23. April 2020

Krebstherapie in den Zeiten von Covid-19

Die Versorgung von Patienten mit onkologischen Erkrankungen, die sich mit Covid-19 infiziert haben, wird in den letzten Tagen in der Öffentlichkeit mit Sorge diskutiert. Auslöser war eine verkürzte mediale Darstellung über eine Häufung infizierter Patienten im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO)

Häufung von Covid-19 in Hamburger Krebsstation?

Vor vier Wochen war im UKE bei zwei Patienten mit neudiagnostizierter akuter Leukämie auch eine akute Covid-19-Infektion festgestellt worden. Umgebungsuntersuchungen der Krankenhaushygiene bei den Patienten sowie beim Personal ergaben zunächst wenig positive Befunde. Im Laufe der Folgewochen wurden weitere Patienten mit onkologischen Erkrankungen Covid-19-positiv getestet. Infektionsketten sind hochkomplex und werden kontinuierlich nachvollzogen. Gemeinsam mit der Klinikhygiene wurde ein regelmäßiges und kontinuierliches Monitoring aller Patienten sowie Mitarbeiter aller Berufsgruppen in der Onkologie veranlasst.

Dieses Vorgehen deckte im gesamten Zeitraum weitere Covid-19-Infektionen auf, zum Teil auch bei asymptomatischen Patienten; dies ist bei der SARS-CoV-2 Infektion zu erwarten. Die behördlichen Meldungen und die Quarantänisierung aller Betroffenen erfolgte nach den gesetzlichen Vorgaben. Die betroffenen Patienten wurden zur optimalen Versorgung beider Erkrankungen zunächst auf die Intensivstation, dann auf eine speziell eingerichtete Covid-19-Hämatologie-Onkologie-Station verlegt. Die Betreuung der Covid-19-positiven onkologischen Patienten wurde durch nur ein ärztliches, nur dort agierendes Team realisiert.

Optimale Integration in die Therapie

„Unsere Erfahrungen am UKE bestätigen die Notwendigkeit eines sorgfältigen Monitorings stationärer Patientinnen und Patienten auf SARS-CoV-2. Sie zeigen auch, dass und wie das Management von Covid-19 in die optimale Versorgung der malignen Grundkrankheit integriert werden kann und muss“, so Prof. Dr. Carsten Bokemeyer, Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik für den Bereich Onkologie, Hämatologie und Knochenmarktransplantation mit Abteilung Pneumologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Ähnliche Erfahrungen wurden auch bereits in anderen Kliniken gemacht, so Prof. Dr. Hermann Einsele, Vorsitzender der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg. „Grundsätzlich muss damit gerechnet werden, dass die Zahl der SARS-CoV-2-positiven Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen in den nächsten Monaten steigen und die in der Behandlung Tätigen vor immer größere Herausforderungen stellen wird.“

Onkopedia-Leitlinie bietet Hilfe

Prof. Dr. Lorenz Trümper, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO: „Wir haben in den letzten Wochen intensive Gespräche mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus Hamburg geführt und sind davon überzeugt, dass der Umgang mit dem Infektionsgeschehen professionell und das Management jederzeit korrekt waren. Darüber hinaus wurde stets entsprechend dem aktuellen Stand des medizinischen Wissens gehandelt.

Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass Patienten mit lebensbedrohlichen Blutkrebserkrankungen trotz einer SARS-COV-2 Infektion die notwendigen Therapien erhielten und somit ihre Heilungschancen gewahrt blieben.“ In diesem Zusammenhang verweist Trümper auf die von der DGHO erarbeitete und kontinuierlich aktualisierte Onkopedia-Leitlinie Coronavirus-Infektion (Covid-19) bei Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen.

  1. Krebstherapie in den Zeiten von COVID-19; DGHO, 23.04.2020.

Bildquelle: © Getty Images/sudok1

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