Titelbild von Onkologie kompakt
Logo von Onkologie kompakt

Onkologie kompakt

09. Feb. 2023
Neue UK-Studie

Hochverarbeitete Lebensmittel und Krebsrisiko

Hochverarbeitete Lebensmittel (ultra-processed foods, UPFs) machen in Deutschland etwa die Hälfte der gesamten Energiezufuhr aus. Doch wie wirken sich die Nahrungsmittel auf das Krebsrisiko aus?1-3

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Lebensmittel im Supermarkt
Fertiggerichte: Bequem, aber auch gesund?

Autor: Christoph Renninger

Erhöhtes Risiko bei vermehrtem Konsum

Das Essen hochverarbeiteter Lebensmittel, d.h. verzehrfertige Produkte aus verschiedenen, meist industriell gefertigten, Zutaten, scheint mit einem erhöhten Risiko einherzugehen, an Krebs zu erkranken und zu versterben. Insbesondere gibt es eine Assoziation mit Ovarialkarzinomen, so die Ergebnisse einer Beobachtungsstudie aus dem Vereinigten Königreich.

In der ersten Studie ihrer Art mit fast 20.000 erwachsenen Teilnehmenden mittleren Alters aus der UK Biobank zeigte sich für jede Steigerung des UPF-Konsums um 10% eine Erhöhung des allgemeinen Krebsrisikos um 2% (Hazard Ratio 1,02) und um 19% für Eierstockkrebs. Ebenso war das Sterberisiko für Krebs im Allgemeinen, und Ovarial- und Brustkrebs im Besonderen erhöht.

Durchschnittlich betrug der Anteil von UPF an der Ernährung 22,9%, es wurden daraufhin Gruppen von Quartilen eingeteilt. Unter den Personen mit dem höchsten Konsum war das Krebsrisiko um 7% im Vergleich zur Gruppe mit dem geringsten Konsum. Die Inzidenz für Lungenkrebs, Hirntumore und diffuse großzellige B-Zell-Lymphome war ebenfalls erhöht. Ebenso bestand ein erhöhtes Sterberisiko für Krebs an sich, Lungen- und Eierstockkrebs, wenn die beiden Gruppen miteinander verglichen wurden.

Die Assoziationen bestanden auch nach Anpassungen auf weitere sozioökonomische und Lebensstilfaktoren, wie Rauchen, Ernährung, körperliche Aktivität und BMI. Die Studie wurde nun Ende Januar in eClinicalMedicine veröffentlicht.1

Besorgniserregende Ergebnisse

Der Konsum von hochverarbeiteten Lebensmittel ist in Ländern wie dem Vereinigten Königreich, Deutschland und den USA seit Jahren angestiegen. Für die Herstellung sind industrielle Prozesse erforderlich, die dafür sorgen, dass die Produkte lange haltbar, verzehrfertig oder erhitzbar und schmackhaft sind. Durch günstige Zutaten sind für die Hersteller hoch profitabel.² Charakteristisch ist oft ein hoher Gehalt an Fett, Zucker, Salz und künstlichen Zusatzstoffen.

Die Studienergebnisse sollten allerdings mit Vorsicht betrachtet werden, so Prof. Dr. Tom Sanders, London. Die Definition von UPFs sei seiner Ansicht nach zu vage, außerdem waren auch durch Rauchen verursachte Krebsarten in der Gruppe mit hohem Konsum häufiger, ein möglicher Störfaktor. Auch die geringe Fallzahl von Ovarialkrebs sei mit 291 relativ niedrig.

Verbindungen zu anderen Krankheiten

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass der Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel mit Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, kardiovaskulären Krankheiten und Gesamtmortalität assoziiert ist.

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lassen sich keine Aussagen zur Kausalität treffen. Die Ergebnisse zeigen aber die Bedeutung prozessierter Lebensmittel in der Ernährung auf. Insbesondere für Frauen zeigten sich konsistente Zusammenhänge.

Abschließend raten die Autorinnen und Autoren den Anteil von hochverarbeiteten Lebensmitteln zu begrenzen, um Krebserkrankungen zu verhindern.

Dieser Beitrag ist im Original erschienen bei Medscape.

Quellen anzeigen
Impressum anzeigen