08. Januar 2021

Covid-19

Neurologische Prädiktoren für Mortalitätsrisiko

Bisher ist unklar, ob akute neurologische Manifestationen das Mortalitätsrisiko bei Personen mit SARS-CoV-2-Infektion beeinflussen und ob das Risiko auch bei neurologisch beeinträchtigten Covid-19-Erkrankten mit unauffälliger bildgebender Diagnostik besteht. In einer aktuellen Studie wurden nun neurologische Prädiktoren für das Mortalitätsrisiko bei Covid-19-Erkrankten identifiziert. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel „Neurologic Syndromes Predict Higher In-Hospital Mortality in COVID-19“ in Neurology.1 Redaktion: Dr. Linda Fischer.

Unklarer Einfluss akuter neurologischer Schäden auf Krankheitsverlauf

Eine SARS-CoV-2 Infektion kann fast jedes Organsystem beeinträchtigen. Seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie wurde bei hospitalisierten Covid-19-Erkrankten zwar von neurologischen Beeinträchtigungen berichtet, beispielsweise von Kopfschmerzen oder Schwindel, Schlaganfällen, Geruchsminderung, erhöhter Frequenz an Krampfanfällen oder von der Entwicklung eines Guillain-Barre-Syndroms. 1-3

Dennoch ist seither wenig bekannt über den Covid-19-Krankheitsverlauf in Abhängigkeit eines akut beeinträchtigten Nervensystems. Eine retrospektive Studie bestimmte nun neurologische Symptome, die das Mortalitätsrisiko hospitalisierter Covid-19-Erkrankter erhöhen.

12% der Erkrankten mit neurologischer Beeinträchtigung

Von den insgesamt 4.711 hospitalisierten Patienten mit nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion, die in einem Zeitraum von 6 Wochen in das Medizinsystem in New York City aufgenommen wurden, zeigten 581 (12 %) Personen neurologische Beeinträchtigungen bei unauffälligen Gehirnscans zum Zeitpunkt der Hospitalisierung. Insgesamt wurden 5 verschiedene neurologische Manifestationen identifiziert und die Erkrankten dementsprechend in vier Kohorten eingeteilt:

  • Covid-19-Erkrankte mit akutem Schlaganfall (n=55),
  • mit Krampfanfällen (n=26),
  • mit beeinträchtigtem mentalem Zustand (n = 258) hinsichtlich kognitiver Leistung oder Aufmerksamkeit und Reaktionsbereitschaft bei normaler bildgebender Diagnostik des Gehirns,
  • Covid-19-Erkrankte mit „Neuro-Covid-19-Komplex“ (n=216), welcher beim Erkrankten einen Zustand mit normaler Orientierung und Aufmerksamkeit mit den geläufigen Anzeichen und Symptomen einer Covid-19-Erkrankung definierte: Beispielsweise Kopfschmerzen, Geruchsminderung oder -verlust, Chemästhesie, Schwindel, Präsynkope, Parästhesie, Ataxie oder Dysautonomie.
  • Und andere Gehirnschäden (n=26).

Die neurologisch beeinträchtigten Covid-19-Erkrankten wurden mit 1743 Personen verglichen, die in demselben Zeitraum aufgrund von Covid-19 hospitalisiert worden waren, jedoch keine neurologischen Beeinträchtigungen zeigten. Dabei wurden die Gruppen je nach Altersklasse und Schweregrad der Erkrankung miteinander verglichen.

Die Analyse der fünf potenziellen Prädiktoren für das Mortalitätsrisiko schloss soziodemographische Parameter, bereits existierende Komorbiditäten und Vital- und Laborparameter mit ein. Prädiktoren, die als signifikant befundet wurden, konnten in einen Krankheitsschweregrad-Score aufgenommen werden. Der primäre Endpunkt der Studie war die Mortalität der Erkrankten im Krankenhaus. 1

Schlaganfall und mentaler Zustand als Prädiktoren für Mortalitätsrisiko

Innerhalb der neurologisch beeinträchtigten Kohorte waren Covid-19-Erkrankte mit radiologisch bestätigtem Schlaganfall dem höchsten Mortalitätsrisiko ausgesetzt, welches darüber hinaus signifikant höher war als bei den Kontrollen (49 % versus 24 %, OR 3,1; KI 1,65-5,92). Dasselbe galt für Covid-19-Erkrankte mit beeinträchtigtem mentalem Zustand aber unauffälliger Bildgebung im Vergleich zu den Kontrollen (40 % versus 30 %; OR 1,39; KI 1,65-5,92).

Des Weiteren gab es einen Trend innerhalb der Gruppe mental Beeinträchtigter: Personen mit Beeiträchtigungen hinsichtlich Aufmerksamkeit und Reaktionsbereitschaft schienen einem höheren Mortalitätsrisiko ausgesetzt zu sein als Personen mit Beeinträchtigungen im kognitiven Bereich. Dieses Ergebnis war jedoch nicht signifikant.

Für die Gruppen mit Krampfanfällen, „Neuro-Covid-19-Komplex“ oder anderen Gehirnschäden wurde kein statistisch signifikant erhöhtes Mortalitätsrisiko festgestellt. 1

  1. Eskandar et al.: „Neurologic Symptoms Predict Higher In-Hospital Mortality in COVID-19in Neurology (18. Dezember 2020); DOI: https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000011356
  2. Yaghi et al.: “SARS-CoV-2 and Stroke in a New York Healthcare Systemin Stroke (Mai 2020)
  3. Paniz-Mondolfi et al.: “Central nervous system involvement by severe acuterespiratory syndrome coronavirus-2 (SARS-CoV-2)“ in the Journal of Medical Virology (April 2020)

Bildquelle: © Getty Images/VectorFusionArt

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