25. Februar 2019

Glioblastom: Kombinationstherapie & Schwerionen

Glioblastome sind die häufigsten bösartigen Hirntumoren bei Erwachsenen. Da die Tumoren gegen gängige Krebstherapien resistent sind, haben sie eine sehr schlechte Prognose. Doch nun gibt es Fortschritte in der Forschung.

Lesedauer: 4 Minuten

Kombinationstherapie für bestimmte Patientengruppe

Jährlich erkranken allein in Deutschland rund 2.400 Menschen an einem Glioblastom. Die Patienten erhalten momentan nach einer Strahlentherapie in der Regel den Wirkstoff Temozolomid (TMZ). Besonders gut hilft Temozolomid bei einer Unterform des Glioblastoms, bei Patienten mit einer MGMT-Promotor-Methylierung. Seine Wirkung ist aber selbst in dieser Patientengruppe begrenzt.

Hoffnung machte vor einigen Jahren eine Pilotstudie. In ihr hatten Wissenschaftler um Prof. Dr. Ulrich Herrlinger, Bonn, Temozolomid zusammen mit Lomustin (CCNU) verabreicht, einem weiteren auf die DNA wirkenden Krebsmedikament. „Wir fanden damals erste Hinweise, dass diese Kombination die Prognose eventuell deutlich verbessern kann“, erklärt Herrlinger.1

Studie in Lancet veröffentlicht

„An der jetzt veröffentlichten Studie waren insgesamt 17 Zentren in Deutschland mit knapp 130 Patienten beteiligt. Im Mittel überlebten die so behandelten Patienten rund vier Jahre, mehr als 16 Monate länger als bei alleiniger Gabe von TMZ. „Das ist ein bedeutender Erfolg“, sagt Herrlinger.

„Seit der Erstzulassung von Temozolomid im Jahr 2005 hatte die Chemotherapie des Glioblastoms praktisch keine Fortschritte mehr gemacht.“ Die Forscher versuchen nun, die Therapie weiter zu verbessern, etwa durch eine Kombination von drei Medikamenten.

Allerdings profitieren nur die Patienten mit einem methylierten MGMT-Promotor von dem neuen Behandlungsansatz – gut ein Drittel aller Erkrankten. „Es handelt sich um eine für diese Untergruppe maßgeschneiderte Therapie“, betont Herrlinger. „Letztlich ist das ein erster Schritt hin zu einer personalisierten Krebsmedizin für Glioblastompatienten.“ 2

Schwerionen-Therapie überwindet Resistenz von Hirntumoren

Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Universitätsklinikum Heidelberg zeigen nun, dass eine Bestrahlung mit Schwerionen diese Therapieresistenz möglicherweise überwinden und die Krebszellen vernichten könnte.

Die bösartigen Hirntumoren enthalten neben den normalen Krebszellen auch solche, die besonders widerstandsfähig gegenüber herkömmlichen Therapien sind. Hierzu gehören zum einen die von Natur aus widerstandsfähigen Tumorstammzellen, zum anderen die sogenannten hypoxischen Zellen, die aus dem inneren Bereich des Tumors stammen, in dem meist Sauerstoffmangel herrscht.

Eine Studie unter der Leitung von Amir Abdollahi, Heidelberg, zeigt nun, dass eine Schwerionentherapie in der Lage ist, auch diese beiden besonders widerstandsfähigen Arten von Krebszellen zu zerstören.

Bei der herkömmlichen Strahlentherapie wird der Tumor mit Photonen bestrahlt. Diese Energieteilchen zerstören die Krebszellen nicht selbst, sondern erzeugen in den Zellen reaktive Sauerstoffmoleküle, so genannte „Radikale“, die wiederum das Erbgut der Krebszellen zerstören. Tumorstammzellen sind allerdings in der Lage, diese Sauerstoff-Radikale zu neutralisieren.3

Kohlenstoffionen vernichten Tumorzellen direkt

Der Umweg über die Sauerstoff-Radikale ist bei der Bestrahlung mit Schwerionen dagegen nicht notwendig. Sie vernichten die Tumorzellen direkt. „Wir verwenden Kohlenstoffionen, die unmittelbar am Erbgut der Krebszellen komplexe Schäden verursachen, die weder Tumorstammzellen noch hypoxische Zellen reparieren können“, erklärt Abdollahi.

Doch mit den schweren Kohlenstoff-Ionen lassen sich nicht nur besonders widerspenstige Krebszellen zerstören. Die Bestrahlung führt außerdem dazu, dass sich das Tumormilieu verändert. Glioblastome sind Tumoren, gegen die das Immunsystem des Körpers wenig ausrichten kann.

Die hypoxischen Zellen im Tumorinneren sondern als Folge der herkömmlichen Bestrahlung mit Photonen Substanzen ab, die die Immunabwehr hemmen. „Die Vernichtung der hypoxischen Zellen durch Kohlenstoff-Ionen verändert das Tumormilieu so, dass das Glioblastom eventuell für das Immunsystem leichter angreifbar wird“, erklärt Abdollahi.4

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  1. Fortschritt bei der Therapie aggressiver Hirntumore. Pressemitteilung Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 18.02.2019
  2. Herrlinger U et al. Lomustine-temozolomide combination therapy versus standard temozolomide therapy in patients with newly diagnosed glioblastoma with methylated MGMT promoter (CeTeG/NOA–09): a randomised, open-label, phase 3 trial. Lancet 2019; 393(10172): 678-688.
  3. Schwerionen-Therapie überwindet Resistenz von Hirntumoren. Pressemitteilung Deutsches Krebsforschungszentrum, 18.02.2019
  4. Chiblak S et al. Carbon irradiation overcomes glioma radioresistance by eradicating stem cells and forming an antiangiogenic and immunopermissive niche. JCI Insight 2019; 10.1172/jci.insight.123837

Bildquelle: The Internet Pathology Laboratory for Medical Education. The University of Utah 

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