28. Februar 2021

Demenz früh über erkrankte Hirngefäße ausmachen

Kleine Schäden in der weißen Substanz des Gehirns können bereits vor einer manifesten Demenz Symptome hervorrufen. Das zeigen Daten einer in The Lancet Psychiatry erschienenen Metaanalyse. In Kombination mit radiologischen Befunden könnte demnach eine frühzeitige Therapie zur Demenz-Prävention eingeleitet werden. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Die Erkrankung kleiner Hirngefäße, eine häufige Ursache der vaskulären Demenz, wird oft als klinisch stumm angesehen, bevor sich eine Demenz oder ein Schlaganfall bemerkbar macht. Einige Personen haben jedoch subtile Symptome, die mit frischen MRT-Läsionen assoziiert sind. Die Autorinnen und Autoren einer Studie wollten nun weitere Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen neurologischen und psychiatrischen Symptomen einerseits und dem Ausmaß der mikrovaskulären Erkrankung gewinnen.

Sie zeigten in ihrer Arbeit, dass Symptome wie Apathie, Müdigkeit und Delirium unabhängig voneinander mit dem Veränderungsgrad der weißen Substanz assoziiert sind. Als Maß dieser Veränderungen diente die Hyperintensität der weißen Substanz (WMH), als radiologisches Zeichen für mikrovaskuläre Schäden. Subjektive kognitive Beschwerden waren hingegen nicht mit der WMH assoziiert. Die Assoziation von Angst, demenzbedingten Verhaltensweisen, emotionaler Labilität und Psychose mit der zerebralen mikrovaskulären Erkrankung erfordern weitere Untersuchungen.

Übersichtsarbeit zu insgesamt 81 Studien

Die systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Studien schloss Symptome wie Angst, Apathie, Delirium, emotionale Labilität, Müdigkeit und Persönlichkeitsveränderungen mit ein. Außerdem wurden Psychosen, demenzbezogene Verhaltenssymptome oder kognitiven Symptome, einschließlich subjektiver Gedächtnisbeschwerden, und radiologische Zeichen einer Erkrankung der kleinen Hirngefäße mit einbezogen. Insgesamt wurden 81 Studien mit insgesamt 21.730 Teilnehmerinnen und Teilnehmern (im Mittel etwa 69 Jahre) ausgewertet. Von diesen 81 Publikationen enthielten 45 (8.120 Teilnehmer) Angaben zu Effektstärken.

Veränderte weiße Substanz ruft Apathie, Delirium & Müdigkeit hervor

Die Berechnungen ergaben Assoziationen zwischen ausgeprägter Hyperintensität der weißen Substanz (WMH) und Apathie (OR: 1,41; 95 % KI: 1,05 bis 1,89), Delirium (adjustierte OR: 2,9; 95 % KI 1,12 bis 7,55) und Müdigkeit (OR: 1,63; 95 % KI: 1,20 bis 2,22).

Keine konsistente Assoziation wurde festgestellt zwischen WMHs und subjektiven Gedächtnisbeschwerden (OR: 1,34; 95 % KI 0,61 bis 2,94). Zu Angstzuständen, demenzbedingten Verhaltensweisen, emotionaler Labilität und Psychosen lagen für quantitative Analysen nicht genügend Daten vor.

Klinische Bedeutung: Frühzeitige Demenz-Therapie möglich

Die Befunde sprechen nach Angaben der Autorinnen und Autoren dafür, dass Personen mit Erkrankungen der kleinen Hirngefäße bereits vor Auftreten einer Demenz Symptome haben können, die – in Kombination mit den radiologischen Befunden – auf die Gefäßerkrankung hinweisen. Dies könnte für eine frühzeitige Therapie und Demenz-Prävention und genutzt werden.

Dieser Beitrag erschien im Original auf univadis.de, 25.02.2021

  1. Erkrankung kleiner Hirngefäße: schon vor der manifesten Demenz symptomatisch; Univadis, 25.02.2021

Bildquelle: © Getty Images/ fotografixx

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