
Die neue Leitlinie fasst zusammen, wie die Aufmerksamkeitsleistung erfasst und wie z. B. Fatigability, Einschlafneigung und Fatigue sinnvoll diagnostiziert werden. Die Therapie erfolgt dann abhängig von der Schwere der Aufmerksamkeitsstörung.1,2
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Redaktion: Dr. Linda Fischer
Im Rahmen der neuropsychologischen Diagnostik ist u. a. mindestens je ein Verfahren zur Aufmerksamkeitsintensität und -selektivität einzusetzen. Die Untersuchung der Aufmerksamkeitsleistung umfasst:
Bei der neuropsychologischen Epilepsiediagnostik werden u.a. die Aufmerksamkeitsdomänen Alertness, selektive Aufmerksamkeit und geteilte Aufmerksamkeit untersucht.
Bei Verdacht auf Aufmerksamkeitsstörungen sollten Verhaltensbeobachtung und Exploration durch psychometrische Diagnostik ergänzt werden.
Viele Medikamente wirken sich auf die Aufmerksamkeit aus. Daher sind diese bei der Interpretation neuropsychologischer Befunde der Aufmerksamkeitsleistung zu berücksichtigen.
Um vermehrte (objektive) Ermüdbarkeit (Fatigability) zu untersuchen, werden Tests zur Messung der intrinsischen Alertness empfohlen. Sie sollten zu Beginn und am Ende einer mind. 2-stündigen neuropsychologischen Untersuchung erfolgen. Dadurch lässt sich die kognitive Belastbarkeit der Patientin bzw. des Patienten einschätzen.
Um vermehrte Einschlafneigung zu untersuchen, eigenen sich monotone Testverfahren mit längerer Durchführungsdauer. Diagnostisch entscheidend ist dann der Leistungsverlauf während der Testbearbeitung.
Bei Anzeichen einer Fatigue werden intrinsische Alertness oder Vigilanzleistung über computergestützte Tests untersucht. Zusätzlich werden Schlafqualität, Tagesschläfrigkeit und Depression mit Fragebögen und Schätzskalen erfasst.
Ob hirngeschädigte Patientinnen und Patienten fahrtauglich sind, orientiert sich an den Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BaSt).
VR (virtual reality)-basierte Methoden können ergänzend genutzt werden, z. B., um Aufmerksamkeitsdefizite zu erfassen.
Die Therapie wird spezifisch auf das jeweilige Aufmerksamkeitsdefizit zugeschnitten und erfolgt unter aktiver Teilnahme und Anleitung durch die Therapeutin bzw. den Therapeuten.
Die Therapiedauer hängt von der Schwere der Beeinträchtigung ab. Als gute klinische Praxis gelten mindestens 10 Therapiesitzungen mit jeweils 30–60 Minuten Dauer. Auch Booster-Therapien können durchgeführt werden.
Hier sollten computergestützte, funktionsorientierte sowie kompensatorische Methoden eingesetzt werden. Um das Krankheitsbewusstsein zu fördern, Kompensationsstrategien zu erarbeiten und das psychische Wohlbefinden zu steigern, kann bei Patientinnen und Patienten nach Schädel-Hirn-Trauma oder Schlaganfall und bei Personen mit Multiple Sklerose (MS) eine Gruppen-Therapie erwogen werden.
Liegen zusätzlich Gedächtnis- und/oder exekutive Defizite vor, ist eine computergestützte multimodale Therapie empfohlen. Auch heimbasierte, funktionsorientierte Therapiemethoden sind möglich. Sie erfordern aber eine engmaschige Supervision.
Im postakuten und chronischen Stadium der Erkrankung können seriöse Computerspiele (z. B. Lumosity, BrainAge, BrainHQ) für die Aufmerksamkeitstrainings verwendet werden. Ein achtsamkeitsbasiertes Training kann ergänzend eingesetzt werden.
Bei schweren Störungen können Therapieverfahren eingesetzt werden, die auf Papier-und-Bleistift-Methoden beruhen. Sie ermöglichen ein individuelleres Vorgehen und ggf. die flexible Einbindung zusätzlicher Therapieelemente.
In der früh-postakuten Phase nach Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma und bei leichter bis moderater Aufmerksamkeitsbeeinträchtigung ist ein hochfrequentes (5 Termine pro Woche) Training möglich.
Hier werden funktionsorientierte Therapieverfahren eingesetzt, die modular aufgebaut sind und spezifische Aufmerksamkeitsfunktionen trainieren. Funktionsorientierte und metakognitive neuropsychologische Aufmerksamkeitstherapien können kombiniert werden.
Bei Patientinnen und Patienten in der postakuten und chronischen Phase umfasst die Therapiefrequenz mind. 1–2 Termine pro Woche.
In unserem Überblick zu Leitlinien der Neurologie finden Sie eine Auswahl neuer und aktualisierter Leitlinien und Empfehlungen, die besonders für Neurologinnen und Neurologen relevant sind.