04. März 2020

Covid-19 bei Krebspatienten

Die Zahl der weltweit an dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 erkrankten Menschen steigt rasch. Viele Krebspatienten sind beunruhigt. Deshalb geben die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) und die Arbeitsgemeinschaft Infektionen in der Hämatologie und Onkologie (AGIHO) der DGHO Empfehlungen, basierend auf dem derzeitigen Stand des medizinischen Wissens.1

Lesedauer: 2 Minuten

Empfehlungen ernstnehmen

Die Fachgesellschaft mahnt Krebspatienten zur besonderen Achtsamkeit und zur Beachtung der Empfehlungen der Gesundheitsbehörden. Sie weisen aber auch daraufhin, dass die Angst vor einer Gefahr (wie einer Infektion mit dem Coronavirus) nicht die Bekämpfung einer existierenden Erkrankung (wie Krebs) beeinträchtigen darf.

Wer ist besonders gefährdet?

Es gibt bisher keine Berichte über eine erhöhte Erkrankungsrate bei Krebspatienten. Wir orientieren uns daher an den Erfahrungen mit anderen Virus-Infektionen der oberen Luftwege. Besondere Risikogruppen sind Patienten mit einem geschwächten Immunsystem. Dazu gehören:

  • maligne hämatologische Grunderkrankung (Leukämie, Lymphom)
  • Leukozytopenie (niedrige Zahl weißer Blutkörperchen)
  • niedrige Immunglobulinwerte
  • langdauernde Immunsuppression (Steroide, Antikörper)
  • allogene Stammzelltransplantation und andere zelluläre Therapien

Ein besonderes Risiko bei Virusinfektionen der oberen Luftwege sind Ko-Infektionen. Vor allem Ko-Infektionen durch Bakterien und Pilze haben entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung. Patienten sollen mit ihren behandelnden Ärzten über das individuelle Risiko sprechen.

Worauf müssen Krebspatienten achten?

Die empfohlenen Schutzmaßnahmen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) gelten auch für Krebspatienten. Das sind

  • Schützen: Hände desinfizieren, Distanz zu Personen mit Infekten halten, freiwillige Isolation (Fernhalten von großen Menschenansammlungen)
  • Erkennen: erste Krankheitszeichen wie Husten, Halskratzen, Schnupfen und Fieber beachten
  • Handeln: telefonischer Arztkontakt bei Krankheitszeichen nach Rückkehr aus einem Risikogebiet

Die mittlere Inkubationszeit liegt bei 6-7 Tagen. Nach einer Quarantäne von 14 Tagen gilt eine Infektion als ausgeschlossen.

Sollen Krebstherapien verschoben werden?

Bei jeder Krebstherapie muss der Nutzen der Behandlung gegen den möglichen Schaden, d.h. Nebenwirkungen, abgewogen werden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das individuelle Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus in Deutschland niedrig. Damit steht der Nutzen einer sinnvollen und geplanten Krebstherapie über dem theoretischen Risiko einer möglichen Infektion mit diesem Coronavirus.

Bei einem erhöhten Infektionsrisiko, z.B. Kontakt mit einem Covid-19-Patienten, muss individuell über die Verschiebung einer Krebstherapie entschieden werden.

Sind Blutübertragungen gefährlich?

Bisher liegen keine Berichte über die Übertragung von COVID-19 durch Blutübertragungen vor. Personen mit Infektionen und Personen, die in den letzten 4 Wochen Kontakt zu jemandem mit einer ansteckenden Krankheit hatten, werden in Deutschland nicht zur Blutspende zugelassen. Der Arbeitskreis Blut des RobertKoch-Institut sieht kein Risiko einer COVID-19-Infektikon durch Blutspenden.

  1. Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19): Informationen für Patienten und Ärzte. Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) und der Arbeitsgemeinschaft Infektionen in der Hämatologie und Onkologie (AGIHO) der DGHO, 02.03.2020

Bildquelle: © Getty Images/CHinnapong

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