagulation abgesetzt, um das Risiko starker Blutungen zu reduzieren. Doch wann sollte die Therapie wieder aufgenommen werden?

Um den idealen Zeitpunkt zu bestimmen, analysierten kanadische Forscher die Daten von Frauen, die Antikoagulantien einnehmen und ein Kind geboren hatten (83 Kaiserschnitte, 149 natürliche Geburten).

Nach der Geburt kam es bei 8,3% der Frauen nach einer Sectio und bei 6% nach einer vaginalen Geburt zu einer schweren Hämorrhagie (Blutungen, die chirurgisch behandelt werden muss, Intensivstation, Erythrozytentransplantation oder 1 Liter Volumenersatz). Komplikationen bei der Wundheilung (wie Dehiszenz, Hämatome, Serome oder Abszesse) traten bei 4,8% der Kaiserschnittgeburten auf.

Die Wiederaufnahme der Antikoagulation nach natürlicher Geburt lag bei 6 Stunden (mit Komplikationen) bzw. 19 Stunden (ohne Komplikationen). Bei der Sectio lag die durchschnittliche Zeit bei 12 Stunden (mit Komplikationen) bzw. 33 Stunden (ohne Komplikationen). 2 Frauen hatten nach der Geburt (3 bzw. 6 Wochen später) eine neue Venenthrombose.

Die Studienautoren empfehlen eine Wiederaufnahme der Antikoagulation nach 9,2 Stunden bei einer vaginalen Geburt und nach 15,1 Stunden bei einem Kaiserschnitt.

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