08. März 2018

Schmerzensgeld-Urteil Arzt fehlte der passende Schraubendreher

Bei der Entfernung von Osteosynthesematerial in der Hand kann der operierende Arzt eine Schraube nicht lösen. Die Patientin klagt daraufhin über Folgeschäden und fordert Schmerzensgeld. Das OLG Karlsruhe stellt in einem aktuellen Urteil einen Behandlungsfehler fest. Die Ursache: die mangelnde Ausstattung des Artzes.1

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Der folgende Beitrag basiert auf dem aktuellen Urteil des OLG Karlsruhe (7 U 90/15) 1 und wird vertreten durch Alexa Frey, Fachanwältin für Medizinrecht.

Die Klägerin hatte eine distale Radiusfraktur am rechten Handgelenk erlitten, diese wurde durch den Beklagten unter Verwendung von sechs Schrauben und einer winkelstabilen Radiusplatte operativ versorgt. Nach Abheilen der Fraktur wurde in einer weiteren ambulanten Operation das Osteosynthesematerial entfernt. Dabei ließ sich die letzte der sechs Schraube nicht lösen und der Eingriff wurde daraufhin abgebrochen. Die Klägerin wurde vom Arzt informiert, dass die Schraube sowie die Radiusplatte in einer Klinik unter Vollnarkose entfernt werden müssen.

Sie machte daraufhin vor dem Landgericht Heidelberg Arzthaftungsansprüche geltend, da sie in Folge des Eingriffs an Nervenbeeinträchtigungen in der rechten Hand litt. Das Landgericht Heidelberg verurteilte den Arzt zu einem Schmerzensgeld in Höhe von 5.000,00 EUR und zur Erstattung aller zukünftigen Schäden.

Die versäumte Entfernung der Schraube sei allerdings kein Behandlungsfehler. Hingegen wurde ein Aufklärungsfehler bejaht. Der beklagte Arzt hätte die Klägerin über das seltene Risiko bei der Entfernung des Osteosynthesematerials aufklären müssen. Die Klägerin hatte angegeben, dass sie bei Kenntnis dieses Risikos die OP von vorn herein in einer Klinik hätte durchführen lassen.

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  1. Urteil des OLG Karlsruhe vom 13.12.2017, Az.: 7 U 90/15

Titelbild: iStock. Bildnachweis: Andrey Popov.

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