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Wichtige Leitlinien im Überblick

21. Mai 2024

S1-Leitlinie Tetanus

In Deutschland liegt die Tetanus-Erkrankungsrate über die letzten Jahre konstant auf niedrigem Niveau und betrifft meist ältere Menschen. Mehrheitlich geht eine akute Verletzung der Haut bei Personen voran, die unzureichend aktiv immunisiert wurden. Die Leitlinie gibt einen Überblick zur Epidemiologie, Diagnostik und Therapie.1,2

Lesedauer: ca. 3 Minuten

S1-Leitlinie Tetanus
S1-Leitlinie Tetanus online (Foto: Dreamstime.com | Sebastian Kaulitzki)

Redaktion: Dr. Linda Fischer

Basisdaten der Leitlinie

  • Leitlinie: S1-Leitlinie Tetanus
  • Stufenklassifikation: S1
  • AWMF-Register-Nr.: 030 - 104
  • Stand: 02.03.2024; gültig bis 01.03.2029
  • Federführende Fachgesellschaft: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V. (DGN) 1

Tetanus wird durch das von Clostridium tetani (C. tetani) in kontaminierten Wunden produzierte Neurotoxin Tetanospasmin verursacht. Die Hauptsymptomatik: Trismus, Risus sardonicus und generalisierte bzw. regionale Muskelspasmen.1

Auszüge aus der Leitlinie: Epidemiologie

In den vergangenen 30 Jahren haben flächendeckende Impfprogramme dazu beigetragen, Tetanus-Erkrankungen um nahezu 90 % zu reduzieren. Für das Jahr 2021 verzeichnete die Weltgesundheitsorganisation 9.801 Tetanus-Erkrankungsfälle.

Für den europäischen Raum berichtet das European Center for Disease Prevention and Control eine Inzidenz von 0,02 Tetanus-Erkrankungen/100.000 Personen. In Deutschland liegt die Erkrankungsrate in den letzten Jahrzehnten konstant bei etwa 15 Fällen jährlich.2

Diagnose klinisch, Bakterium im Maus-Test oder ELISA nachweisen

Die Tetanus-Diagnose wird anhand des klinischen Befunds gestellt. C. tetani kann aus den Wunden nicht kultiviert werden. Über den Maus-Test kann das Toxin zwar im Serum nachgewiesen werden, jedoch ist dieser Test häufig nicht ausreichend verlässlich. Ähnliches gilt für den quantitativen Antitetanus-Toxoid-Immunglobulin G-Nachweis im ELISA (enzyme-linked immunosorbent assay).2

In der Elektromyografie sind bei Tetanus eine kontinuierliche, nicht unterdrückbare Muskelaktivität sowie ein Fehlen oder eine Verkürzung der „Silent Period“ (M. masseter oder M. biceps brachii) zu beobachten. Zusätzliche diagnostische Maßnahmen sollen wesentliche Differenzialdiagnosen ausschließen (Tab. 1).1,2

DifferenzialdiagnoseMaßnahme/Diagnostik
Vergiftung mit Strychnin oder E605 Harn und Serum auf Strychnin untersuchen. Miosis!
Frühdyskinesie/akute dystone Reaktion nach Neuroleptika1 Amp. Biperiden (z. B. Akineton) i. v.
beginnende bakterielle Meningitis (Opisthotonus/Meningismus)Lumbalpunktion
tonische epileptische AnfälleEEG
„Stiff Person“-SyndromAnti-GAD-Antikörper im Serum bestimmen
RabiesBisswunde?
Katatoniepsychiatrische Vorgeschichte?
Tab. 1: Differenzialdiagnosen von Tetanus. EEG: Elektroenzephalografie; GAD: Glutamatdecarboxylase (übernommen aus AWMF online: S1-Leitlinie Tetanus, Tab. 2)

Therapie: Metronidazol, hTIG, IVIG, Dexmedetomidin

Nach der umgehend erforderlichen Identifizierung und chirurgischen Sanierung der Eintrittspforte ist eine sofortige Gabe von Metronidazol i. v. obligatorisch, um C. tetani zu eliminieren und die weitere Toxin-Produktion zu unterbinden. Metronidazol ist dabei nach wie vor einer Behandlung mit Penicillin G vorzuziehen.

Die Einmalgabe von humanem Tetanus-Immunglobulin (hTIG) intramuskulär sowie die simultan aktive Immunisierung mit einem Tetanus-Toxoid sollen das zirkulierende Toxin neutralisieren. Die hTIG-Dosen liegen zwischen 500 und 10.000 IU und sind individuell zu entscheiden. Eine intrathekale Applikation von hTIG kann im Einzelfall erwogen werden. Ist hTIG nicht verfügbar, kann alternativ humanes intravenöses Immunglobulin (IVIG) eingesetzt werden.

Die supportive und symptomatische Therapie umfasst Benzodiazepine i. v. (Diazepam, Midazolam) zur Spasmustherapie sowie Magnesium, Clonidin und Dexmedetomidin zur Behandlung der autonomen Dysfunktion.2

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