16. Mai 2019

Weniger Scham: Geschlechtskrankheiten digital überprüfen lassen

Die App „Intimarzt” ermöglicht es Patienten, Auffälligkeiten im Intimbereich digital und anonym von einem Facharzt überprüfen zu lassen. Das digitale Angebot wurde unter anderem von Medizinern der Essener Uni-Klinik für Dermatologie und der Universitäts-Hautklinik in Heidelberg entwickelt.

Lesedauer: 2 Minuten

Scham bei Geschlechtskrankheiten gefährdet frühe Diagnose

Ziel der App ist die möglichst frühe Diagnose von Geschlechtskrankheiten. Aus Scham holen sich die Betroffenen meist erst sehr spät ärztlichen Rat. „In vielen Fällen möchte der Patient bei einem Problem im Geschlechtsbereich unerkannt bleiben und gleichzeitig aber wissen, ob die von ihm entdeckte Auffälligkeit in einer Praxis behandelt werden muss“, erklärt PD Dr. Stefan Esser, Leiter der Ambulanz für sexuell übertragbare Erkrankungen der Universitäts-Hautklinik am Universitätsklinikum Essen.

Fotos und Informationen werden an Facharzt übermittelt

„Intimarzt“ steht über die Webseite www.intimarzt.de sowie für iPhones und Android Smartphones kostenlos zum Download zur Verfügung. Allerdings wird für den Patienten eine Service-Gebühr von 24,95 € fällig. Um sich eine Erstmeinung einzuholen, müssen drei Fotos des intimen Problems in bestimmten Abständen aufgenommen und einige Fragen zu möglichen Symptomen beantwortet werden. Die Bilder und Informationen werden anschließend über eine verschlüsselte Verbindung an einen Facharzt für Geschlechtserkrankungen übermittelt. Befunden dürfen nur Fachärzte für Geschlechtskrankheiten mit mindestens zehn Jahren Praxiserfahrung.

So funktioniert die App

Ersteinschätzung innerhalb von 48 Stunden

Intimarzt verspricht dem Patienten innerhalb von 48 Stunden eine Ersteinschätzung digital zu übermitteln. Rückfragen der Online-Ärzte und die Antworten werden in einem nur für Arzt und Patient zugänglichen und geschützten Datenraum gespeichert. Patienten ohne Smartphone können auch über eine Digitalkamera und die Intimarzt-Webseite die Bilder ihres intimen Problems bereitstellen. Die App „Intimarzt” liefert eine erste Einschätzung, inklusive einer Handlungsempfehlung. So bleibt dem Patienten der Arztbesuch sogar erspart, wenn er sich mit den empfohlenen, frei verkäuflichen Arzneien behandeln kann.

App sollte als Schritt vor dem Arztbesuch gesehen werden

Der Service schließt damit die Lücke zwischen einer Internetrecherche und einem persönlichen Praxisbesuch.
„Allerdings ersetzt die Befundung per Smartphone auch nur in manchen Fällen den Arztbesuch. Eine Erstmeinung über eine Telemedizin-Anwendung sollte als ein möglicher Schritt vor einem Arztbesuch gesehen werden. Bei Fällen, die digital nicht eindeutig zu beurteilen sind, werden die Fachärzte die App-Nutzer auch weiterhin in die Praxis einladen“, sagt Dr. Titus Brinker, Assistenzarzt und Leiter der App-Entwicklung am Nationalen Centrum für NCT Heidelberg und DKFZ.

Erhältlich für Android und iOS ( App gratis; Servicegebühr 24,95 € pro Beratung)

1. Weniger Scham mit App Intimarzt. Pressemitteilung UK Essen, 13.03.2019.

Titelbild: © iStock.com/Doucefleur

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