23. Januar 2019

Beginnende Tollwut als Karpaltunnelsyndrom verkannt

Hat eine Tollwut-Infektion bereits zu neurologischen Symptomen geführt, kommt in der Regel jede Hilfe zu spät. Da die Erkrankung sehr selten ist, werden entsprechende Symptome leicht verkannt, wie der Fall einer Frau aus Richmond/Virginia zeigt.1,2

Lesedauer: ca. 1 Minute

Die 65-jährige Patientin war während eines Urlaubs in einer ländlichen Region Nordindiens von einem kleinen Hund gebissen worden – hatte deswegen aber keinen Arzt aufgesucht. 6 Wochen nach dem Biss – wieder zurück in den USA – bemerkte die Frau erstmals Schmerzen und Parästhesien im Arm, die von den behandelnden Ärzten als Karpaltunnelsymptom interpretiert und mit Analgetika therapiert wurden. Bereits am nächsten Tag kam es zu einer massiven Verschlechterung mit Atemnot, Angstzuständen, Schlaflosigkeit und Schluckstörungen. Da die Laborwerte zu diesem Zeitpunkt unauffällig waren, gingen die Kollegen von einer Panikattacke aus, die mit Lorazepam behandelt wurde. 

Einen weiteren Tag später suchte die Patientin wegen Beschwerden in der Brust und Kurzatmigkeit eine andere Klinik auf. Die Parästhesien hatten sich auf die rechte Schulter ausgebreitet, was von den Neurologen als Dysmetrie interpretiert wurde. Die Laborwerte zeigten einen deutlichen Anstieg von Troponin I und Laktat. Im EKG fanden sich Zeichen einer Ischämie. Bei der Herzkatheteruntersuchung waren die Koronargefäße jedoch unauffällig. Jetzt wurde erstmals auch eine Reiseanamnese erhoben und die Frau berichtete von dem Hundebiss in Indien.

Vier Tage nach den ersten Beschwerden musste die Frau intubiert werden und das EEG zeigte eine schwere Enzephalopathie an. Zwei Tage später bestätigte sich die Diagnose einer Tollwut – im Speichel wurden Rabiesviren nachgewiesen. Ein Behandlungsversuch nach dem Milwaukee Protokoll (künstliches Koma und Favipiravir) war vergeblich. Nach zwei Wochen entschied die Familie, die lebenserhaltenden Maßnahmen zu beenden.

In Deutschland hat es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts seit 2001 insgesamt 6 Tollwuterkrankungen gegeben. Zuletzt verstarb im Jahr 2007 ein 55-jähriger Mann, der in Marokko von einem streunenden Hund gebissen worden war.

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1. Julia Murphey et al; Human Rabies — Virginia, 2017; Morbitity and Moratlity Weekly Report (2019); 67(5152):1410–1414; DOI: http://dx.doi.org/10.15585/mmwr.mm675152a2.

2. Karpaltunnelsyndrom war Initialsymptom eines Tollwutfalls, Deutsches Ärzteblatt

Titelbild: © iStock.com/DavorLovincic

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