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Nephrologie

03. Jan. 2025
Studien-Doppelpack

Neue Daten zu GLP-1-Rezeptoragonisten bei Lupus-Nephritis & SLE

Gleich 2 neue Studien haben Daten der US-amerikanischen Datenbank TriNetX genutzt, um der Frage nachzugehen, ob GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) auch bei Menschen mit Lupus-Nephritis und/oder systemischem Lupus erythematodes (SLE) Vorteile im Hinblick auf Nierenendpunkte bringen.1,2

Lesedauer: ca. 6 Minuten

Neue Daten zu GLP-1-RA bei Lupus-Nephritis und SLE
Zwei neue Studien haben die nierenschützende Wirkung von GLP-1-RAs bei Lupus-Nephritis und/oder SLE analysiert. (Foto: Getty Images | Natali_Mis)

Autorin: Miriam E. Tucker | Übersetzung & Redaktion: Dr. Annukka Aho-Ritter

GLP-1-RA sind für die Behandlung von Typ-2-Diabetes (T2D) und Adipositas zugelassen. Sie haben auch einen nachgewiesenen kardiovaskulären Nutzen, und neuere Daten deuten auf einen Nierenschutz hin, der unabhängig von der blutzuckersenkenden Wirkung ist.

„Bei Menschen mit Lupus ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermutlich mindestens verdoppelt… und wir wissen, dass das Risiko, an einer terminalen Niereninsuffizienz (end-stage kidney disease, ESKD) zu erkranken, bei Menschen mit Lupus-Nephritis bei 10 % bis 30 % liegen kann. Es besteht also eindeutig ein großer Bedarf an neuen Behandlungsmethoden und Ansätzen zur Verbesserung dieser Outcomes, möglicherweise mit einer Zusatzbehandlung, die über unsere typische immunsuppressive Therapie hinausgeht“, sagte Dr. April Jorge vom Massachusetts General Hospital in Boston (USA) während der Jahrestagung des American College of Rheumatology (ACR) 2024, wo sie die Ergebnisse ihrer Studien zu diesem Thema vorstellte.

Studie Nr. 1: Herz-Kreislauf- und Nierenvorteile von GLP-1-RA vs. DPP4i

Dr. Jorge und ihr Team analysierten Daten aus TriNetX, einer US-amerikanischen multizentrischen Datenbank für elektronische Gesundheitsakten, und konnten so zeigen, dass bei Personen, die sowohl an T2D als auch an SLE litten, diejenigen, die GLP-1-RA verwendeten, ein geringeres Risiko für schwerwiegende unerwünschte kardiale Ereignisse (MACE), Venenthrombose, Fortschreiten der Nierenerkrankung und Gesamtmortalität hatten als diejenigen, die eine andere Klasse von T2D-Medikamenten verwendeten.1

Propensity-Score-Matching von Personen mit SLE/Lupus-Nephritis und T2D

Dr. Jorge wies darauf hin, dass Personen mit Lupus von den randomisierten klinischen Studien zu GLP-1-RA ausgeschlossen wurden. Daher wurde die aktuelle Studie konzipiert, um die potenziellen Auswirkungen dieser Medikamente auf die Herz-Kreislauf- und Nierenwerte bei Menschen mit SLE und Lupus-Nephritis zu untersuchen.

Aus den TriNetX-Daten von 46 Gesundheitsorganisationen in den USA ging hervor, dass zwischen Oktober 2006 und August 2021 insgesamt 96.511 Personen mit SLE und T2D, aber nicht mit ESKD, entweder einen GLP-1-RA oder ein anderes Diabetesmedikament der Klasse der Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitoren (DPP4i) eingenommen hatten. Davon litten 29.177 an Lupus-Nephritis. Um eine randomisierte Studie zu simulieren, wurde ein Propensity-Score-Matching für Faktoren wie Demografie, Lupus-Schweregrad, Komorbiditäten und Medikamenteneinnahme durchgeführt. Dies ergab 25.838 Personen mit SLE und T2D, von denen 910 einen GLP-1-RA und 1.004 einen DPP4i begannen, und 12.387 mit Lupus-Nephritis und T2D, darunter 267 mit einem GLP-1-RA und 324 mit einem DPP4i. Nach dem Matching betrug das Durchschnittsalter 55 Jahre, mehr als 90 % waren Frauen und knapp die Hälfte waren Weiße. Etwa ein Drittel hatte eine chronische Nierenerkrankung im Stadium ≥ 3 und etwa 15 % hatten eine Herzinsuffizienz.

Signifikante Reduktion von MACE-, Progressions- und Sterberisiko

Bei einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 1,2 bis 1,4 Jahren betrug bei SLE-Patientinnen und -Patienten die Hazard Ratio (HR) für MACE (eine Kombination aus Myokardinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz) bei Personen, die einen GLP-1-RA im Vergleich zu einem DPP4i einnahmen, 0,66, was einen signifikanten Unterschied darstellt. Auch bei venösen Thrombosen war die HR mit 0,49 signifikant. Das Fortschreiten der Nierenerkrankung, definiert als ein Rückgang der geschätzten glomerulären Filtrationsrate um 30 % oder mehr oder eine neue terminale Niereninsuffizienz, war in der GLP-1-RA-Gruppe mit einer HR von 0,77 signifikant weniger wahrscheinlich. Auch die Gesamtmortalität war drastisch reduziert (HR: 0,26). Wie erwartet gab es keinen Unterschied beim Kontrollergebnis, nämlich Genitalinfektionen (HR: 1,02).

In der Untergruppe mit Lupus-Nephritis gab es ebenfalls ein geringeres Risiko für MACE (HR: 0,64) und für eine Nierenprogression (HR: 0,70). „Die Ergebnisse deuten auf ähnliche kardiale und renale Vorteile bei Personen mit SLE und Lupus-Nephritis hin, wie sie auch in anderen Populationen beobachtet wurden“, schloss Dr. Jorge.

Die Moderatorin der Sitzung, Prof. Dr. Diane L. Kamen von der Medizinischen Universität von South Carolina in Charleston, South Carolina (USA), kommentierte, dass das Studiendesign „ziemlich brillant war, da man keine placebokontrollierte Studie durchführen konnte, da die Indikation Diabetes war … aber Tatsache ist, dass man sieht, dass der GLP-1-RA einen Nutzen bringt, während das andere Medikament dies nicht tut.“

Als nächste Schritte nannte Dr. Jorge mechanistische Studien, um die Auswirkungen von GLP-1-RA bei Lupus und anderen rheumatischen Erkrankungen besser zu verstehen, prospektive Studien zu GLP-1-RA bei SLE und Lupus-Nephritis ohne Diabetes sowie die Klärung des idealen Zeitpunkts für den Einsatz von GLP-1-RA bei SLE und Lupus-Nephritis. „Im Idealfall können wir mit unseren prospektiven Studien mit diesen Personen versuchen, die Wirkung auf Menschen mit Lupus zu isolieren und auch besser zu verstehen, ob es durch die entzündungshemmende Wirkung dieser Medikamente möglicherweise einen Einfluss auf die Krankheitsaktivität gibt, und nicht nur kardio- und nephroprotektiven Vorteile“, sagte sie.

Studie Nr. 2: Nierenschutz bei Personen mit Lupus-Nephritis beobachtet

Die zweite Studie mit TriNetX, die auf derselben ACR-Sitzung von Dr. Anna-Kay Palmer vom Jefferson-Einstein-Krankenhaus in Philadelphia (USA), vorgestellt wurde, zeigte, dass GLP-1-Rezeptor-Antagonisten das Risiko einer Progression zu terminaler Niereninsuffizienz bei Menschen mit Lupus-Nephritis reduzierten, möglicherweise aufgrund einer Verringerung proinflammatorischer Mediatoren.2

Propensity-Score-Matching für GLP-1-RA vs. kein GLP-1-RA

In ihrer Präsentation wies Dr. Palmer darauf hin, dass trotz immunsuppressiver Therapien bei SLE 10 bis 20 % der Personen, die an Lupus-Nephritis erkranken, innerhalb von 5 Jahren nach der Diagnose eine terminale Niereninsuffizienz entwickeln. Sie fügte hinzu, dass GLP-1-RA nachweislich die Albuminurie bei Menschen mit Diabetes reduzieren und Entzündungen über mehrere Wege hemmen, wodurch Nierenerkrankungen möglicherweise unabhängig von Diabetes oder Gewichtsverlust reduziert werden können. Zu diesen Wegen gehören die Modulation der Immunzellensignale und die Reduzierung entzündungsfördernder Zytokine.

Auf dieser Grundlage verwendeten Dr. Palmer und ihre Kolleginnen und Kollegen die ICD-10-Codes in TriNetX, um 839 Personen zu identifizieren, bei denen zwischen 2014 und 2024 eine Lupus-Nephritis diagnostiziert worden war und denen zu einem beliebigen Zeitpunkt nach der Diagnose Lupus-Nephritis Liraglutid, Dulaglutid, Semaglutid oder Exenatid verschrieben worden war. Weitere 29.840 Personen mit Lupus-Nephritis hatten keine GLP-1-RA verwendet.

Nach einem 1:1-Propensity-Score-Matching nach Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Vorliegen von Bluthochdruck, Diabetes, Einnahme von Immunsuppressiva und Diabetesmedikamenten, Rauchen, Adipositas und Statineinnahme gab es 735 Personen in jeder Gruppe. Etwa 2/3 in jeder Gruppe hatten Diabetes, während den übrigen die GLP-1-RA aus anderen Gründen verschrieben worden waren.

Risiko für terminale Niereninsuffizienz ohne GLP-1-RA verdoppelt

Bei Personen, die keinen GLP-1-RA erhielten, war die Wahrscheinlichkeit, eine terminale Niereninsuffizienz zu entwickeln oder dialysepflichtig zu werden, doppelt so hoch (8,88 % gegenüber 3,971 %; Odds Ratio: 2,35; p = 0,001).

Prof. Kamen wies darauf hin, dass es ein Schwachpunkt der Studie war, die Verwendung von Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmern und Angiotensin-Rezeptorblockern nicht zu berücksichtigen. Andererseits war es von Vorteil, dass nicht jede Person in dieser Studie an Diabetes litt.

Off-Label-Einsatz ein „schwarzes Loch“

Prof. Kamen erklärte auf Nachfrage gegenüber Medscape Medical News, dass sie die Verwendung von GLP-1-RA bei Personen mit SLE und/oder Lupus-Nephritis sowie einer Indikation, für die GLP-1-RA zugelassen seien, d. h. T2D oder Adipositas, definitiv befürworte. Was jedoch die Off-Label-Verschreibung bei Personen mit SLE/Lupus-Nephritis ohne andere GLP-1-RA-Indikationen betrifft, so sagte Prof. Kamen: „Das ist derzeit ein schwarzes Loch. Wir müssen dazu prospektive Studien durchführen. Aber wenn die Personen eine andere Indikation haben [, für die GLP-1-RA zugelassen sind], dann ja.“

Fazit

Zwei neuen Studien zufolge scheinen Medikamente, die den Glucagon-like Peptide 1-Rezeptor (GLP-1-Rezeptor) aktivieren, für Menschen mit Lupus-Nephritis und mit systemischem Lupus erythematodes von Vorteil zu sein.

Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape.com erschienen.

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