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Wichtige Leitlinien im Überblick

27. Juni 2024
Dermatologie

S2k-Leitlinie Kutane Lyme Borreliose

Diese Leitlinie bezieht sich primär auf die Diagnostik und Therapie von kutanen Manifestationen der Lyme-Borreliose. In dieser Aktualisierung wurde die internationale Literatur zu kutanen Manifestationen bis 2022 berücksichtigt.1

Lesedauer: ca. 4 Minuten

S2k-Leitlinie Kutane Lyme Borreliose
S2k-Leitlinie Kutane Lyme Borreliose online (Foto: Dreamstime.com | Dmitrii Melnikov)

Redaktion: Dr. Linda Fischer

Basisdaten der Leitlinie

  • Leitlinie: S2k-Leitlinie Kutane Lyme Borreliose
  • Stufenklassifikation: S2k (konsensbasiert)
  • AWMF-Register-Nr.: 013 - 044
  • Stand: 28.02.2023; gültig bis 27.02.2028
  • Federführende Fachgesellschaft: Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG) 1

Das ist neu in der Leitlinie

In der Diagnostik und Therapie haben sich bis zum Zeitpunkt der Leitlinien-Aktualisierung keine wegweisenden Änderungen ergeben. Allerdings hat sich neben Doxycyclin und Amoxicillin zur Behandlung des Erythema migrans auch Penicillin V oral als gleichwertig gut wirksam erwiesen. Zudem ergab eine Analyse von Patientinnen und Patienten mit Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA) in den letzten 30 Jahren, dass die Häufigkeit konstitutioneller Symptome und Atrophie abnimmt. Ein Grund hierfür könnte die bessere Früherkennung sein.

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit in Europa. Meist entsteht nach dem Zeckenbiss eine Entzündung der Haut, typischerweise als Erythema migrans. Im weiteren Verlauf können die Borrelien z. B. Haut, Gelenke und Nervensystem befallen. Als chronische oder späte Form der Hautinfektion kann sich die Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA) entwickeln. Klinisch wird die Lyme-Borreliose in Früh- und Spätmanifestationen eingeteilt.

Im Folgenden finden Sie Auszüge der Leitlinien-Empfehlungen.

Kutane Frühmanifestation: Erythema migrans, Lymphozytom

Nach einem Zeckenstich kann es nach 3 bis 30 Tagen zu einer lokalisierten Hautinfektion um den infizierten Zeckenstich kommen. Für die Diagnose eines Erythema migrans wird ein Durchmesser des Erythems von mindestens 5 cm angegeben. Klinisch eindeutig ist ein randbetontes Erythem – nicht erhaben oder überwärmt - mit zentrifugaler Ausbreitung um den Zeckenstich herum.

Da ein atypisches Erythema migrans außerordentlich variabel in seiner klinischen Erscheinung ist, ist es für dermatologisch weniger erfahrene Ärztinnen und Ärzte schwer zu diagnostizieren. Daher sollten Patientinnen und Patienten mit atypischen Erythemen in die Dermatologie überwiesen werden. Variabilität des Erythema migrans (atypisches Erythema migrans):

  • nicht migrierend
  • nicht randbetont
  • infiltriert statt makulös
  • zentral vesikulös
  • hämorrhagisch
  • unregelmäßig fleckig
  • nur bei Erwärmung der Haut sichtbar
  • keine sichtbare Zeckeneinstichstelle

Im Frühstadium können an der Stichstelle oder in dem sich ausbreitenden Erythema migrans Pseudolymphome (kutane lymphoide Hyperplasie) auftreten. Merkmale des Borrelien-Lymphozytoms:

  • Pseudolymphom, meist solitär, bevorzugt bei Kindern
  • Lokalisation vor allem an den Ohrläppchen, Mamillen oder im Genitalbereich
  • livid-roter subkutaner Knoten oder Plaque
  • histologisch meist gemischte B- und T-lymphozytäre Infiltrate

Bei einigen Patientinnen und Patienten kommt es im Frühstadium zur hämatogenen Disseminierung. Dies äußert sich klinisch durch grippeartige Krankheitssymptome mit leichtem Fieber, Arthralgien, Myalgien, Kopfschmerzen, Lymphadenopathie und multiplen Erythemata migrantia.

Kutane Spätmanifestationen: Acrodermatitis chronica atrophicans

Nach individuell unterschiedlich langen Zeiträumen von Monaten bis Jahren kann es zu verschiedensten Organmanifestationen kommen. Kutane Spätmanifestationen umfassen die ACA sowie das ödematös-infiltrative und das atrophe Stadium der ACA.

Zahlreiche Differenzialdiagnosen zur kutanen Lyme-Borreliose

Die große Anzahl an Differenzialdiagnosen legt nahe, dass die meisten kutanen Manifestationen der Lyme-Borreliose eine sorgfältige dermatologische Diagnostik erfordern. So kann ein Erythema migrans beispielsweise auch eine persistierende Insektenstichreaktion, ein „mitigiertes“ Erysipel, ein fixes Arzneimittelexanthem oder eine Hypodermitis bei chronisch venöser Insuffizienz sein.

Multiple Erythemata migrantia können sich zudem ähnlich einer persistierenden Urtikaria, einem multiplen Granulomata anularia oder einer Parvovirus B19-Infektion (Ringelröteln) präsentieren. Auch für das Borrelien-Lymphozytom und die ACA nennt die Leitlinie zahlreiche Differenzialdiagnosen.

Die Schlussfolgerung in der Leitlinie: Hautentzündungen, die als Lyme-Borreliose diagnostiziert wurden und durch eine Antibiotikatherapie nicht abgeheilt sind, sind zu einer fachärztlichen dermatologischen Untersuchung zu überweisen.

Diagnostik: Indirekter und direkter Erregernachweis

Für die Diagnostik der Lyme-Borreliose spielt der indirekte Erregernachweis mittels serologischer Methoden die Hauptrolle. In Deutschland erfolgt der Antikörpernachweis im Serum mittels einer Stufendiagnostik, standardisiert durch einen Suchtest (Immunoassay: ELISA, CLIA etc.) und einen Bestätigungstest (Immunoblot).

Dabei ist ein positiver Antikörpernachweis allerdings nicht beweisend für eine klinisch bestehende Lyme-Borreliose. Auf der anderen Seite schließt ein negativer Antikörpernachweis bei längerer Krankheitsdauer bei immungesunden Patientinnen und Patienten eine Lyme-Borreliose weitestgehend aus. Ein isoliert positiver Immunglobulin M-Nachweis spricht gegen eine Spätmanifestation der Lyme-Borreliose.

Der kulturelle Direktnachweis wird nur bei differenzialdiagnostisch uneindeutigen Fällen
eingesetzt. Eine weitere Möglichkeit zum Direktnachweis sind molekularbiologische Nachweisverfahren. Diese werden laut Leitlinie jedoch als wenig standardisiert angesehen.

Therapie der kutanen Lyme-Borreliose: Doxycylin, Amoxicillin

Eine Lyme-Borreliose ist antibiotisch zu therapieren. Erste Wahl bei kutanen Manifestationen ist dabei Doxycyclin oder Amoxicillin p.o., alternativ sind Cefuroxim, Azithromycin, evtl. auch Clarithromycin p.o. möglich

Zur antibiotischen Therapie von Patientinnen und Patienten mit kutaner Lyme-Borreliose und neurologischen oder kardiologischen Manifestationen kommen Ceftriaxon i.v., Cefotaxim i.v., Penicillin G i.v. oder Doxycyclin p. o. infrage.

Frühmanifestationen der kutanen Lyme-Borreliose sollen über 14-21 Tage therapiert werden
(Ausnahmen Azithromycin 5-10 Tage; Doxycyclin 10-14 Tage bei solitärem Erythema migrans). Die Behandlung der kutanen Spätmanifestationen erfolgt über 30 Tage.

Eine generelle Verlängerung der antibiotischen Therapie soll laut Leitlinie nicht erfolgen. Sie kann aber im Einzelfall abhängig vom klinischen Verlauf und nach Reevaluation der Diagnose erwogen werden. Auch bei Persistenz oder Progredienz der kutanen Symptomatik trotz Antibiotikatherapie sollte eine Reevaluation der Diagnose erfolgen.

Therapie in der Schwangerschaft: Amoxicillin, Penicillin G, Ceftriaxon

Als Therapie der Wahl in der Schwangerschaft wird Amoxicillin p.o. eingesetzt. Alternativen bilden Penicillin G i.v. oder Ceftriaxon i.v.. Liegt eine Penicillinallergie vor, sollte Cefuroxim p.o., Ceftriaxon i.v., Cefotaxim i.v. oder Azithromycin p.o. eingesetzt werden.

Therapie bei Kindern: Amoxicillin, Doxycyclin

Bei Kindern unter 8 Jahren ist Amoxicillin p.o. die Therapie der Wahl. Ab dem 9. Lebensjahr kann Doxycyclin p.o. eingesetzt werden. Alternativ sind auch Azithromycin, Clarithromycin oder Cefuroxim p.o. möglich.

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