18. April 2021

Spinale Muskelatrophie Typ 1

Gentherapie verlängert Leben bei Kleinkindern

Eine einmalige Gentherapie gegen die Spinale Muskelatrophie Typ 1 (SMA 1) erzielte in einer aktuellen Studie bei Kleinkindern klinisch relevante Ergebnisse. Unter anderem verlängerte sie die Lebenszeit der Kleinkinder, in der keine permanente Beatmungspflicht notwendig war.1

Lesedauer: 2 Minuten

Unter 23 Kleinkindern, die vor dem sechsten Lebensmonat eine einmalige Gentherapie gegen die fatale Muskelatrophie SMA 1 erhielten, erreichten bis zum 18. Monat 59 % die Fähigkeit, selbstständig für mindestens 30 Sekunden zu sitzen. In einer gleichgroßen unbehandelten Vergleichspopulation war dies bei keinem einzigen Kind der Fall.  

Ansatz: Gene über Vektoren in Motoneuronen übertragen

Die spinale Muskelatrophie Typ 1 (SMA 1) ist eine Erkrankung der Motoneuronen, die für Kleinkinder tödlich ist oder im Alter von zwei Jahren eine permanente Beatmung erfordert. Es gibt bereits pharmakologische Ansätze, das fehlende Genprodukt zu ersetzen; eine Alternative könnte es sein, das entsprechende Gen mittels geeigneter Vektoren in die Motoneuronen zu übertragen.

Die Studie

Die offene STR1VE-Studie hatte nur einen Behandlungsarm mit 22 Patienten, alle jünger als sechs Monate, mit biallelen Mutationen bzw. Deletionen des Gens SMA 1. Sie erhielten eine einmalige intravenöse Infusion von 1,1 × 1014 Einheiten/kg der „Genfähre“ Onasemnogene abeparvovec (vormals AVXS-101), die einen Adeno-assozierten, nicht replikationsfähigen Virus als Träger des Gens SMA 1 benutzt. Die Nachverfolgung erfolgte monatlich bis zum 18. Lebensmonat. Co-primäre Wirksamkeits-Studienziele waren die Fähigkeit, mit 18 Monaten mindestens 30 Sekunden ohne Hilfe sitzen zu können sowie das Überleben ohne permanente Beatmungspflicht.

91 % bis zum 14. Lebensmonat ohne permanente Beatmungspflicht

13 der 22 Patienten (59 %) erreichten die Fähigkeit, alleine zu sitzen. Bei einer gleichgroßen unbehandelten Vergleichspopulation aus der Pediatric Neuromuscular Clinical Research-Datenbank war dies bei keinem Kind der Fall gewesen. Außerdem überlebten 20 Patienten (91 %) bis zum 14. Lebensmonat ohne permanente Beatmungspflicht, in der Kontrollpopulation waren es nur sechs (26 %) gewesen.

Alle behandelten Patienten hatten mindestens eine Nebenwirkung, am häufigsten eine Pyrexie. Die am häufigsten berichteten schweren Nebenwirkungen waren Bronchiolitis, Pneumonie, Atemnot und RSV-Bronchiolitis. Als möglicherweise behandlungsbedingt wurden zwei Fälle von erhöhten Leber-Aminotransferase-Werten registriert, sowie ein Hydrocephalus.

Ergebnisse sind klinisch relevant

Die mit einer einmaligen Infusion erzielten Erfolge im Vergleich zu einer historischen Kontrolle sind deutlich und klinisch relevant; das Verhältnis von Nutzen zu Risiko spricht für die Gentherapie. Es gibt aber noch viele Fragen, bezüglich des mit knapp 2 Millionen Euro „teuersten Medikamentes der Welt“. Diese betreffen die langfristige Entwicklung der Kinder, ob weitere Infusionen sinnvoll sind, die Wertigkeit gegenüber der pharmakologischen Therapie sowie mögliche Synergien aus beiden Behandlungen.

Dieser Beitrag ist im Original erschienen auf univadis.de.

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