Titelbild von Wichtige Leitlinien im Überblick
Logo von Wichtige Leitlinien im Überblick

Wichtige Leitlinien im Überblick

31. Mai 2023

S2k-Leitlinie Rehabilitation von sensomotorischen Störungen

Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Hirntumoren, Multiple Sklerose und Neuromuskuläre Erkrankungen: Die neue Leitlinie fasst für diverse Krankheitsbilder zusammen, worauf bei einer Rehabilitation sensomotorischer Störungen zu achten ist.1,2

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Neurone pink
Rehabilitation zur Verbesserung sensomotorischer Störungen (Foto: Getty Images / Science Photo Library )

Redaktion: Dr. Linda Fischer

Basisdaten

  • Leitlinie: S2k-Leitlinie Rehabilitation von sensomotorischen Störungen
  • Stufenklassifikation: S2k (konsensbasiert)
  • AWMF-Register-Nr.: 030 - 123
  • Stand: 01.02.2023; gültig bis 31.01.2028
  • Federführende Fachgesellschaft: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V. (DGN) und Deutsche Gesellschaft für Neurorehabilitation e. V. (DGNR)

Auszug wichtiger Empfehlungen

Für die Verbesserung der Funktion nach fokalen Hirnläsionen oder bei neurodegenerativen und entzündlichen Hirnerkrankungen spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle. Die behandlungsvermittelte funktionelle Erholung beruht vor allem auf spezifischem und intensivem restitutivem Training, das die funktionsfördernde zerebrale Reorganisation unterstützen soll. Sie kann durch nicht invasive Hirnstimulation und Pharmaka gefördert werden.

Die sensomotorische Rehabilitation wird in die individuelle Neurorehabilitation integriert und findet im Rahmen der individuell erforderlichen zeitlichen Perspektive statt. Letztere schließt Maßnahmen der (teil-)stationären (Früh-)Rehabilitation ebenso ein wie die weiterführende ambulante Behandlung, Eigentraining und Reha-Sport. Die sensomotorische Rehabilitation soll unter anderem Aktivitäten und (soziale und berufliche) Teilhabe fördern und Alltagsaktivitäten direkt trainieren.

Schulung zur Unterstützung für Angehörige

Angehörige von Patientinnen und Patienten, bei denen zu erwarten ist, dass sie zu Hause auf Hilfe angewiesen bleiben, können durch eine Schulung Unterstützung der Betroffenen erlernen.

Eine organisierte, multiprofessionelle Schlaganfallversorgung (inklusive Rehabilitation) reduziert sowohl die Sterblichkeit als auch die Wahrscheinlichkeit einer Heimunterbringung und einer langfristigen Behinderung und verbessert Genesung sowie Selbstständigkeit bei Aktivitäten des täglichen Lebens.

Pharmakotherapie nach Schlaganfall mit Fluoxetin, Cerebrolysin®

In den ersten Wochen nach einem Schlaganfall treten durch verstärkte Neuroplastizität die stärksten motorischen Verbesserungen ein. Eine unterstützende Pharmakotherapie zielt darauf ab, diese Phase auszudehnen und/oder die neuroplastischen Prozesse zu intensivieren. Fluoxetin hat zwar keinen Einfluss auf den Grad der Behinderung nach Schlaganfall, kann die Verbesserung motorischer Funktionen aber unterstützen.

Cerebrolysin® kann bei Schlaganfall ein geringeres neurologisches Defizit und einen geringeren Behinderungsgrad begünstigen. Zusammen mit Rehabilitation kann es verbesserte motorische Funktionen insbesondere bei schwer Betroffenen fördern.

Patientinnen und Patienten, die eine kardiopulmonale Reanimation überleben, leiden insbesondere unter hypoxischem Hirnschaden. Die globale Ischämie beim Herz-Kreislaufstillstand führt vorrangig zu einer Schädigung von Hirnregionen mit niedriger Ischämietoleranz, wie etwa die Hippocampusregion. Daher stehen kognitive Funktionsstörungen im Vordergrund.

Schädel-Hirn-Trauma nach wie vor herausfordernd

Nach wie vor herausfordernd in der neurologischen Rehabilitation, ist das Schädel-Hirn-Trauma. Hier spielen kognitive und Exekutivfunktionsstörungen mit Beeinträchtigung der Verhaltens- und Impulskontrolle eine bedeutende Rolle. Verhaltenstherapeutische Ansätze sind daher essenziell.

Hirntumoren: tumorspezifische, neuroonkologische Rehabilitation

Sensomotorische Störungen sind auch häufige Folgen von Hirntumoren und deren Behandlung. Sowohl Art als auch Ausmaß der Rehabilitation hängen von den neurologischen Funktionsstörungen und von der zu erwartenden biologischen Entwicklung des Tumors ab. Oft ist die Rehabilitation in eine tumorspezifische, neuroonkologische Behandlung integriert.

MS: Sensomotorik, Schulungen, körperliches Training

Die Variabilität der Verlaufsformen und Defizite bei Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose (MS) ist groß. Die Rehabilitation insbesondere der sensomotorischen Störungen ist ein fester Bestandteil der MS-Behandlung. Auch Schulungen, regelmäßiges körperliches Training und Erkenntnisse aus dem Bereich der Lebensstiländerung gehören zu einer nachhaltigen Rehabilitation.

Neuromuskuläre Erkrankungen fortführend therapieren

Neuromuskuläre Erkrankungen (NME) betreffen primär das periphere Nervensystem. Allen gemein ist eine verminderte Muskelkraft. Die NME umfassen akute, subakute und chronische Krankheiten. Deshalb sind fortführende sensomotorische Therapien über den stationären Bereich hinaus im ambulanten Bereich, sowie eine stationäre Rehabilitation im Intervall bedeutsam. Wichtig ist eine lückenlose Behandlungskette.

Zur Leitlinie >>

Impressum anzeigen
Zurück zum Seitenanfang