05. September 2019

APCCC 2019

Sexualität & Lebensqualität: Auswirkungen der Antihormontherapie bei Prostatakrebs

Bei fast allen Prostatakrebs-Patienten kommt es unter einer Androgendeprivationstherapie (ADT) zu Beeinträchtigungen der Sexualität. Mit dramatischen Auswirkungen auf die Lebensqualität, auch für die Lebenspartner.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag von Dr. Inge van Oort, Nijmegen, auf der Advanced Prostate Cancer Consensus Conference (APCCC) in Basel.1

Probleme mit der Sexualität bei fast allen Prostatakrebspatienten

In einer aktuellen Untersuchung in Großbritannien berichteten 81 % der Prostatakrebs-Patienten (18-42 Monate nach der Diagnose) über eine stark eingeschränkte Sexualfunktion, vor allem über Erektionsprobleme (81,5%) und die Fähigkeit einen Orgasmus zu erreichen (76,6 %).2 Dabei nehmen die Schwierigkeiten mit dem Stadium zu. Sind bei einer lokalisierten Erkrankung 75 % der Männer betroffen, steigt die Zahl bei fortgeschrittenen Karzinomen auf 96 %.2

Etwa die Hälfte aller Patienten mit einem Prostatakarzinom erhält im Laufe der Behandlung eine ADT. Bei bis zu 93 % kommt es in Folge der Behandlung zur Einstellung der sexuellen Aktivität. Die Therapie vermindert sowohl die Libido als auch die Erektionsfähigkeit.

Nach den aktuellen EAU-Leitlinien erfolgt die Therapie der erektilen Dysfunktion meist unspezifisch.3 Zur Verbesserung der Lebensqualität werden körperliche Aktivität, eine gesunde Ernährung, das Beenden von Rauchen und eine multidisziplinäre Rehabilitation empfohlen.3

Auch die Partner sind stark betroffen

Dr. van Oort wies in ihrem Vortrag darauf hin, dass die reduzierten Testosteronspiegel einen schwerwiegenden Einfluss auf die subjektive Lebensqualität haben. Der Verlust der Libido führe zu einer geringeren emotionalen und körperlichen Intimität und wirke sich dadurch negativ auf die Beziehung zum Lebenspartner aus.

Die Partner von Prostatakrebspatienten berichten sogar über einen größeren negativen Einfluss als die Patienten selbst. Häufig möchten sie über die Therapienebenwirkungen sprechen, während die Betroffenen das Thema lieber verschweigen.

Im Umgang mit der eingeschränkten Sexualität ist die Leugnung eine häufige Strategie, welche jedoch auf lange Sicht verheerende Folgen hat. Es kann zur Isolation des Patienten und seines Partners kommen, es besteht keine Hoffnung auf befriedigende sexuelle Aktivitäten und der Verlust an Intimität ist möglicherweise noch gravierender als der ausbleibende Geschlechtsverkehr.

Homosexuelle Patienten und Interventionen bedenken

Die meisten Untersuchungen sind bei heterosexuellen Paaren durchgeführt worden, allerdings scheinen sich die physiologischen Veränderungen durch die ADT stärker auf das Sexualleben von Homosexuellen auszuwirken.4 Homo- und bisexuelle Patienten haben nach einer radikalen Prostatektomie eine geringe Lebensqualität, ein schlechtes Selbstbild ihrer Männlichkeit und häufig psychische Probleme.5

Dr. van Oort betonte, dass man nicht davon ausgehen sollte, dass Patienten heterosexuell seien. Zudem forderte die onkologische Urologin dazu auf, die sexuellen Einschränkungen ernst zu nehmen.

Einem Großteil der Patienten werden keine Medikamente oder Hilfsmittel gegen erektile Dysfunktion angeboten oder auf Spezialisten verwiesen. Am häufigsten sprechen Ärzte zumindest eine dieser Möglichkeiten nach einer Operation an (90,9 % der Patienten), bei einer ADT jedoch nur zu einem Bruchteil (18,8 %).1

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  1. Van Oort I. Management of sexuality and incontinence issues in APC. Vortrag auf der Advanced Prostate Cancer Consensus Conference (APCCC), Basel, 30.08.2019
  2. Downing A et al. Quality of life in men living with advanced and localised prostate cancer in the UK: a population-based study. Lancet Oncology 2019; 20(3): 436-447.
  3. Prostate Cancer. European Association of Urology (EAU) Guidelines, 2017
  4. Jägervall CD et al. Gay men’s experiences of sexual changes after prostate cancer treatment—a qualitative study in Sweden. Scandinavian Journal of Urology 2019; 53(1): 40-44.
  5. Rosser BRS et al. The Effects of Radical Prostatectomy on Gay and Bisexual Men’s Mental Health, Sexual Identity and Relationships: Qualitative Results from the Restore Study. Sexual and Relationship Therapy 2016; 31: 446-461.

Bildquelle: © Getty Images/monkeybusinessimages (Symbolbild mit Modellen)

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