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Nephrologie

07. Nov. 2024
Chronische Nierenerkrankung

Ist mehr statt weniger Protein für Ältere mit CKD von Vorteil?

Eine aktuelle Analyse hat untersucht, wie sich bei älteren Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung (CKD) eine höhere Proteinzufuhr auf die Mortalität auswirkt. Die überraschenden Ergebnisse wurden kürzlich in JAMA Network Open publiziert.1

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Proteine CKD
Ältere Personen mit leichter bis mittelschwerer CKD scheinen von einer proteinreichen Ernährung zu profitieren. (Foto: © Getty Images / Guillermo Spelucin)

Autorin: Nadine Eckert | Redaktion: Dr. Annukka Aho-Ritter

Im höheren Alter steigt der Proteinbedarf, empfohlen wird eine Proteinzufuhr zwischen 1 und 1,2 g pro kg des tatsächlichen Körpergewichts am Tag. Bei Seniorinnen und Senioren mit akuten und chronischen Erkrankungen, Verletzungen oder Mangelernährung kann der Bedarf noch darüber liegen.

„Aber bei Personen mit CKD – einer bei älteren Menschen weit verbreiteten Erkrankung – besteht die Sorge, dass eine höhere Proteinzufuhr das Fortschreiten der Nierenerkrankung beschleunigen könnte“, schreibt das Forschungsteam um Dr. Adrián Carballo-Casla vom Aging Research Center des Karolinska Institutet in Stockholm in der Publikation.

Wie sinnvoll ist die Proteinrestriktion bei CKD?

In der aktuellen KDIGO-Leitlinie2 wird Personen mit leichter CKD (Stadium 1 und 2) empfohlen, nicht mehr als 1,3 g Protein/kg/Tag zu sich zu nehmen. Im Stadium 3 bis 5 (ohne Dialyse) der CKD soll die Proteinzufuhr auf 0,6 bis 0,8 g/kg/Tag beschränkt werden. „Es wurde gezeigt, dass eine solche niedrigere Proteinzufuhr bei CKD-Patientinnen und -Patienten in den Stadien 4 bis 5 (ohne Dialyse) die CKD-Progression verlangsamen und Stoffwechselstörungen verbessern kann“, so die Forschenden. „Aber es fehlen Daten zu den gesundheitlichen Auswirkungen bei Personen mit leichter oder mittelschwerer CKD – oder älteren Menschen mit gesunden Nieren.“

Das Team untersuchte Daten von 3 Kohorten aus Spanien und Schweden, die 8.543 Teilnehmende im Alter von 60 Jahren und darüber umfassten. Analysiert wurden insgesamt 14.399 Beobachtungen, davon 4.789 mit CKD im Stadium 1 bis 3 und 9.610 ohne. „Um die Proteinzufuhr über einen längeren Zeitraum abzubilden und Variationen bei den einzelnen Studienteilnehmenden zu minimieren, arrangierten wir die Daten so, dass es für jede Person eine Beobachtung pro Zeitintervall gab“, erklären die Forschenden ihr Vorgehen. Im Lauf der Nachbeobachtung über 10 Jahre wurden 1.468 Todesfälle dokumentiert.

Mehr zur optimalen Proteinzufuhr für verschiedene Altersgruppen lesen Sie in unserem ausführlichen Bericht "Proteine: Welche, wie viel und für wen?"

Assoziation etwas schwächer als bei nierengesunden Personen

„Wir beobachteten eine inverse Assoziation zwischen der Proteinzufuhr und der Mortalität bei Personen mit CKD, aber sie war etwas schwächer ausgeprägt als bei denjenigen ohne CKD“, berichtet die Forschungsgruppe um Dr. Carballo-Casla.

Im Vergleich zu einer Proteinzufuhr von 0,8 g/kg/Tag hatten Teilnehmende mit CKD, die 1 g/kg/Tag Protein zu sich nahmen, ein um 12 % reduziertes Sterberisiko. Bei einer Zufuhr von 1,2 g/kg/Tag sank das Risiko um 21 % und bei 1,4 g/kg/Tag um 27 %. Bei denjenigen ohne CKD betrugen die entsprechenden Risikoreduktionen 23 %, 37 % und 44 %.

Während bei den Teilnehmenden ohne CKD die Mortalität mit jeder Zunahme der Proteinzufuhr um 0,2 g/kg/Tag um 15 % sank, waren es bei den Teilnehmenden mit CKD nur 8%.

Es machte keinen Unterschied, ob es sich um tierisches oder pflanzliches Protein handelte, die Assoziation mit der Mortalität blieb vergleichbar. Auch das Alter der Studienteilnehmenden – ob sie unter oder über 75 Jahre alt waren – spielte keine Rolle.

Vorteile von Protein überwiegen Nachteile

Die Forscherinnen und Forscher weisen darauf hin, dass die biologischen Wirkungen von Proteinquellen von der Gesamtzufuhr, aber auch dem Anteil an pflanzlichem Protein in der Nahrung abhängen könnten. „In unserer Studie stammten 68 % des Proteins aus tierischen Quellen, und die Gesamtproteinzufuhr lag deutlich über den Empfehlungen für Personen mit mittelschwerer CKD“, schreiben sie. Es sei deshalb unklar, ob sich die Ergebnisse auf ältere Menschen, die sich pflanzenbasiert oder proteinarm ernährten, übertragen ließen.

Dennoch kommen Dr. Carballo-Casla und sein Team zu dem Fazit: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Vorteile von Protein die Nachteile bei älteren Menschen mit leichter oder mittelschwerer CKD – bei denen die Krankheitsprogression weniger Einfluss auf das Überleben hat – überwiegen.“

Fazit für die Praxis

Die aktuelle Analyse von 3 Kohorten aus Spanien und Schweden deutet darauf hin, dass bei älteren Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung (CKD) eine höhere Proteinzufuhr – egal ob tierisches oder pflanzliches Protein – mit einer geringeren Mortalität einhergeht.

Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape.com erschienen.

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