
Neu in der Leitlinie ist u. a. der aktuelle Wissensstand zu SARS-CoV-2 assoziierten Riech- und Schmeckstörungen und ein Kapitel zu Therapien mit Biologika hinsichtlich sinunasaler Riechstörung.1
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Redaktion: Dr. Linda Fischer
Die psychophysische Testung sollte mit dem Sniffin‘ Sticks-Test erfolgen, da er in verschiedenen Varianten verfügbar ist (Screening-Test, SDI-Test) und altersspezifische Normbereiche vorliegen. Alternativ und/oder ergänzend können andere validierte psychophysische Verfahren zur Riechtestung eingesetzt werden (z. B. Schmeckpulvertest, Candy-Smell-Test).
Eine temporäre Riechstörung aufgrund einer akuten viralen oder bakteriellen Rhinitis/Rhinosinusitis bedarf keiner gesonderten Therapie. Bei Persistenz einer Riechstörung im Anschluss an einen Infekt mit Atemwegsbeteiligung ist eine postinfektiöse Riechstörung zu erwägen.
Bei sinunasaler Dysosmie im Rahmen einer chronischen Rhinosinusitis mit und ohne Nasenpolypen ist das Ziel, die Grunderkrankung evidenzbasiert und leitliniengerecht zu behandeln. Dazu stehen Empfehlungen aus der deutschen Leitlinie und dem europäischen Positionspapier zur Rhinosinusitis und der Polyposis nasi (EPOS) zur Verfügung.
Wird eine Therapie der Grunderkrankung mit Biologika erwogen, sollte zunächst Dupilumab (oder ggf. Omalizumab) eingesetzt werden, wenn die Behandlung der Riechstörungen im Vordergrund steht.
Für die Grunderkrankung „allergische Rhinitis“ stehen verschiedene Therapieempfehlungen zur Verfügung (z. B. ARIA, Leitlinien der AWMF und DGAKI), deren Einfluss auf das Riechvermögen wegen unbefriedigender Literaturlage dereit nicht abschließend beurteilt werden kann.
Sollte ein Therapieversuch unternommen werden, sind topische Steroide wahrscheinlich die aussichtsreichste Therapieoption.
Hier lässt sich lediglich die Empfehlung ableiten, einen individuellen Therapieversuch zur Besserung der Grunderkrankung durchzuführen. Das gilt auch für andere Rhinitisformen mit ungeklärter Pathophysiologie. Bei Riechstörungen im Rahmen einer toxisch-irritativen Rhinitis stehen Karenzmaßnahmen im Vordergrund.
Bei postinfektiösen Riechstörungen wird ein strukturiertes Riechtraining empfohlen. Dieses sollte innerhalb des ersten Jahres nach Eintreten der Dysosmie starten. Langzeitergebnisse der Therapieeffekte stehen noch aus. Außerdem kann ein (zusätzlicher) medikamentöser Therapieversuch unternommen werden, wobei höhergradige Evidenznachweise ausstehen.
Bei posttraumatischen Riechstörungen wird eine absteigende Therapie mit Zinkglukonat, mit oder ohne systemische Kortikosteroid-Gabe empfohlen – alternativ oder ergänzend ein strukturiertes Riechtraining. Die Therapie wird zeitnah nach dem Trauma begonnen. Langzeitergebnisse bzw. Ergebnisse größerer Studienpopulationen stehen noch aus.
Bei Riechstörungen im Rahmen einer Grunderkrankung außerhalb des HNO-Bereiches wird ein interdisziplinäres Vorgehen empfohlen.
Die Routinediagnostik umfasst die globale Testung mit überschwelligen Schmecklösungen für süß, sauer, salzig und bitter als Spray oder Tropfen. Die überschwellige Testung sollte nur als Screening-Verfahren verwendet werden.
Ebenso für die Routinediagnostik geeignet, ist die 3-Tropfen-Test Methode, mit der die Schmeckschwelle bestimmt wird. Das regionale Schmeckvermögen kann über Taste Strips getestet werden. Für höhergradige Empfehlungen sind weitere Studien erforderlich.
Eine sachkundige Beratung der Patientin bzw. des Patienten ist elementarer Bestandteil der Therapie (ggf. mit Ernährungsberatung). Zur Behandlung von Schmeckstörungen werden in der Literatur zahlreiche Therapieoptionen vorgeschlagen – meist aber mit auf geringem Evidenzniveau. Einer der am besten evaluierten Therapieansätze ist die Zinkgabe bei idiopathischer Schmeckstörung.
Schmeckstörungen im Rahmen dermatologischer, internistischer und neurologischer Grunderkrankungen erfordern ein interdisziplinäres Vorgehen.