Welche Folgen hat Umweltverschmutzung für die Nieren?
Umweltverschmutzung und Nierenerkrankungen sind eng verknüpft. Eine aktuelle Forschungsarbeit hat die Rolle verschiedener Schadstoffe bei der Entstehung und dem Verlauf von Nierenerkrankungen untersucht und dabei Forschungslücken und präventive Ansätze vorgestellt.
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Autor: Matthias Steigerwald
Neue Forschungsergebnisse veröffentlicht
Dass Umweltverschmutzung und daraus resultierende Schadstoffe in der Luft, der Nahrung und im Wasser die Gesundheit beeinträchtigen können, ist schon lange bekannt. Erst kürzlich wurden auf dem Kongress der European Academy for Dermatology and Venereology mögliche Auswirkungen des Klimawandels und der Luftverschmutzung auf die Gesundheit der Haut diskutiert. Bei der Entstehung und Progression von Nierenerkrankungen spielen diese Faktoren laut einer aktuellen Übersichtsarbeit ebenfalls eine entscheidende Rolle und könnten neben Diabetes und Hypertonie einen weiteren erheblichen Risikofaktor für Nierenschädigungen darstellen. Das Forschungsteam hat seine Erkenntnisse kürzlich im Journal Kidney International veröffentlicht.¹
Luftverschmutzung: Unterschätzter Faktor für Nierenschäden
Die Ergebnisse der Übersichtsarbeit deuten darauf hin, dass sowohl kurz- als auch langfristige Belastungen durch Luftverschmutzung zur Entwicklung von Nierenerkrankungen beitragen können. Feinstaub und gasförmige Schadstoffe wie Stickstoff- und Schwefeldioxid fördern Entzündungsprozesse und oxidativen Stress, die zu strukturellen Nierenschäden führen können. Außerdem können bei Exposition gegenüber verschiedenen Schadstoffen aus der Luft reaktive Sauerstoffspezies entstehen, die unter anderem Zell- und DNA-Schäden verursachen.
Die Exposition gegenüber Schadstoffen wie Ozon, Stickstoffmonoxid und Schwefeldioxid korreliert außerdem mit einer erhöhten Hospitalisierungsrate aufgrund von Nierenversagen und chronischen Nierenerkrankungen. Diese Effekte betreffen insbesondere vulnerable Populationen wie ältere Menschen und solche mit bereits bestehenden Nieren- oder anderen chronischen Erkrankungen.
Schadstoffe in Wasser und Boden: Weitere Risiken für die Nierengesundheit
Die Belastung durch Schwermetalle wie Kadmium, Blei und Quecksilber stellt ebenfalls ein signifikantes Risiko für die Nieren dar. Menschen können mit diesen Schadstoffen neben der Luftverschmutzung auch über kontaminiertes Wasser oder Böden in Kontakt kommen, insbesondere in Regionen mit hoher Industrialisierung. Die Aufnahme und Akkumulation solcher Schadstoffe geschieht vor allem durch die Nahrungskette und birgt langfristige Risiken für die Nierengesundheit.
Dabei ist bisher nicht abschließend geklärt, inwieweit sich die Schwermetalle in ihrer Gefährlichkeit für die Nieren unterscheiden: Während ein Review Arsen mit chronischen Nierenerkrankungen in Verbindung bringen konnte, gibt es unterschiedliche Ergebnisse für Blei und wenig Hinweise für die Schädlichkeit von Kadmium. Eine andere Übersichtsarbeit fand dagegen bei allen 3 Schwermetallen eine Assoziation mit Nierenschäden.
Weitere möglicherweise nierenschädigende Stoffe in der Umwelt sind beispielsweise organische oder anorganische Pestizide, Phthalate, Dioxine und Furane, Bisphenol A oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.
Klimawandel & Umweltverschmutzung: Zusammenspiel mit weitreichenden Folgen
Die Untersuchung weist darauf hin, dass der Klimawandel und die zunehmende Luftverschmutzung in einer komplexen Wechselwirkung stehen und sich gegenseitig verstärken können. Zwar sind die Beziehungen zwischen Ozonwerten am Boden und der Feinstaubbelastung mit steigenden Temperaturen und Klimaveränderungen komplex, es zeichnet sich aber ab, dass die Luftqualität durch diese Entwicklungen isngesamt sinkt. Somit kann der Klimawandel die Luftverschmutzung und dadurch indirekt die Nierengesundheit beeinflussen, während die Auslöser der Luftverschmutzung, etwa Treibhausgase durch die Nutzung fossiler Energien, den Klimawandel verschärfen.
Diese Entwicklungen könnten sich besonders stark auf die Nierengesundheit in Regionen auswirken, die ohnehin erhöhten Umweltbelastungen ausgesetzt sind. Als Beispiel nennen die Autorinnen und Autoren Wald- und Flächenbrände: Sie werden durch die Entwicklungen häufiger, gleichzeitig beeinflussen sie die Luftqualität vor Ort und in weitem Umkreis durch ein Freiwerden großer Mengen Feinstaub und toxischer Substanzen.
Fazit
Ein interdisziplinärer Ansatz ist notwendig, um die Bedeutung verschiedener Umweltfaktoren für Nierenerkrankungen sowie ihre Prävention und Behandlung besser zu verstehen. Politische Maßnahmen zur Reduktion von Schadstoffen könnten demnach mittel- und langfristig eine wichtige Rolle bei der Prävention von Nierenschäden spielen.
Auf der anderen Seite erhöhen unterlassene Maßnahmen unter Umständen die Anzahl der Nierenerkrankungen und belasten damit das Gesundheitssystem. Für die Praxis ist es unter Umständen sinnvoll, entsprechende Umweltfaktoren als möglichen Risikofaktor in Betracht zu ziehen und bei der Betreuung vulnerabler Personengruppen besondere Aufmerksamkeit auf mögliche Expositionen und das daraus resultierende Risiko zu legen.
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