24. September 2018

Fallbericht

Metastase 15 Jahre nach Entfernung des Primärtumors

Bei einer 75-jährigen Japanerin wird während einer Kontrolluntersuchung eine polypoide Masse in der Gallenblase festgestellt. 15 Jahre zuvor war ihr die rechte Niere aufgrund eines Nierenzellkarzinoms entfernt worden.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Kasuistik im Journal of Medical Case Reports, die Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Keine Symptome, aber Auffälligkeiten im CT

Aufgrund eines 9,1 × 7,8 cm großen Klarzellkarzinoms an der rechten Niere ist bei der Frau vor etwa 15 Jahren eine Nephrektomie durchgeführt worden. Später wurde aufgrund von Metastasen im linken Lungenflügel eine Lobektomie notwendig. Seitdem ist die Patientin symptomfrei und kommt zu einer Kontrolluntersuchung in die Klinik.

Die Vitalwerte und Laborergebnisse der Hausfrau sind unauffällig, mit leicht erhöhten Werten der Aspartat-Aminotransferase (AST) und der Alanin-Aminotransferase (ALT). Zur Überprüfung wird eine Computertomographie (CT) durchgeführt, bei welcher die Ärzte eine Läsion in der Gallenblase feststellen. Es gibt symptomatisch keinerlei Hinweise auf eine Cholezystitis.

Bei der folgenden sonographischen Untersuchung wird eine Wucherung mit glatter Oberfläche am Fundus der Gallenblase entdeckt. Im Kontrast-CT bestätigt sich eine polypenartige Masse, die ein Ausmaß von 12 mm hat. In keinem anderen Organ gibt es eine Anreicherung von Kontrastmittel.

Gallenblasentumor oder Metastase?

Die Ergebnisse der Bildgebung und die Vorgeschichte der Patientin lassen die Ärzte vermuten, dass es sich um eine maligne Erkrankung, wie einem Gallenblasenkarzinom, handelt. Die Möglichkeit einer Metastase wird jedoch nicht ausgeschlossen und die Mediziner entscheiden sich zu einer Cholezystektomie. So soll die Diagnose gesichert und die entsprechende Therapie eingeleitet werden.

Abb.1 Gallenblase mit Tumor (weißer Pfeil) nach Resektion

Nach der Operation ist ein schwarzer, gestielter Tumor am Fundus der Gallenblase zu erkennen. (Abb. 1) Mikroskopisch ist im Stiel und basalen Bereich des Tumors eine starke vaskuläre Proliferation zu erkennen. Der Tumor ist hyperzellulär und besteht vor allem aus Klarzellen. (Abb. 2a) Die Oberfläche ist von einem Epithel bedeckt. Die histopathologische Charakteristik entspricht dem Nierenzellkarzinom, das 15 Jahre zuvor entfernt worden ist.

Immunhistochemische Analysen bestätigen die Diagnose. Der Tumor zeigt eine starke Färbung für Vimentin, einen Marker für Nierenzellkarzinome. (Abb. 2b) Hingegen ist kaum Cytokeratin 7 (CK7) im Tumor nachzuweisen, welches prominent im Gallenblasenepithel exprimiert wird. (Abb. 2c)

Nur wenige bekannte Fälle

Die Patientin übersteht den Eingriff ohne Komplikationen und kann das Krankenhaus nach fünf Tagen verlassen. Drei Jahre später ist sie gesund und es treten keine weiteren Metastasen auf.

Fernmetastasen von Nierenzellkarzinomen betreffen vor allem Lunge, Leber, Knochen und die andere Niere. Metastasen in der Gallenblase machen nur 0,4-0,6% aus. Wandern Krebszellen in die Gallenblase ein, ist der Primärtumor am häufigsten ein malignes Melanom. Auch Metastasen von Lungen-, Pankreas- und Darmkrebs kommen häufiger vor.

Allerdings gibt es bislang erst 38 berichtete Fälle von Gallenblasenmetastasen eines Nierenzellkarzinoms. Bei gerade einmal sechs weiteren Fällen ist das Tochtergeschwulst zehn oder mehr Jahre nach dem Primärtumor aufgetreten. In allen Fällen hatte es sich um Klarzellkarzinome gehandelt.

Die Choleszystektomie ist die Therapie der Wahl, da bei Überlebensrate dadurch deutlich gesteigt werden kann, obwohl die Prognose für Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom schlecht ist.

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653