05. März 2021

Schädel-Hirn-Trauma

Studie spricht für gute Neurorehabilitation

Eine US-amerikanische Studie hat den Krankheitsverlauf von Personen mit einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) unter stationären Rehamaßnahmen beobachtet. Die meisten primär komatösen Personen erholten sich kurzfristig nach moderatem oder schwerem SHT und mehr als die Hälfte erlangte ihre funktionelle Unabhängigkeit wieder. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Allein in den USA führen Schädel-Hirn-Traumata (SHT) jährlich zu 2,9 Millionen Notaufnahmen und annährend 300.000 Krankenhausaufenthalten. Nach Einschätzung der Autoren ist es problematisch, wenn bei einem schweren SHT die Störung beziehungsweise der Verlust des Bewusstseins anhält und eine frühe lebenserhaltende Therapie zurückgefahren oder eingestellt wird sowie spezialisierte Reha-Programme nach der Akutversorgung nicht angewandt werden.

Die Studie

Ziel dieser Kohortenstudie mit den Informationen zu 17.470 Personen aus einer Nationalen Datenbank war es, den Bewusstseinsverlust nach einem SHT zu quantifizieren und jene Faktoren zu identifizieren, die mit der Erholung und der Wiedererlangung einer funktionalen Unabhängigkeit assoziiert sind. Die Probanden waren nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zwischen 1989 und 2019 an einer von 23 stationären Rehazentren des Traumatic Brain Injury Model Systems versorgt und bis zum Ende der Maßnahme beobachtet worden. Gemessen wurden die Ergebnisse, unter anderem, mit der Glasgow Coma Scale und der Disability Rating Scale.

Junge Männer ohne Blutungen werden häufiger wieder unabhängig

Das mediane Alter zum Zeitpunkt der Verletzung betrug 39 Jahre (74 % männlich). 57 % hatten anfänglich einen Bewusstseinsverlust erlitten, der bei 12 % bis zur Rehabilitation anhielt. Die Betroffenen waren im Durchschnitt jünger, hatten mehr „Hochgeschwindigkeitsverletzungen“, intrakranielle Masseneffekte, intraventrikuläre Blutungen und subkortikale Prellungen. Zudem waren sie länger in der Akutversorgung als Personen ohne Bewusstseinsstörungen.

82 % (n = 1.674) der Komatösen erlangten das Bewusstsein während der stationären Rehabilitation wieder. Dies betraf vorwiegend Personen ohne intraventrikuläre Blutungen (Odds Ratio: 0,678; 95 % KI 0,532 bis 0,863) und ohne intrakranielle Masseneffekte (OR: 0,759; 95 % KI 0,595 bis 0,968).

Der Functional Independence-Wert verbesserte sich zwischen Aufnahme und Entlassung um 43 Punkte für Patienten mit Bewusstseinsstörungen und um 37 Punkte ohne Bewusstseinsstörungen. 40 % aus der ersten Gruppe wurden wieder ganz oder teilweise unabhängig. Positive, über die 30 Jahre konsistente Prädiktoren waren ein jüngeres Alter, männliches Geschlecht, keine intraventrikulären Blutungen, intrakraniellen Masseneffekte oder subkortikalen Prellungen.

Gute Neurorehabilitation nach SHT ist sinnvoll

Die Studie beschreibt US-amerikanische Verhältnisse und ist möglicherweise nicht uneingeschränkt auf andere Länder mit unterschiedlichen Reha-Einrichtungen (und SHT-Ursachen) übertragbar. Die Sinnhaftigkeit einer guten Neurorehabilitation nach SHT unterstreicht diese Untersuchung aber dennoch.

Dieser Beitrag erschien im Original auf univadis.de, 03.03.2021

  1. Schädel-Hirn-Trauma: US-Studie spricht gegen frühzeitigen Behandlungsabbruch; Univadis, 03.03.2021

Bildquelle: © Getty Images/ImagingStocker

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653