22. Januar 2021

Rauchen und Tabakabhängigkeit: Screening, Diagnostik und Behandlung 

Nach letzten Erhebungen des Statistischen Bundesamtes rauchen 22,4 % der bundesdeutschen Bevölkerung ab dem 15. Lebensjahr. Etwa 50 % bis 60 % der regelmäßigen Raucher gelten als abhängig, das sind bundesweit in etwa 7,5 bis 9 Millionen.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Weniger Tabakkonsum bei Jugendlichen

Während die Rauchquote insbesondere bei Kindern und Jugendlichen in jüngster Zeit rückläufig ist, hält sie sich bei Erwachsenen jungen und mittleren Alters unverändert auf hohem Niveau. Die höchste Prävalenz weisen Männer zwischen dem 25. und 40., Frauen zwischen dem 25. und 60. Lebensjahr auf.

Der Tabakkonsum ist mit zahlreichen körperlichen Folgeerkrankungen verbunden. Schätzzahlen gehen davon aus, dass etwa 13,5 % der Mortalität durch den Tabakkonsum mitbedingt sind. Der kombinierte Tabak- und Alkoholkonsum macht etwa 6 % der Gesamtmortalität aus. Zigarettenrauchen verursacht damit jährlich mehr Todesfälle als AIDS, Alkohol, illegale Drogen, Verkehrsunfälle, Morde und Suizide zusammengenommen.

Raucher leben durchschnittlich 10 Jahre kürzer als Nichtraucher. Auch wenn Nikotin keine mit Alkohol vergleichbare betäubende Wirkung hat, ist es doch ein Suchtmittel, das mit körperlicher Abhängigkeit, Gewohnheitsbildung und psychischer Abhängigkeit einhergeht.

Unterstützung nur bei Prävention

Nach derzeitiger Gesetzeslage ist die Finanzierung einer Unterstützung von Personen, die einen Rauchstopp beabsichtigen, nur im Rahmen von Präventionsmaßnahmen möglich – selbst dann, wenn eine Tabakabhängigkeit oder schwere tabakassoziierte somatische Erkrankung vorliegt.

Krankenkassen bezuschussen die verhaltenstherapeutisch orientierten Raucherentwöhnungsgruppen, finanzieren jedoch nicht die medikamentöse Unterstützung und die in Einzelfällen notwendige verhaltenstherapeutische Behandlung

Anzustreben ist eine absolute Abstinenz, nur sie ist bei der Vermeidung gesundheitlicher Risiken zielführend. Eine Harm Reduction kann nur in Einzelfällen eine Alternative sein.

Die wichtigsten Empfehlungen

  • Grundsätzlich sollen alle Patienten beim ersten, für eine umfassende Anamnese geeigneten Kontakt mit dem Haus- und Facharzt sowie in regelmäßigen Abständen im Behandlungsverlauf nach ihrem Konsum von Tabak oder EZigaretten oder verwandten Produkten gefragt werden.
  • Verhaltenstherapeutische Einzel- und Gruppeninterventionen zur Erreichung der Tabakabstinenz sollen in der medizinischen, psychotherapeutischen und psychosozialen Gesundheitsversorgung angeboten werden. Hypnotherapie und achtsamkeitsbasierte Methoden können zur Tabakentwöhnung angeboten werden.
  • Bei Personen mit hoher Tabakabhängigkeit sollen bei vorliegender Indikation (z. B. Tabakentzugssyndrom) bzw. Bedarf Kombinationstherapien aus Psychotherapie und Pharmakotherapie (Nikotinersatz, Bupropion, Vareniclin, Cytisin) angeboten werden.
  • Die Befundlage hinsichtlich Wirkung und Risiken der E-Zigarette in der Tabakentwöhnung ist uneinheitlich, es fehlen bislang ausreichend Hinweise auf das Entwöhnungspotential und auf langfristige Risiken dieser neuen Produkte.
  • Jugendlichen, Frauen und schwangeren Frauen und Rauchern mit somatischen und psychischen Erkrankungen soll eine Kombination von angepasster Psychoedukation, Motivationssteigerung (Motivational Enhancement, Selbstwirksamkeit) und verhaltenstherapeutischen Interventionen zur Tabakentwöhnung angeboten werden.

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