
In Deutschland liegt die Tetanus-Erkrankungsrate über die letzten Jahre konstant auf niedrigem Niveau und betrifft meist ältere Menschen. Mehrheitlich geht eine akute Verletzung der Haut bei Personen voran, die unzureichend aktiv immunisiert wurden. Die Leitlinie gibt einen Überblick zur Epidemiologie, Diagnostik und Therapie.1,2
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Redaktion: Dr. Linda Fischer
Tetanus wird durch das von Clostridium tetani (C. tetani) in kontaminierten Wunden produzierte Neurotoxin Tetanospasmin verursacht. Die Hauptsymptomatik: Trismus, Risus sardonicus und generalisierte bzw. regionale Muskelspasmen.1
In den vergangenen 30 Jahren haben flächendeckende Impfprogramme dazu beigetragen, Tetanus-Erkrankungen um nahezu 90 % zu reduzieren. Für das Jahr 2021 verzeichnete die Weltgesundheitsorganisation 9.801 Tetanus-Erkrankungsfälle.
Für den europäischen Raum berichtet das European Center for Disease Prevention and Control eine Inzidenz von 0,02 Tetanus-Erkrankungen/100.000 Personen. In Deutschland liegt die Erkrankungsrate in den letzten Jahrzehnten konstant bei etwa 15 Fällen jährlich.2
Die Tetanus-Diagnose wird anhand des klinischen Befunds gestellt. C. tetani kann aus den Wunden nicht kultiviert werden. Über den Maus-Test kann das Toxin zwar im Serum nachgewiesen werden, jedoch ist dieser Test häufig nicht ausreichend verlässlich. Ähnliches gilt für den quantitativen Antitetanus-Toxoid-Immunglobulin G-Nachweis im ELISA (enzyme-linked immunosorbent assay).2
In der Elektromyografie sind bei Tetanus eine kontinuierliche, nicht unterdrückbare Muskelaktivität sowie ein Fehlen oder eine Verkürzung der „Silent Period“ (M. masseter oder M. biceps brachii) zu beobachten. Zusätzliche diagnostische Maßnahmen sollen wesentliche Differenzialdiagnosen ausschließen (Tab. 1).1,2
| Differenzialdiagnose | Maßnahme/Diagnostik |
|---|---|
| Vergiftung mit Strychnin oder E605 | Harn und Serum auf Strychnin untersuchen. Miosis! |
| Frühdyskinesie/akute dystone Reaktion nach Neuroleptika | 1 Amp. Biperiden (z. B. Akineton) i. v. |
| beginnende bakterielle Meningitis (Opisthotonus/Meningismus) | Lumbalpunktion |
| tonische epileptische Anfälle | EEG |
| „Stiff Person“-Syndrom | Anti-GAD-Antikörper im Serum bestimmen |
| Rabies | Bisswunde? |
| Katatonie | psychiatrische Vorgeschichte? |
Nach der umgehend erforderlichen Identifizierung und chirurgischen Sanierung der Eintrittspforte ist eine sofortige Gabe von Metronidazol i. v. obligatorisch, um C. tetani zu eliminieren und die weitere Toxin-Produktion zu unterbinden. Metronidazol ist dabei nach wie vor einer Behandlung mit Penicillin G vorzuziehen.
Die Einmalgabe von humanem Tetanus-Immunglobulin (hTIG) intramuskulär sowie die simultan aktive Immunisierung mit einem Tetanus-Toxoid sollen das zirkulierende Toxin neutralisieren. Die hTIG-Dosen liegen zwischen 500 und 10.000 IU und sind individuell zu entscheiden. Eine intrathekale Applikation von hTIG kann im Einzelfall erwogen werden. Ist hTIG nicht verfügbar, kann alternativ humanes intravenöses Immunglobulin (IVIG) eingesetzt werden.
Die supportive und symptomatische Therapie umfasst Benzodiazepine i. v. (Diazepam, Midazolam) zur Spasmustherapie sowie Magnesium, Clonidin und Dexmedetomidin zur Behandlung der autonomen Dysfunktion.2

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