17. September 2018

Brustkrebs bei Männern: Risikofaktoren, Charakteristika & Therapie

Brustkrebs macht bei Männern nur 1-2 Prozent aller Krebserkrankungen aus, allerdings mit hoher Mortalität, da die Krankheit oft erst spät und in fortgeschrittenem Stadium entdeckt wird. Was sind Risikofaktoren und wie kann therapiert werden?

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel in der Fachzeitschrift “Reviews in Clinical Medicine”, die Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Häufigkeit und Risikofaktoren: Höheres Alter als bei Frauen

Bei Frauen ist Brustkrebs die häufigste Krebsart, bei Männern liegt der Anteil hingegen bei 1,5-2,5%. Da etwa 99% aller Mammakarzinome Frauen betreffen, ist die Lage bei Männern weniger gut untersucht. Brustkrebs tritt bei Männern durchschnittlich in einem Alter von 67 Jahren auf, und damit etwa fünf Jahre später als bei Frauen. Die Inzidenz steigt mit dem Alter an und erreicht bei etwa 80 Jahren ein Plateau.

Die Risikofaktoren sind ähnlich wie bei postmenopausalen Frauen:

  • (männlicher) Verwandter ersten Grades mit Brustkrebserkrankung,
  • Mutationen in den BRCA-Genen, vor allem BRCA2,
  • erhöhtes Verhältnis Östrogen/Androgen (Klinefelter-Syndrom, Behandlung mit Östrogen oder Progesteron, Übergewicht),
  • Lebererkrankungen,
  • Umweltfaktoren, wie ionisierende Strahlung, hohe Temperaturen am Arbeitsplatz, Schadstoffe oder aromatische Kohlenwasserstoffe.

Symptome und Differenzialdiagnosen: Vermeintlich gut erkennbar

Brustkrebs macht sich auch bei Männern meist durch eine tastbare Masse oder einen Knoten unter der Brustwarze bemerkbar, aufgrund der Anatomie der männlichen Brust sollte diese eigentlich frühzeitig erkennbar sein. Typischerweise werden diese Anzeichen häufig nicht erkannt und der Tumor erst in fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert. Eine Mammographie wird aufgrund der Seltenheit und der hohen Sensitivität der physischen Untersuchung selten durchgeführt.

Weitere Anzeichen können Hautveränderungen, Entzündungen, Einziehungen der Brustwarze oder Flüssigkeitsabsonderungen sein. In fortgeschrittenen Stadien sind die axillären Lymphknoten meist tastbar.

Kommt es zu Wachstum an der Brust, kann dies, neben einem Mammakarzinom, auch andere Ursachen haben, darunter:

  • Gynäkomastie/Pseudogynäkomastie,
  • Infektionen,
  • Lipome,
  • Fibromatose,
  • Metastasen anderer Krebserkrankungen.

Beim Verdacht auf Brustkrebs sollte eine Biopsie zur Diagnosesicherung durchgeführt werden, ebenso eine Überprüfung der Expression von Hormonrezeptoren (Östrogenrezeptor, ER) und HER2 (human epidermal growth factor receptor 2). Der häufigste Subtyp bei Männern ist das invasive duktale Karzinom, invasive lobuläre Karzinome treten nur selten auf. In 20 bis 40% der Fälle ist der Tumor HER2-positiv.

Bildergalerie: Immunhistologische Charakteristika eines Luminal-B-Karzinoms bei einem männlichen Patienten.2

Therapie: Mastektomie in frühen Stadien, später adjuvante Therapie

Die Stadienbestimmung erfolgt anhand der Tumorgröße, Lymphknotenmetastasen und Fernmetastasen (TNM-Klassifikation). Bei HER2-positiven Karzinomen sind Hirnmetastasen am häufigsten, bei Hormonrezeptor-positiven Tumoren treten Knochenmetastasen am häufigsten auf.

In frühen Stadien (T1-T2, N0-N1) erfolgt eine Mastektomie und eine Entfernung der axillären Lymphknoten. Alternativ kann eine Brust-erhaltende Operation durchgeführt werden, diese kommt bei knapp 20% der Patienten zum Einsatz.

Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren oder hohem Rückfallrisiko nach der Operation ist die adjuvante Therapie aus Bestrahlung, Chemotherapie und antihormoneller Behandlung empfohlen. Die Therapie orientiert sich an Leitlinienempfehlungen, auch wenn diese für Frauen entwickelt wurden.

Allerdings gibt es kaum Studien, welche die systemische Therapie bei Männern untersucht haben. So gibt es keine Evidenz zur Effektivität von Trastuzumab bei HER2-positiven Tumoren bei Männern. Für eine endokrine Therapie, insbesondere Tamoxifen, konnten positive Effekte gezeigt werden.

  1. Shahidsales S & Ersi MF. Male breast cancer: a review of literature. Rev Clin Med 2017; 4(2): 69-72.
  2. Ge Y et al. Immunohistochemical characterization of subtypes of male breast carcinoma. Breast Cancer Res. 2009; 11(3): R28.

Bildquellen: © istock.com/ChesiireCat
Ge Y et al. Immunohistochemical characterization of subtypes of male breast carcinoma. Breast Cancer Res. 2009; 11(3): R28.

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