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Nephrologie

06. Jan. 2025
Chronisches Nierenversagen

Hämodiafiltration besser als Hämodialyse?

Die Hämodiafiltration vereint die Verfahren Hämodialyse und Hämofiltration. Frühere Studien lieferten erste Hinweise, dass sich damit das Sterblichkeitsrisiko von dialysepflichtigen Menschen reduzieren lassen könnte. Ob dem tatsächlich so ist, hat ein Forschungsteam aus den Niederlanden in einer aktuellen Meta-Analyse untersucht.1

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Chronisches Nierenversagen: Hämodiafiltration besser als Hämodialyse?
Verringert die Hämodiafiltration das Sterblichkeitsrisiko? (Foto: Getty Images | Picsfive)

Autorin: Carolin Hellerich

Etwa 50 % der Menschen mit chronischem Nierenversagen versterben innerhalb der ersten 5 Jahre nach Beginn der Dialysebehandlung. Die Hämodiafiltration basiert auf den Prinzipien Diffusion und Konvektion, wodurch dem Blut ein größeres Spektrum an urämischen Molekülen entzogen werden kann.

Effekte der Hämodiafiltration auf Sterbeursachen noch unklar

Frühere Studien legten nahe, dass die Sterblichkeitsrate durch Hämodiafiltration mit hohem Konvektionsvolumen gesenkt werden könnte. Nach wie vor ist jedoch unklar, ob bestimmte Personengruppen, z. B. Menschen mit Diabetes, mehr von der Behandlung profitieren als andere. Welche Auswirkungen die Hämodiafiltration genau auf die verschiedenen Sterblichkeitsursachen hat, ist ebenfalls noch nicht belegt – nicht zuletzt deshalb, weil es häufig keine alleinige, spezifische Todesursache bei nierenkranken Menschen gibt.

Daher haben Forschende aus den Niederlanden nun eine aktuelle Meta-Analyse durchgeführt und dabei auch sekundäre Endpunkte wie die kardiale Mortalität mit einbezogen. Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht.1

IPD-Meta-Analyse zu Gesamtmortalität & spezifischen Todesursachen

Für die vorliegende Meta-Analyse wurden 3 große Datenbanken, darunter das Cochrane Central Register of Controlled Trials, nach randomisierten kontrollierten Studien durchsucht, in denen Hämodiafiltration und Hämodialyse bei Erwachsenen verglichen wurden und für die individuelle Teilnehmendendaten verfügbar waren (individual patient data, IPD). Einschlusskriterien waren unter anderem eine Follow-up-Dauer von mindestens einem Jahr sowie die Erfassung der Mortalitätsrate.

Als primärer Endpunkt wurde die Gesamtmortalität betrachtet. Spezifische Todesursachen wie kardiovaskuläre Sterblichkeit, infektionsbedingte Sterblichkeit einschließlich COVID-19, infektionsbedingte Sterblichkeit ohne COVID-19 sowie plötzlicher Tod und die Transplantationsrate bildeten die sekundären Endpunkte.

Studiendesign

Nach Abschluss der Studienauswahl wurden 5 randomisierte kontrollierte Studien in die Meta-Analyse aufgenommen. In diesen wurde bei 2.070 der insgesamt 4.153 Teilnehmenden eine konventionelle Hämodialyse durchgeführt, bei 2.083 Personen eine Hämodiafiltration. Die mediane Follow-up-Dauer betrug 30 Monate.

Um die Auswirkungen unterschiedlicher Konvektionsvolumen im Hinblick auf spezifische Personenmerkmale beurteilen zu können, wurden Subgruppenanalysen durchgeführt. Diese beinhalteten unter anderem:

  • Alter (< 65 Jahre/≥ 65 Jahre)
  • Geschlecht (männlich/weiblich)
  • Diabetes (ja/nein)
  • Kardiovaskuläre Erkrankung (ja/nein)
  • Erreichtes Konvektionsvolumen pro Sitzung (< 19 l, 19–23 l, > 23 l)

Der Einfluss des erreichten Konvektionsvolumens auf die Sterblichkeitsrate sowie die Wirksamkeit der Hämodiafiltration gegenüber der Hämodialyse wurden mittels Cox-Regression berechnet.

Weniger Todesfälle unter Hämodiafiltration

Während der 30-monatigen Follow-up-Dauer kam es zu 477 Todesfällen in der Hämodiafiltrationsgruppe, was 23,3 % bzw. 9,37 Ereignissen pro 100 Patientenjahren entspricht. In der Hämodialysegruppe verstarben 559 Personen (27,3 %), was 11,18 Ereignissen pro 100 Patientenjahren entspricht (Hazard Ratio [HR]: 0,84; 95 % Konfidenzintervall [KI]: 0,74–0,95). Die relative Reduktion des Gesamtsterblichkeitsrisikos betrug damit 16 %.

Bei 362 Verstorbenen waren kardiovaskuläre Ereignisse ursächlich – darunter Myokardinfarkte, instabile Angina pectoris und plötzlicher Herztod. Betroffen waren 160 Personen (8,1 %) in der Hämodiafiltrationsgruppe und 202 Personen (9,8 %) in der Hämodialysegruppe (HR: 0,78; 95 % KI: 0,64–0,96), was einer relativen Risikoreduktion um 22 % entspricht.

Im Hinblick auf die Gesamtsterblichkeit und auf die Sterblichkeit durch kardiovaskuläre Ereignisse ergaben sich keine Hinweise darauf, dass es eine Subgruppe gibt, die besonders von der jeweiligen Behandlung profitiert.

Je höher das Konvektionsvolumen, desto niedriger die Mortalität

Wenn nur die Personen analysiert wurden, die unter Hämodiafiltration ein Konvektionsvolumen von mehr als 23 l erreichten, war das Gesamtsterblichkeitsrisiko sogar um 37 % geringer als bei Personen unter konventioneller Hämodialyse (HR: 0,63; 95 % KI: 0,50–0,79). Ähnliches konnte in Bezug auf die kardiovaskuläre Mortalität festgestellt werden: Patientinnen und Patienten mit dem größten Konvektionsvolumen wiesen gegenüber der Hämodialysegruppe ein um 42 % niedrigeres Risiko auf, an einem kardialen Ereignis zu sterben (HR: 0,58; 95 % KI: 0,40–0,85).

Insgesamt war auch das Risiko, an einer Infektion zu sterben, in der Hämodiafiltrationsgruppe geringer als in der Hämodialysegruppe. Somit bestand eine Assoziation zwischen Konvektionsvolumen und der Gesamtsterblichkeitsrate: Je höher die Hämodiafiltrationsdosis, desto größer der Benefit.

Limitationen

Die vorliegende Meta-Analyse geht mit einigen Limitationen einher. Zunächst sollten die Ergebnisse aufgrund der geringen Anzahl an analysierten Studien nur als Durchschnittswert für die Studienpopulationen interpretiert werden. Zudem wurde als Endpunkt lediglich die Sterblichkeitsrate beurteilt – weitere Endpunkte könnten die Hospitalisierung oder die individuelle Lebensqualität einer Person mit einschließen. Gerade letztere ist in der klinischen Praxis relevant, um Entscheidungen bezüglich einer Therapie zu treffen.

Darüber hinaus wurden die Hämodiafiltration und Hämodialyse nur in ihrer standardgemäßen Anwendung verglichen – 3 Sitzungen pro Woche mit je 4 Stunden Dauer. Eine häufigere Behandlung wurde nicht getestet.

Fazit: Hämodiafiltration als möglicher neuer Therapiestandard

Die aktuelle Meta-Analyse aus den Niederlanden bestätigt das Ergebnis früherer Studien, dass die Hämodiafiltration bei Menschen mit chronischem Nierenversagen ein effektiveres und lebensverlängerndes Verfahren als die konventionelle Hämodialyse darstellen könnte. Gründe dafür könnten die stärkere Verringerung der urämischen Toxine oder die erhöhte Clearance von entzündlichen Zytokinen sein, die mit der Hämodiafiltration einhergehen. Ob sie sich in naher Zukunft jedoch als neuer Therapiestandard für nierenkranke Menschen etablieren wird, bleibt abzuwarten.

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