10. Juni 2021

Teil 2

7 wichtige Krebs-Studien vom ASCO-Kongress 2021, die die onkologische Praxis verändern werden

Wir berichten kurz über 7 wichtige Studien, die bei der virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt worden sind.

Lesedauer: 3,5 Minuten

Klarzelliges Nierenzell-Karzinom: Länger krankheitsfrei mit Pembrolizumab adjuvant

Eine adjuvante Therapie mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab senkte bei Patienten mit klarzelligem Nierenzell-Karzinom (RCC) das Risiko für ein Rezidiv oder Tod signifikant um 32% im Vergleich zu Placebo. Prof. Dr. Toni K. Choueiri, Dana-Farber Cancer Institute, Boston, Massachusetts, bezeichnete die KEYNOTE-564-Studie (Abstract LBA5) als „erste positive Phase-3-Studie mit einer adjuvanten Immuntherapie für Patienten mit Nierenzellkrebs“. Sein Fazit: „Pembrolizumab ist ein potenzieller neuer Behandlungsstandard für Patienten mit RCC im adjuvanten Setting.“

An der multizentrischen randomisierten Phase-3-Studie nahmen 994 Patienten mit histologisch bestätigtem klarzelligem Nierenzell-Karzinom (RCC) mit mittlerem oder hohem Risiko oder mit Weichteilmetastasen ohne erneute Krankheitszeichen nach der Operation teil. Höchstens 12 Wochen vor der Randomisierung hatten sie sich einer Nephrektomie unterzogen. Über ein Jahr erhielten sie randomisiert Pembrolizumab (200 mg alle 3 Wochen) oder Placebo.

Nach einem medianen Follow-Up von etwa 24 Monaten war der primäre Endpunkt, das vom Prüfarzt beurteilte krankheitsfreie Überleben (DFS), in der Pembrolizumab-Gruppe signifikant besser als in der Placebo-Gruppe mit einer Hazard Ratio von 0,68 (p = 0,0010). Bislang ist das mediane DFS in beiden Gruppen noch nicht erreicht. Nach 12 Monaten betrug die geschätzte DFS-Rate 85,7% unter Pembrolizumab sowie 76,2% unter Placebo, nach 24 Monaten 77,3% bzw. 68,1%. Das mediane Gesamtüberleben ist ebenfalls noch nicht erreicht. Hierzu sind weitere Auswertungen geplant

Als „Quantensprung für die Patienten in eine nächste Phase der Optionen beim RCC“ bezeichnete Diskutantin Prof. Dr. Rana R. McKay, Universität von Kalifornien, San Diego, und Moores Cancer Center, La Jolla, die Studienergebnisse. Sie seien praxisändernd. „Die Daten bedeuten einen Paradigmenwechsel, weil ist sich um die erste positive Studie mit einer adjuvanten Immuntherapie beim RCC handelt.“

Plattenepithel-Karzinom der Speiseröhre: Immuntherapie neuer Standard in der Erstlinie

Nivolumab in Kombi mit einer Chemo oder mit Ipilimumab verlängert bei unbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Plattenepithel-Karzinom der Speiseröhre das Gesamtüberleben im Vergleich zur Standard-Chemotherapie. Dies signifikant von 10,7 auf 13,2 Monate (Nivo + Chemo) bzw. 12,8 Monate (Nivo + Ipi). Die Immuntherapie wirkte besonders gut bei Patienten mit positivem PD-L1-Nachweis. Es wurden keine neuen, bislang nicht bekannte Nebenwirkungen gesehen.

„Nivolumab plus Chemotherapie und Nivolumab plus Ipilimumab stellen jeweils einen neuen potenziellen Standard für die Erstlinien-Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Plattenepithel-Karzinom des Ösophagus dar“, resümierte Dr. Ian Chau, MD, Royal Marsden Hospital, London und Surrey, Großbritannien (Abstract LBA4001).

Auch Diskutant Prof. Dr. David Cunningham, Royal Marsden NHS Foundation Trust, London, zog aus den Ergebnissen das Fazit, dass bei lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Plattenepithel-Karzinomen der Speiseröhre eine Chemo-Immuntherapie oder die Kombination aus Nivolumab plus Ipilimumab nun als Therapiestandard angesehen werden könnten. „Die duale Immuntherapie mit Nivolumab und Ipilimumab bietet den Patienten nun eine alternative Chemotherapie-freie Behandlungsmöglichkeit an, die bei einem Ansprechen zu langen Remissionen führen kann.“

NSCLC: Sotorasib als neue Therapieoption bei KRAS-G12C-Mutation

Der irreversible KRAS-G12C-Inhibitor Sotorasib führte bei Patienten mit vorbehandeltem KRAS-G12C-mutiertem nichtkleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) zu einem anhaltenden klinischen Nutzen. Dies ergab die einarmige Phase-2-Studie CodeBreak 100 (Abstract 9003), deren aktualisierte Ergebnisse PD. Dr. Ferdinandos Skoulidis, MD Anderson Cancer Center, Houston, USA, vorgestellt und parallel online im New England Journal of Medicine publiziert hat.

Wie Diskutantin Prof. Dr. Christine M. Lovly, Vanderbilt University Medical Center, Nashville, Tennessee, erläuterte, geht es um eine neue Klasse von Substanzen, die gezielt wirkt, aber die Tyrosinkinase nicht inhibiert. Es handele sich um Allel-spezifische Inhibitoren, die an Cystein angreifen. Die neuen Substanzen wie Sotorasib binden kovalent an den durch die Mutation eingeführten Cystein-Rest und besetzen eine Tasche in der so genannten Switch-II-Region, wenn sich KRAS G12C in einer inaktiven Form befindet.

Sotorasib ist in der einarmigen Phase-2-Studie CodeBreak 100 an 126 Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC mit einer KRAS-G12C-Mutation eingesetzt worden. Die Patienten nahmen einmal täglich 960 mg Sotorasib bis zur Progression der Erkrankung.

37,1% der Patienten sprachen nach einer medianen Beobachtungszeit von 15,3 Monaten auf die Behandlung mit Sotorasib an. 4 Patienten (3,2%) erreichten ein komplettes und 42 Patienten (33,9%) ein partielles Ansprechen. Bei 54 Patienten (43,5%) stabilisierte sich die Erkrankung. Die Krankheitskontrollrate lag bei 80,6%.

Die Studienergebnisse waren Grundlage für die beschleunigte Zulassung von Sotorasib zur Behandlung von Patienten mit KRAS-G12C-mutiertem, vorbehandeltem NSCLC durch die Food and Drug Administration (FDA) am 28. Mai 2021.

Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape erschienen.

Bildquelle: © gettyImages/Panuwat Dangsungnoen

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