Trotz sichtbarem Teerstuhl: Fälschliche Entwarnung durch negativen Hämoccult
Ein 58-jähriger Patient stellte sich mit wiederholt aufgetretene schwarzen Stühlen und Benommenheit in der Notaufnahme vor. Aufgrund eines negativen Stuhltestes auf okkultes Blut (Hämoccult-Test) wurde aber erst einmal Entwarnung gegeben – ein schwerer Fehler, der gerade noch korrigiert werden konnte.1,2

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Der Patient wies bis auf eine Ibuprofen-Medikation wegen einer Kniegelenksarthrose keine Risikofaktoren für gastrointestinale Blutungen auf und litt auch nicht unter Belastungsatemnot oder Angina pectoris.
Die körperliche Untersuchung war unauffällig – die digitale rektale Untersuchung förderte schwarzen, teerigen, übelriechenden Stuhl ohne erkennbare Spuren von frischem Blut zutage. Der Hb lag bei 11,0 mg/dl und war damit deutlich niedriger als drei Monate zuvor (13,6 mg/dl). Ein daraufhin angefertigter Hämoccult-Test fiel aber negativ aus, was dazu führte, dass der Mann stationär aufgenommen wurde, aber keine sofortige endoskopische Abklärung erfolgte.
Teerstuhl durch Ibuprofen-Medikation
Erst als der Patient nach sieben Stunden einen weiteren Teerstuhl abgesetzt hatte, wurde ein Gastroenterologe hinzugezogen, der dem Patienten sofort Pantoprazol i.v. verabreichte und eine Ösophagogastroduodenoskopie durchführte. Hier zeigten sich drei blutenden Duodenalulzera, die mit Adrenalininjektionen und Clips behandelt wurden. Als Ursache wurde die Ibuprofen-Medikation angesehen, die daraufhin durch einen PPI-Schutz ergänzt wurde.
Offensichtlicher Befund wurde übersehen
Der negative Hämoccult-Test hat die Ärzte hier offenbar blind gemacht für den offensichtlichen Befund einer Meläna bei der digitalen Untersuchung. Die Autoren erinnern daher daran, dass der Hämoccult-Test ein validierter Test für das ambulante Darmkrebs-Screening ist, bei der Abklärung von gastrointestinalen Blutungen oder Eisenmangelanämien aber keine Funktion hat.
Spricht wie bei dem Patienten die Klinik für eine Blutung, ist in jedem Fall eine sofortige diagnostische und ggf. therapeutische Endoskopie angezeigt. Beim Einsatz eines Hämoccult zur Abklärung von GI-Blutungen ist mit einer Falsch-positiv-Rate von 5–10% und einer Falsch-negativ-Quote von 30–50% zu rechnen.
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Originaltext veröffentlich am 05.11.2018, aktualisiert am 02.07.2025


