05. August 2021

Neuer Therapieansatz löscht Brustkrebszellen aus

Forschende der University of Illinois Urabana-Champaign haben ein small molecule, ErSO, identifiziert, das im Mausmodell Brustkrebs vollständig heilen konnte. Ziel ist ein Signalweg, der üblicherweise Krebszellen vor Angriffen schützt.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Christoph Renninger

Tumor und Metastasen verschwinden fast komplett

Mit dem neuen Therapieansatz wurden 95-100% der Tumorzellen in einem Mausmodell mit humanen Estrogenrezeptor-positivem Brustkrebs abgetötet. Ebenso die Metastasen in Knochen, Gehirn, Leber und Lungen. Durch ErSO schrumpften auch große Tumor auf eine nicht mehr nachweisbare Größe. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine veröffentlicht.1

Die Aktivität von ErSO hängt vom Estrogenrezeptor (ER) ab, welcher häufig in Brustkrebszellen vorhanden ist. Nach der Bindung an den Rezeptor führt ErSO zu einer Hochregulierung eines zellulären Signalwegs, der Krebszellen ein schnelles Wachstum ermöglicht und sie vor Stress schützt. Es handelt sich hierbei um die antizipatorische Unfolded Protein Response (a-UPR, Antwort auf ungefaltete Proteine), welcher die Produktion von Proteinen anregt, welche die Zellen vor Schaden schützen.

,,Die a-UPR ist bereits in vielen Brustkrebszellen aktiv, allerdings in einem niedrigen Level. Der Signalweg schützt die Krebszellen vor verschiedenen Krebsmedikamenten”, so Prof. David Shapiro, Leiter der Studie. Der Wissenschaftler hatte 2014 den Signalweg erstmals beschrieben und Komponenten entwickelt, welche zu einer Überstimulation des Signalwegs und dadurch zum selektiven Zelltod von Estrogenrezeptor-positven Brustkrebszellen führen.3

Überaktivität führt zu Tod der Krebszellen

Die ursprüngliche Substanz, BHPI, konnte Brustkrebszellen am weiteren Wachstum hindern, sie jedoch nicht töten, zudem traten starke Nebenwirkungen auf. Daher suchten die Forschenden nach potenteren small molecules für den Angriff auf a-UPR. Dies führte zur Entdeckung von ErSO, welches starke Anti-Tumor-Eigenschaften aufweist, ohne starke Nebenwirkungen bei Mäusen.

Das experimentelle Medikament hat keinen Effekt auf Zellen ohne den Estrogenrezeptor und keine Auswirkungen auf gesunde Zellen mit dem Rezeptor, jedoch erzielt es eine starke Wirkung auf ER-Brustkrebszellen. ErSO unterscheidet sich von Medikamenten wie Tamoxifen oder Fulvestrant, welche therapeutisch den ER blockieren, da es an einer anderen Stelle an den Rezeptor bindet und einen in Krebszellen bereits aktiven Signalweg als Ziel hat.

Etwa 75% aller Brusttumore sind ER-positiv und ErSO wirkt bereits bei einer geringen Expression. Daher könnte das small molecule bei der häufigsten Form von Brustkrebs eingesetzt werden.

Kein Einfluss auf Fortpflanzungsfähigkeit

In der Studie zeigten sich bei den Mäusen keine Nebenwirkungen auf das reproduktive System. Die Substanz wurde generell gut vertragen, auch in weitaus höheren Dosen als therapeutisch notwendig. Dies zeigten Versuche mit Mäusen, Ratten und Hunden.

ErSO wies zudem eine sehr schnelle Wirkung auf, auch bei fortgeschrittenen Tumoren. Oftmals schrumpften die humanen Brustkrebstumore innerhalb einer Woche Exposition auf nicht mehr detektierbare Größe.

,,Viele der Krebserkrankungen schrumpften innerhalb von 3 Tagen um 99%”, so Prof. Shapiro. Auch 4 Monate nach der Behandlung war kein erneutes Tumorwachstum bei den Mäusen zu sehen. Die Wirkung scheint langanhaltend zu sein.

  1. Boudreau MW et al. A small-molecule activator of the unfolded protein response eradicates human breast tumors in mice. Science Translational Medicine 2021; 13(603): eabf1383
  2. Yates D. New approach eradicates breast cancer in mice. Univeristy of Illionois News Bureau, 21.07.2021
  3. Andruska ND et al. Estrogen receptor α inhibitor activates the unfolded protein response, blocks protein synthesis, and induces tumor regression. PNAS 2015; 112 (15): 4737-4742

Bildquelle: © L. Brian Stauffer

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653