22. November 2018

Krebs in der Schwangerschaft: Diese Risiken bestehen für das Kind

Krebsdiagnosen während oder kurz nach der Schwangerschaft sind selten. Das Risiko für fatale Auswirkungen auf das Kind ist jedoch deutlich erhöht.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Publikation in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology, die Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Fast vier Millionen Geburten analysiert

Ob sich eine Krebserkrankung der Mutter und die Therapie auf die fetale Entwicklung und die Gesundheit des Neugeborenen auswirken, untersuchten schwedische Forscher in einer nationalen Kohortenstudie. Insgesamt wurden 3,9 Millionen Geburten der Jahre 1973 bis 2012 ausgewertet. 984 Frauen erhielten während der Schwangerschaft eine Krebsdiagnose, bei 2723 war dies im ersten Jahr nach der Geburt der Fall. Am häufigsten handelte es sich dabei um maligne Melanome, Zervixkarzinome und Brustkrebs.

Die meisten Krebserkrankungen traten während des zweiten und dritten Trimesters auf (39,3% bzw. 38,3%). Frauen mit einer Krebserkrankung vor der Schwangerschaft waren aus der Analyse ausgeschlossen. Dasselbe galt für Frauen mit Mehrlingsgeburten. Schwangere mit einer Krebsdiagnose waren älter (Median 31 Jahre), rauchten seltener und hatten häufiger per Kaiserschnitt entbunden.

Totgeburten und Säuglingstod

Eine Krebsdiagnose steigerte das Risiko einer Totgeburt während der Schwangerschaft um das 2,5-fache. Die Assoziation beschränkte sich dabei auf zu kleine Feten in Bezug auf das Reifealter (small for gestational age, SGA). Bei Müttern, die hingegen erst im ersten Jahr nach der Geburt an Krebs erkrankten, ließ sich keine höhere Rate an Totgeburten feststellen.

Allerdings führte eine Krebserkrankung der Mutter, sowohl während als auch nach der Schwangerschaft, zu einer höheren Sterblichkeitsrate des Säuglings: Das Risiko war 1,5-fach bis doppelt erhöht im Vergleich zu Müttern ohne Krebsdiagnose und traf nur auf Neugeborene (bis 27 Tage) zu. Häufigste Todesursache waren Atemwegsprobleme.

Frühgeburten und SGA

Frühgeburten kamen bei Krebspatientinnen deutlich häufiger vor. In den meisten Fällen wurde die vorzeitige Geburt aus medizinischen Gründen eingeleitet. Bei spontanen Frühgeburten gab es indes keinen Unterschied zwischen Krebspatientinnen und gesunden Frauen. Zudem fanden die Forscher einen Zusammenhang zwischen SGA (unterhalb des zehnten Perzentil) und malignen Neoplasien, allerdings nur bei Geburten vor dem errechneten Geburtstermin.

Untergewichtige oder zu kleine kleine Kinder kamen häufiger zur Welt, wenn die Mutter an malignen hämatopoetischen Erkrankungen oder Ovarialkarzinomen litt, jedoch nicht bei Brustkrebs. Eine Frühgeburt war mit allen Krebsarten außer malignen Melanomen assoziiert, insbesondere bei Blutkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Brustkrebs.

Komplikationen während der Schwangerschaft wie Blutungen, Hypertonie oder Gestationsdiabetes traten in vergleichbarem Maß auf.

Therapie als Risikofaktor?

Die Studienautoren vermuten, dass auch die Krebsbehandlung der Mutter schwere Folgen für das Ungeborene haben kann. Über die Hälfte der Patientinnen wurde während der Schwangerschaft behandelt und SGA war bei diesen Frauen besonders häufig. Den größten Einfluss auf Totgeburten und SGA hatten Krebsdiagnosen während des zweiten Trimesters. Bei Diagnosen im ersten Trimester ist noch ein Schwangerschaftsabbruch möglich. Die Forscher gehen davon aus, dass eine Krebstherapie im dritten Trimester weniger schädlich für den Fetus ist.

Aber auch die Erkrankung selbst kann zu fetalen Wachstumsstörungen führen, durch eine veränderte Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Fetus oder eine lokale Inflammation. Auch der psychologische Stress einer Krebsdiagnose kann gesundheitliche Folgen für das Ungeborene haben.

Vorzeitige Einleitung der Geburt: ein klinisches Dilemma

Die Wissenschaftler weisen auf die schwierige Entscheidung hin, ob die Schwangerschaft vorzeitig beendet werden soll, um die Exposition des Fetus zu reduzieren. Dadurch wird auch das Risiko einer Mangelversorgung vermindert. Allerdings ist eine zu frühe Geburt ein bekannter Risikofaktor für Neugeborenensterblichkeit. Über den geeigneten Zeitpunkt der Geburt (natürlich oder iatrogen) sollte daher nach sorgfältiger Überwachung von Mutter und Kind entschieden werden.

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  1. Lu D et al. Maternal cancer during pregnancy and risks of stillbirth and infant mortality. Journal of Clinical Oncology 2017; 35(14): 1522-1529.

Bildquelle: © istock.com/YsaL

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