05. September 2019

APCCC 2019

Nicht nur Schwarz und Weiß: Diversität bei Prostatakrebs

Bestimmte ethnische Gruppen sind häufiger von Prostatakrebs betroffen, doch auch eine Reihe anderer Faktoren wirkt sich auf die Inzidenz und Mortalität aus.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag von Dr. Alicia Morgans, Chicago, auf der Advanced Prostate Cancer Consensus Conference (APCCC) 2019 in Basel.1

Ethnie, Alter und sozialer Status

In den USA sind Afroamerikaner etwa doppelt so oft von Prostatakrebs betroffen als weiße Amerikaner. Auch die Mortalität ist um den Faktor 2,5 erhöht.2 Doch neben der Ethnie spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle. Vor allem der soziale und ökonomische Hintergrund hat einen größeren Einfluss auf Auftreten und Sterblichkeit als genetische Prädispositionen.

Unterschiede beim krebsspezifischen Behandlungserfolg, aber auch der supportiven Therapie, gibt es im Hinblick unter anderem auf:

  • Sozioökonomischer Status
  • Alter
  • Bildungsgrad
  • Wohnort
  • Familienstand

In den vergangenen Jahrzehnten haben vor allem jüngere Männer (50-64 Jahre) von Entwicklungen in der onkologischen Therapie profitiert, während bei älteren Patienten (75-85 Jahre) die Auswirkungen weniger stark waren.3

Fehlende Bildung und Armut führen zu mehr Disparität

Wie sich ökonomische Faktoren negativ auf das Überleben auswirken, zeigte Dr. Morgans anhand einer Untersuchung im US-Bundesstaat Kentucky. In der wirtschaftlichen schwachen Region der Appalachen war die Überlebensrate bei Prostatakrebs signifikant geringer als im restlichen Gebiet des Staates. Die mehrheitlich weißen Patienten hatten dort eine geringere Schulbildung, Armut war weiter verbreitet und es traten mehr Komorbiditäten auf.4

In einer Studie in Kalifornien mit über 270.000 Prostatakrebs-Patienten zeigte sich eine geringere Überlebensrate für Afroamerikaner und Hispanics. Hauptgrund für die Unterschiede war hier der Grad der Erkrankung bei der Diagnose, welche bei den betroffenen ethnischen Gruppen häufiger erst im fortgeschrittenen Stadium erfolgte.5

Weitere Einflüsse auf das Überleben waren zudem der Familienstand, der sozioökonomische Status der Wohngegend und der Versicherungsstatus.5 Die Mortalität von unverheirateten oder geschiedenen Prostatakrebspatienten ist signifikant höher als von Verheirateten.6

Studien bilden nicht die Realität ab

Die großen Phase-3-Studien entsprechen in ihrer Studienpopulation nicht der Verteilung in der Bevölkerung. So waren in 7 Studien in den USA zu 5 neuen Therapieoptionen gerade einmal 3,3 % der Patienten Afroamerikaner.7 Dies führt zu einem Mangel an Daten zum besseren Verständnis der Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen. Wenn auch Afroamerikaner Zugang zu randomisierten, kontrollierten Studien haben, wirkt sich dies positiv auf das Überleben aus, so Dr. Morgans.

Es gibt jedoch Bemühungen den Zugang zu klinischen Studien zu verbessern und auch genetische Daten von Menschen aus verschiedenen Regionen der Welt zu sammeln. Eine Initiative ist hier das Ironman Register, welches von der Movember Foundation unterstützt wird.

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