25. Januar 2018

Malignes Melanom: Neue Therapien im Überblick – Immuntherapie

Die Immuntherapie kommt in verschiedenen Gebieten der Onkologie zum Einsatz. Auch bei malignen, inoperablen Melanomen kann sie eine Therapieoption sein. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)

Dieser Beitrag beruht auf einer Publikation im British Medical Journal und wurde von Christoph Renninger, coliquio-Redaktion, für Sie zusammengefasst.1

Ziele, Wirkung und Ansprechen

Veränderungen von Checkpoint-Proteinen können dazu führen, dass Tumore sich dem Immunsystem entziehen. Durch die Blockade dieser Proteine, z.B. PD-1, PD-L1 oder CTLA-4 durch Inhibitoren wie Ipilimumab, Pembrolizumab oder Nivolumab, kann das körpereigene Immunsystem gegen den Tumor Vorgehen.

Eine neue Variante ist die Therapie mit genetisch modifizierten Herpes-simplex-Viren (Talimogen laherparepvec, T-VEC). Diese infizieren gezielt Melanomzellen, vermehren sich dort und führen schließlich zur Zelllyse durch das Immunsystem.

Eine Analyse von zwölf Studien zeigte, dass unter Ipilimumab (Anti-CTLA-4) das mediane Überleben 11,4 Monate beträgt. Nach drei Jahren waren noch 22% der Patienten am Leben, nach zehn Jahren betrug die Überlebensquote 21%. Therapien gegen PD-1 konnten im Vergleich zur Chemotherapie zudem die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Patienten aufrechterhalten. Eine Kombination der beiden Therapien zeigt eine verbesserte Ansprechrate, Langzeitdaten liegen allerdings noch nicht vor.

Immuntherapien benötigen oft mehrere Monate um einen Effekt zu haben. Zwischen 26 und 40% der Patienten sprechen auf die Therapie an und bei bis zu einem Drittel kommt es zwei bis fünf Jahre nach Therapiebeginn zu keinem Fortschreiten oder Wiederauftreten des Melanoms.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Zu den Nebenwirkungen zählen vor allem dermatologische Effekte wie Juckreiz, Ausschlag oder Vitiligo, sowie gastrointestinale Nebenwirkungen, wie Diarrhö und Colitis, selten kommt es zu Hepatotoxizität, Pneumonien und Endokrinopathien. Eine Meta-Analyse fand Nebenwirkungen bei 72% der Patienten, die mit CTLA-4-Inhibitoren behandelt wurden, bei 24% waren diese lebensbedrohlich oder tödlich.

Die Toxizität ist erhöht, wenn eine Kombination aus PD-1- und CTLA-4-Hemmern verwendet wird. Hier treten bei mehr als der Hälfte der Patienten schwere Nebenwirkungen auf.

Wann und wie wird die Therapie verabreicht?

Unabhängig vom Mutationsstatus empfehlen Leitlinien in den USA die Immuntherapie als Therapie der ersten Wahl bei fortgeschrittenen Melanomen. Dabei können Inhibitoren von CTLA-4 und/oder PD-1 zum Einsatz kommen.

Die Krebsimmuntherapie wird alle 2-3 Wochen intravenös verabreicht. Kontraindiziert ist die Behandlung bei einer angeborenen oder erworbenen Immundefizienz oder lebensbedrohlichen Autoimmunerkrankungen.

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  1. Karimkhani C et al. Novel therapies for unresectable and metastastic melanoma. BMJ 2017; 359: j5174.

Bildquelle: © CIPhotos-istockphoto.com

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