17. Oktober 2019

DGHO 2019

Die Highlights des Jahres in der Onkologie

Auf der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie wurden die Highlights der vergangenen Monate aus Klinik und Wissenschaft vorgestellt.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag auf der DGHO-Jahrestagung, die Christoph Renninger für Sie besucht hat.1

Glioblastom: Biomarker für Therapie

In der CeTeG/NOA-09-Studie konnte mit der Kombination Lomustin/Temozolomid und Bestrahlung ein Vorteil beim Gesamtüberleben gegenüber der Standard Temozolomid-Chemoradiotherapie gezeigt werden (48 vs. 31 Monate).2 Dies traf für Patienten mit methyliertem MGMT-Promotor zu.

Allerdings wurden die in Lancet publizierte Studie mit 129 noch überschaubar und beim progressionsfreien Überleben gab es keine signifikanten Unterschiede.

Nasopharynx-Karzinom: Induktionschemotherapie bleibt Standard

Eine NEJM-Studie zeigte einen Vorteil beim progressionsfreien (PFS) (85,3% vs. 76,5%) und Gesamtüberleben (OS) (94,6% vs. 90,3%) für eine Induktionschemotherapie mit Gemcitabin/Cisplatin gegenüber einfacher Radiochemotherapie.3

Brustkrebs: Neue Therapie und Target

Beim fortgeschrittenen Triple-negativen Brustkrebs, welcher oft eine hohe Mutationslast hat, kann eine Immuntherapie (Atezolizumab & Nab-Paclitaxel) eine Option sein, wenn die PD-1-Expression >1% ist. Bei diesen Patientinnen lag das Gesamtüberleben bei 25 Monaten (vs. 15,5 Monaten bei Placebo & Nab-Paclitaxel).4 Die Zulassung durch die EMA erfolgte im September 2019.

Ein mögliches neues Therapieziel bei dieser Brustkrebsart könnte Trop2 (human trophoblast cell-surface antigen 2) sein, welches bei 85% der Patientinnen exprimiert wird. Bei mehrfach vorbehandelten Patientinnen zeigte sich für eine Therapie mit einem monoklonalen Antikörper (Sacituzumab) eine Ansprechrate von 33% und ein medianes PFS von 5,5 Monaten.5

Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom: Immuntherapie bei Stadium III

Die PACIFIC-Studie zeigte ein signifikant verlängertes Gesamtüberleben bei einer Therapie mit Durvalumab (Anti-PD-L1) nach einer Radiochemotherapie gegenüber Placebo (HR = 0,68). Das progressionsfreie Überleben war mit 17,2 Monaten vs. 5,6 Monaten deutlich länger.6

Die Patienten in der Studie wurden nicht nach Biomarkern unterschieden, der Tumor im Stadium III war nicht operabel. Von der EMA wurde die Therapie zugelassen und stellt bereits den Behandlungsstandard für diese Patienten dar.

Durvalumab wird in der CASPIAN-Studie auch beim klein-zelligen Lungenkarzinom untersucht und zeigt positive Auswirkungen auf das 3-Monatsüberleben.7

Kolorektalkarzinom: Erste Chemotherapiefreie Behandlung

Die Kombination aus Encorafenib (BRAF-Inhibitor), Binimetinib (MEK-Inhibitor) und (Anti-EGFR) war bei Kolorektalkarzinom-Patienten mit einer BRAF V600E-Mutation einer Behandlung mit entweder Cetuximab und Irinotecan oder Cetuximab und FOLFIRI signifikant überlegen.8

Das mediane OS lag bei 9 Monaten, unter den Standardardtherapien bei 5,4 Monaten. Die Ansprechrate lag bei 26% (2% in der Kontrollgruppe). Die Mutation ist ein starker, prädiktiver Biomarker für den Erfolg der ersten Chemotherapiefreien Behandlung von Kolorektalkarzinomen. Allerdings ist das Nebenwirkungsprofil der Kombinationstherapie kompliziert.

Metastasiertes Melanom: Ergebnisse nach 5 Jahren

Für Melanom-Patienten mit einer BRAF-Mutation liegt die Überlebensrate nach einer Therapie mit Dabrafenib (MAP-Kinase Inhibitor) und Trametinib (BRAF-Inhibitor) nach 5 Jahren bei 34%.9 Ein vollständiges Ansprechen auf die Threapie gab es bei 19% der Patienten, welche zu 71% nach 5 Jahren noch am Leben waren.

Kommt es unter der Therapie zur Progression, werden immunonkologische Therapien eingesetzt. Allerdings ist deren optimale Reihenfolge noch unklar.

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  1. Bauer S. Best of Oncology. Vortrag auf dem DGHO-Kongress in Berlin, 11.10.2019
  2. Herrlinger U et al. Lomustine-temozolomide combination therapy versus standard temozolomide therapy in patients with newly diagnosed glioblastoma with methylated MGMT promoter (CeTeG/NOA–09): a randomised, open-label, phase 3 trial. Lancet 2019; 393(10172): 678-688.
  3. Zhang Y et al. Gemcitabine and Cisplatin Induction Chemotherapy in Nasopharyngeal Carcinoma. N Engl J Med 2019; 381: 1124-1135
  4. Schmid P et al. Atezolizumab and Nab-Paclitaxel in Advanced Triple-Negative Breast Cancer. N Engl J Med 2018; 379: 2108-2121.
  5. Bardia A et al. Sacituzumab Govitecan-hziy in Refractory Metastatic Triple-Negative Breast Cancer. N Engl J Med 2019; 380:741-751
  6. Antiona SJ et al. Overall Survival with Durvalumab after Chemoradiotherapy in Stage III NSCLC. N Engl J Med 2018; 379: 2342-2350.
  7. CASPIAN: Durvalumab addition boosts SCLC survival. IASLC World Conference on Lung Cancer 2019; Barcelona, Spain: 7–10 September
  8. Kopetz S et al. Encorafenib, Binimetinib, and Cetuximab in BRAF V600E–Mutated Colorectal Cancer. N Engl J Med 2019, DOI: 10.1056/NEJMoa1908075
  9. Robert C et al. Five-Year Outcomes with Dabrafenib plus Trametinib in Metastatic Melanoma. N Engl J Med 2019; 381: 626-636.

Bild: © Christoph Renninger

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