14. Mai 2020

Welche Rolle spielt die Herkunft bei der molekularen Ausstattung von Krebszellen?

Unterscheidet sich ein Leber- oder Nierenkarzinom bei einem Afrikaner von dem eines Nordeuropäers? Seit der Abschluss des humanen Genomprojektes im Jahr 2003 auch tiefe Einblicke in die molekulare Ausstattung von Krebszellen ermöglicht, beschäftigen sich Krebsforscher mit der Frage, ob die Abstammung möglicherweise Einfluss auf das genetische Profil verschiedener Tumorentitäten hat.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Mehr als 10.000 Patienten ausgewertet

In einer aktuellen Arbeit wurde dazu eine große genetische Datenbank (The Cancer Genome Atlas – TCGA) ausgewertet. Insgesamt gingen hier die Daten von 10.678 Patienten mit 33 verschiedenen Tumorentitäten ein. Bei Patienten verschiedener Herkunft konnten die Wissenschaftler zahlreiche signifikante Variationen in hunderten von Genen finden, die aber sowohl in gesunden als auch in Krebszellen alle gewebespezifisch waren. Somit gibt es offensichtlich keinen generellen Unterschied im molekularen Aufbau von Krebsgewebe, sondern man muss sich jede Gewebeart und Tumorentität einzeln angucken.

So ließ sich z.B. nachweisen, dass Nierenkarzinome bei Menschen afrikanischer Herkunft seltener Mutationen im VHL (Von Hippel Lindau)-Gen aufweisen, die die Neoangiogenese anfeuern. Blasenkarzinome bei Patienten ostasiatischer Abstammung lösen seltener Immunreaktionen aus als bei Menschen mit europäischer Herkunft mit dieser Tumorentität.

Kein eindeutiges Bild

Dabei ließ sich keine klare Linie erkennen: Auffällige molekulare Unterschiede z.B. bei Lungenkarzinomen von Afrikanern ließen sich nicht bei anderen Entitäten wie Mamma- oder Pankreaskarzinomen wiederfinden.

Herkunftsspezifische Unterschiede in der molekularen Ausstattung von Krebszellen könnte  in Zukunft eine wichtige Rolle auch bei der Wahl der Therapie und der prognostischen Einschätzung spielen. Diese Studie ist ein erster Schritt in diese Richtung, schreiben die Autoren. Es sind aber noch genauere Analysen vor allem auch von gesundem Gewebe erforderlich, um herkunftsspezifische genetische Unterschiede festzustellen und von möglichen Umwelteinflüssen abzugrenzen.

  1. Carrot-Zhang J et al. Comprehensive Analysis of Genetic Ancestry and Its Molecular Correlates in Cancer. Cancer Cell 2020; 37(5): 639-564.
  2. Study shows connection between the ancestry and the molecular makeup of cancer. Medical Xpress, 11.05.2020

Bildquelle: © Getty Images/Rawpixel

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653