23. Juli 2020

Mammakarzinom

Fasten könnte Chemotherapie noch effektiver machen

Kurzzeitiges Fasten könnte die Toxizität einer Chemotherapie abmildern und den therapeutischen Effekt auf den Tumor verstärken. In einer Phase-II-Studie wurde dieser Hypothese jetzt bei Patientinnen mit einem frühen HER2-negativem Mammakarzinom im Stadium II/III nachgegangen, die eine adjuvante Chemotherapie erhielten.1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Effekt aus präklinischen Studien bekannt

In zahlreichen präklinischen Studien wurde bereits gezeigt, dass kurzzeitiges Fasten oder eine Fasten-nachahmende Diät (FMD) gesunde Zellen vor Stressoren wie einer Chemotherapie schützen kann und dabei gleichzeitig Tumorzellen empfindlicher gegen Zytostatika und andere Tumortherapien macht. Im Wesentlichen beruht der Effekt darauf, dass Fasten bei gesunden Zellen einen Wechsel vom proliferativen Status zu einem protektiven Erhaltungs- und Reparationsstatus auslöst.

Tumorzellen sind dagegen aufgrund der Onkoprotein-Aktivität zu diesem Schutzmechanismus nicht in der Lage, was mit einer erhöhten Sensitivität gegenüber der Krebstherapie einhergeht. Zudem kommt es unter mindestens 48 Stunden andauernden Fastenbedingungen zu einem Abfall von Insulin-like Growth Factor 1 (IGF-1), Insulin und Glukose – alles Faktoren, die das Tumorwachstum fördern und eine Apoptose der Tumorzellen verhindern. Auch in kleineren klinischen Studien wurde bereits gezeigt, dass Fasten unter einer Chemotherapie sicher und gut verträglich ist und möglicherweise die Toxizität verringern kann.

Phase-II-Studie bei Patientinnen mit Mammakarzinom

In einer klinischen Phase-II-Studie (DIRECT Trial) sind Stefanie de Groot von der Leiden University in den Niederlanden und ihre Arbeitsgruppe dieser Frage genauer nachgegangen. Eingeschlossen wurden 131 Patientinnen mit einem frühen HER2-negativem Mammakarzinom im Stadium II/III, bei denen eine neoadjuvante Chemotherapie geplant war. Die Hälfte der Frauen erhielt drei Tage vor und während des Chemotherapie-Zyklus eine FMD, die andere Hälfte ernährte sich in dieser Zeit normal.

Die hier verwendete 4-tägige FMD bestand aus einer pflanzenbasierten Substitutionsdiät mit geringem Aminosäurenanteil in Form von Suppen, Brühe, Flüssigkeit und Tee. Der Kalorienanteil wurde von  etwa 1.200 kcal am ersten Tag auf ca. 200 kcal/d an den Tagen 2-4 reduziert.

53 der 65 Patientinnen beendeten den ersten FMD-Zyklus und über 50 % auch den zweiten. Mindestens vier Zyklen erreichten 22 Frauen (33,8 %), und 20 % hielten die FMD über alle Chemotherapie-Zyklen ein. Die Grad III/IV-Toxizität über alle Chemotherapie-Zyklen unterschied sich in der Intention-to-treat-Analyse nicht signifikant zwischen den beiden Gruppen (75,4 % unter FMD und 65,6 % unter regulärer Diät) und auch die Abbruchrate der Chemotherapie zeigte keine wesentlichen Unterschiede  (27,7 % vs. 23,8 %). Allerdings hatten die Patienten in der FMD-Gruppe kein Dexamethason vor den Chemotherapiezyklen erhalten.

Besseres Ansprechen unter Fastendiät

Deutliche Vorteile der Fasten-Diät zeigten sich dagegen beim Ansprechen auf die Chemotherapie. Ein radiologisches komplettes oder partielles Ansprechen des Tumors zeigte sich dreimal häufiger in der FMD-Gruppe (OR 3,168) und in der Per-Protocol-Analyse war die Wahrscheinlichkeit für ein pathologisches Ansprechen (Tumorzellverlust 90-100 %) deutlich höher (OR 4,109).

Dementsprechend war der Anteil von Patienten, die unter der neoadjuvanten Therapie nur eine Stabilisierung oder eine Progression aufwiesen, unter der FMD geringer. Außerdem konnte gezeigt werden, dass die FMD signifikant den Chemotherapie-induzierten DNA-Schaden in T-Lymphozyten reduzierte. 

Aufgrund ihrer Ergebnisse halten die Autoren die FMD als Zusatz zur Chemotherapie für einen erfolgversprechenden Ansatz in der Tumortherapie, der weiter in Studien untersucht werden sollte.

  1. Stefanie de Groot et al. Fasting mimicking diet as an adjunct to neoadjuvantchemotherapy for breast cancer in the multicenter randomized phase 2 DIRECT trial. NATURE COMMUNICATIONS 2020; 11:3083

Bildquelle: © Getty Images/Sonja Rachbauer

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653