25. März 2021

Journal Club

TKIs in der Hämatologie: Immunmodulation und Covid-19

Ein aktuelles Review in Blood Advances geht auf den Einfluss von Tyrosin-Kinase-Inhibitoren (TKIs) auf die Immunmodulation bei hämatologischen Patienten mit Covid-19 ein.1 Lesen Sie hierzu eine Experteneinschätzung.

Lesedauer: 1 Minute

Kommentar zum Review

Prof. Dr. Hans-Günther Mergenthaler: In den vergangenen Jahrzehnten wurden bei nahezu allen hämatologischen malignomen Störungen der zellulären Signalwege identifiziert. Tyrosinkinase- Inhibitoren (TKIs) zielen auf diese dysregulierte Signalwege und haben bereits die Therapieergebnisse dieser Erkrankungen maßgeblich optimiert.

Viele dieser Signalwege sind aber auch bei nicht malignen Immunzellen essentiell. Die Covid-19-Erkrankung zeigt ebenfalls immunologische Dysbalancen und für TKIs wurden bislang Effekte überwiegend in vitro analysiert.

Darüber hinaus basieren viele der berichteten In-vivo-Effekte von TKIs entweder auf Tiermodellen oder auf Beobachtungen bei symptomatischen Patienten mit hämatologischem Malignomen, die häufig bereits unter einer gestörten Immunregulation litten.

Trotzdem könnten TKIs den Verlauf von Infektionserkrankungen wie beispielsweise Covid-19 beeinflussen. Die bei Patienten mit schwerer Covid-19-Erkrankung erfolgreiche Dexamethason-Therapie weist darauf hin, dass bestimmte Untergruppen von einer Immunsuppression durch Deregulation proinflammatorischer Zytokine profitieren können.

Steroide können aber auch die anfänglichen Immunreaktionen reduzieren, die für die Erregererkennung und Kontrolle der viralen Replikation benötigt wird. Deshalb scheint eine gut getimte Steroid-Behandlung in Kombination mit neueren TKIs bei Erkrankungen mit Imbalancen der Immunfunktion möglich.

Prof. Dr. Hans-Günter Mergenthaler ist Facharzt für Hämatologie und internistische Onkologie. Er war Professor an der Medizinischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und viele Jahre Ärztlicher Direktor der Klinik für Onkologie am Katharinenhospital in Stuttgart. Seit 2014 ist er in einer Privatpraxis für Internistische Onkologie und Hämatologie niederglassen.

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