11. November 2020

Fortgeschrittenes metastasiertes NSCLC

Mutationsstatus: Alle Möglichkeiten ausgeschöpft?

Waren noch vor wenigen Jahren beim fortgeschrittenen NSCLC vor allem Histologie des Tumors und Allgemeinzustand des Patienten richtungsweisend für die Therapie, lautet das Dogma aktueller Leitlinien ganz klar: Erst testen, dann entscheiden. Doch wird dies auch umgesetzt?

Lesedauer: 2,5 Minuten

Wird in Deutschland zu wenig getestet?

Mittels zielgerichteter Therapien kann die Überlebenszeit beim fortgeschrittenen metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) deutlich verlängert werden. Aus diesem Grund priorisieren die aktuellen Leitlinien explizit eine umfassende molekularpathologische Testung des biopsierten Tumorgewebes auf therapierfähige Mutationen.1,2
Doch findet dies in Deutschland in dem Umfang statt, wie es möglich wäre? Die prospektive CRISP-Registerstudie will hierauf Antworten aus dem Versorgungsalltag finden.3

    • Offene, nicht-interventionelle, prospektive, multizentrische, klinische Studienplattform
    • Evaluierung der molekularen Biomarker-Testung, Behandlung und Outcome
    • Geplanter Einschluss von bis zu 8.250 Patienten seit Dezember 2015
    • Stand Ende 2019: > 3.700 Patienten ab Therapiebeginn der Erstlinie an 163 Zentren (Krebszentren, Kliniken, niedergelassene Praxen)
    • Patientencharakteristika: ≥ 18 Jahre, histologisch bestätigtes NSCLC, Stadium IV oder IIIB, wenn Patient ungeeignet für kurative Resektion und/oder Radiochemotherapie, zu Beginn der Erstlinientherapie
    • CRISP ist eine Studie der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) und wird gesponsert durch die AIO-Studien-gGmbH. Die Durchführung erfolgt in Kooperation mit iOMEDICO unter der Beteiligung von acht Fachgesellschaften.

Testraten sind stark Histologie-abhängig

Die aktuelle Interimsauswertung der noch rekrutierenden Registerstudie basiert auf Daten von 2.204 NSCLC-Patienten, rekrutiert seit Dezember 2015.3 Es wurde differenziert zwischen Plattenepithelkarzinom (PK; n = 472) und Nicht-Plattenepithelkarzinom (nPK; n = 1.732). In der nPK-Gruppe lagen die Anteile für Adenokarzinom, großzelliges Karzinom und andere Subtypen bei 91,3 %, 2,3 % und 6,4 %.

  • Die Gesamttestrate über diesen Zeitraum für mindestens einen Biomarker (EGFR- und BRAF-Mutationen, ALK- und ROS1-Translokationen) und/oder PD-L1-Expression lagen bei 88 % (n = 1.939), die Testrate von Patienten mit nPK lag hier bei 94 %, die von Patienten mit PK bei 65 %.
  • Wurde in diesem Setting nur 2018 betrachtet, ergab sich eine Testrate von 96 % (n = 504) für Patienten mit nPK und 75 % (n = 103) für Patienten mit PK.

Alarmierend: < 50 % testen auf alle 4 wichtigsten Mutationen

Die Analyse fokussierte sich im Folgenden auf die Mutationen, für welche zugelassene Erstlinientherapien zur Verfügung stehen und auf die am häufigsten getestet wurde: EGFR, ALK, ROS1 und BRAF.

  • Nur 49 % (nPK) bzw. 33 % (PK) der Patienten wurden aufalle 4 Mutationengetestet.
  • Über die Zeit betrachtet waren bei nPK-Patienten die Testraten auf EGFR und ALK konstant hoch (2016: 75 % bzw. 2018: 74 %), während die Testraten für ROS1 leicht anstiegen (2016: 54 % auf 2018: 64 %). Die BRAF-Testrate verdoppelte sich seit 2016 auf über 50 % im ersten Halbjahr 2018.
  • Die Testraten bei PK-Patienten schwankten zwischen 2016 und 2018 für alle 4 Biomarker nur marginal und lagen dabei meist unter der 25 %-Grenze.
  • Die Detektionsraten der jeweiligen Biomarker unter den im CRISP-Register zur Verfügung stehenden Testergebnissen sind in Tab. 1 dargestellt.

Tab. 1: Testergebnisse für <span>EGFR</span>-, <span>ROS1</span>-, <span>ALK</span>- und <span>BRAF</span>-Mutationsstatus in der <span>CRISP</span>-Registerstudie.<sup>3</sup>
Tab. 1: Testergebnisse für EGFR-, ROS1-, ALK- und BRAF-Mutationsstatus in der CRISP-Registerstudie.3

Wie interpretieren Sie diese Ergebnisse aus dem onkologischen Versorgungsalltag in Deutschland? Sehen Sie hier noch „Luft nach oben“? Worauf und wie oft testen Sie Ihre Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkarzinom? Machen Sie diese Entscheidung abhängig von der Histologie?

Diskutieren Sie hier – unten auf der Seite – mit Ihren Kollegen im Expertenforum!

Praktische Tipps und Hintergründe zu Resistenzentwicklungen, Testungen und Liquid Biopsy gibt Ihnen Prof. Dr. med. Markus Tiemann, Hamburg, hier:

Aus seiner Praxis-Expertise zum Einsatz von zielgerichteten Therapien beim NSCLC – und deren Limitationen – berichtet Prof. Dr. med. Arthur Gerl, München, hier:

  1. Griesinger F et al. Onkopedia-Leitlinie: Lungenkarzinom, nicht-kleinzellig (NSCLC). Stand Oktober 2019.
  2. AWMF Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie: Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms (Langversion 1.0). Stand Februar 2018, AWMF-Registernummer 020/007OL.
  3. Griesinger F et al. Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom und angreifbaren onkogenen Biomarkern in Deutschland. Behandlung und erste Outcomedaten vom prospektiven deutschen Register CRISP (AIO-TRK-0315). DGHO 2019. Poster P399

Bildquelle: Struktur der humanen Anaplastic Lymphoma Kinase (ALK) im Komplex mit Crizotinib. (Bild erstellt via Cn3D-Software/PubMed-Protein-Datenbank, basierend auf Cui JJ et al. Structure based drug design of crizotinib (PF-02341066), a potent and selective dual inhibitor of mesenchymal-epithelial transition factor (c-MET) kinase and anaplastic lymphoma kinase (ALK). J Med Chem 2011; 54: 6342-63)

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653