25. April 2018

Spontanregression nach Biopsie eines Lungentumors

Bei einem 57-jährigen Mann wird ein Plattenepithelkarzinom in der Lunge diagnostiziert. Der Patient lehnt jedoch eine Behandlung ab, auch seinen Lebensstil ändert er nicht. Drei Monate später ist der Tumor zurückgegangen und bleibt stabil.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Kasuistik im Journal of Medical Case Reports, die Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Kettenraucher mit diversen Komorbiditäten

Bei einer Computertomographie (CT) wird bei dem 57-Jährigen zufällig im linken Unterlappen der Lunge ein Knoten festgestellt. Der Patient berichtet, dass er immer wieder unter Husten leide, es aber nicht zu Bluthusten komme oder andere alarmierende Symptome auftreten.

Der Mann hat mehrere Erkrankungen, darunter Syphilis, Hypertonie, Diabetes mellitus Typ 2, Hyperlipidämie und Adipositas. Er nimmt eine Reihe von Medikamenten ein: Aspirin, Hydrochlorothiazid, Gemfibrozil, Glipzid und Amitriptylin. Obwohl bereits seine Eltern an Lungenkrebs gestorben sind, raucht er seit über 40 Jahren durchschnittlich zwei Packungen Zigaretten am Tag.

CT-Scan bei der initialen Untersuchung

In der Fachklinik zeigt sich in der Computertomographie ein 2 × 1,4 × 1,5 cm großer, spikulierter Knoten im oberen Segment des linken Unterlappens (Abb 1). Eine Veränderung der regionalen Lymphknoten wird nicht festgestellt. Eine Bronchoskopie mit bronchoalveolärer Lavage bestätigt maligne Zellen. Eine Biopsie des Tumors wird entnommen.

Immunhistochemisch finden sich positive Nachweise für p63 und p40, wohingegen der thyroidale Transkriptionsfaktor 1 (TTF-1) negativ ist. Die Ergebnisse sprechen für ein Plattenepithelkarzinom. Es finden sich keine Hinweise auf Metastasen und der Tumor wird als T1M0N0 klassifiziert.

Keine Therapie, aber Regression

CT-Scan drei Monate später

Eine chirurgische Entfernung des Tumors wird empfohlen, der Patient lehnt die Operation jedoch ab, ebenso wie andere Behandlungen oder Änderungen seines Lebensstils. Drei Monate später zeigt sich im CT, dass der Tumor auf eine Größe von 1,6 × 0,9 × 0,9 cm geschrumpft ist (Abb. 2). Eine weitere Untersuchung einen Monat später bestätigt, dass der Tumor sich nicht weiter verändert.

Eine Spontanremission ist in der Onkologie ein seltenes Ereignis, bei primären Lungentumoren sind nur wenige Einzelfälle beschrieben. Die Mechanismen hinter der Selbstheilung sind unklar. Eine wichtige Rolle scheint jedoch das Immunsystem zu spielen. Die immunologische Reaktion gegen des Tumorgewebe kann durch ein Trauma, beispielsweise die Entnahme der Biopsie, angeregt und verstärkt werden.

Im Fall des beschriebenen Patienten halten die Autoren die Erklärung für plausibel, dass beim chirurgischen Eingriff zur Probenentnahme eine Immunantwort gegen den Tumor ausgelöst wurde und diese zur Regression geführt hat. Als Anzeichen sehen sie den zeitlichen Zusammenhang zwischen der Biopsie und dem Schrumpfen des Tumors.

  1. Esplin N et al. Spontaneous regression of a primary squamous cell lung cancer following biopsy: a case report. Journal of Medical Case Reports 2018; 12: 65.

Bildquellen: © iStock.com/Mac99
Esplin N et al. Spontaneous regression of a primary squamous cell lung cancer following biopsy: a case report. Journal of Medical Case Reports 2018; 12: 65. Verwendung unter Creative Commons Attribution 4.0

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