10. Januar 2019

Chemotherapie erhöht das Risiko seltener Blutkrebsarten

Eine aktuelle Studie konnte zeigen, dass das Risiko eines therapiebezogenen myelodysplastischen Syndroms (tMDS) und einer akuten myeloischen Leukämie (AML) erhöht ist, wenn zuvor eine Chemotherapie eines soliden Tumors stattfand.

Lesedauer: 1 Minute

Morphologie des Knochenmarks, die eine akute myeloische Leukämie zeigt
Morphologie des Knochenmarks, die eine akute myeloische Leukämie zeigt

Dieser Beitrag basiert auf einer Publikation in der Fachzeitschrift JAMA Oncology, die Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Seltene, aber meist fatale Erkrankung

tMDS und AML sind seltene Erkrankungen, die bislang vor allem in Kasuistiken, Fall-Kontroll-Studien oder klinischen Studien untersucht wurden. In der nun veröffentlichen Studien wurden erstmals Populations-basierte Daten ausgewertet und somit eine höhere Fallzahl analysiert. Über 700.000 Patienten des SEER-Programms (Surveillange, Epidemiology, and End Results) des nationalen Krebsinstituts (NCI) in den USA wurden dabei ausgewertet.

Die Patienten waren zwischen 20 und 84 Jahre alt und wurden aufgrund eines soliden Tumors in den Jahren 2000-2013 mit einer Chemotherapie behandelt. Von diesen Patienten, die alle mindestens ein Jahr nach der Diagnose noch am Leben waren, entwickelten 1.619 eine tMDS/AML. Das Risiko war bei 22 von 23 untersuchten Krebsarten (mit Ausnahme von Kolorektalkarzinomen) um das 1,5- bis mehr als 10-fache erhöht.

Die neuen Studienergebnisse zeigen, dass die Blutkrebsarten bei fast allen Patienten nach einer Chemotherapie beachtet werden sollten. Bislang war dies nur bei Lungen-, Eierstock-, Brust-, Hoden- und Hirntumoren bekannt. Die kumulative Inzidenz lag bei <1% in einem Zeitraum von zehn Jahren nach der Therapie. Allerdings ist die Prognose bei tMDS/AML sehr schlecht.

Chemotherapie effektiv einsetzen

Exakte Angaben dazu, welche Wirkstoffe bei der Chemotherapie eingesetzt wurden, ließen sich nicht treffen. Allerdings sahen die Wissenschaftler einen starken Anstieg von Platin-basierten Therapien über die untersuchten Jahre hinweg. Bei diesen ist ein erhöhtes tMDS/AML-Risiko bekannt.

Dr. Lindsay Morton, Erstautorin der Studie, betont, dass die Behandlungsrisiken und Nebenwirkungen mit dem positiven, lebensverlängernden Effekten einer Chemotherapie abgewogen werden müssen. Die Exposition von Leukämie-verursachenden Agenzien sollte möglichst gering halten werden. Außerdem befürwortet sie die Entwicklung neuer effektiver und weniger toxischer Chemotherapie-Methoden.2

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  1. Morton LM et al. Association of Chemotherapy for Solid Tumors With Development of Therapy-Related Myelodysplastic Syndrome or Acute Myeloid Leukemia in the Modern Era. JAMA Oncology 2018; Published online December 20, 2018. doi:10.1001/jamaoncol.2018.5625
  2. Study finds elevated risk of certain rare blood cancers after chemotherapy for most solid tumors. Pressemitteilung National Cancer Institute, 20.12.2018

Bildquelle: Mittal R et al. Secondary acute myeloid leukemia after successful treatment for osteosarcoma. Indian J Med Paediatr Oncol 2010; 31(1): 33-35.

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