
Die Leitlinie fasst die klinische Vielfalt des M. Fabry zusammen und gibt Anleitung zur Diagnostik und Therapie. Ziel ist ein evidenzbasierter Leitfaden zur schnellen Diagnosefindung und eine rationale Entscheidungshilfe zur Therapie-Initiierung.1
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Redaktion: Dr. Linda Fischer
Das klassische Krankheitsbild der X-chromosomal vererbten lysosomalen Speicherkrankheit Morbus Fabry (M. Fabry) tritt meist bei Männern auf. Frauen erkranken überwiegend später und weniger schwer. Fehldiagnosen sind häufig.
In der Praxis sollte auch bei isoliertem Vorliegen z. B. einer Nephropathie, einer linksventrikulären Hypotrophie (LVH) unklarer Genese oder eines ischämischen Schlaganfalles bei jungen Menschen ein M. Fabry ausgeschlossen werden. Kardiale Manifestationen umfassen u. a. eine LVH und Herzrhythmusstörungen – schon im Kindesalter kann der linksventrikuläre Massenindex (LVMI) erhöht und die Herzfrequenzvariabilität reduziert sein.
Die Enzymersatztherapie (ERT) kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Seit 2016 ist mit dem Migalastat ein pharmakologisches Chaperon als orale Behandlungsoption verfügbar.
Die Diagnosestellung bei Männern erfolgt über die Bestimmung der Aktivität der α-Galaktosidase A (AGLA) in Leukozyten. Für die finale Diagnosesicherung ist der Nachweis einer krankheitsverursachenden Genvariante des α-Galaktosidase-A-Gens (GLA) notwendig. Bei Frauen hat die AGLA-Aktivität kaum Aussagekraft, was bei ihnen den Variantennachweis zwingend erforderlich macht.
Auf die Diagnosestellung eines M. Fabry folgt bei Männern und bei Frauen eine klinische Ausgangsevaluierung der typischerweise betroffenen Organe: Nieren, Herz, Gehirn, peripheres Nervensystem, Gastrointestinaltrakt, Ohren, Augen.
Parameter für die Nierenuntersuchung umfassen Serumkreatinin, glomeruläre Filtrationsrate (estimated GFR, eGFR), Albuminurie und Proteinurie, Nierenmorphologie im Ultraschall und 24-Stunden-Blutdruckmessung. Zu den diagnostischen Maßnahmen der Herzuntersuchung zählen Elektrokardiogramm (EKG), Langzeit-EKG, Ergometrie, Echokardiografie und Kardio-Magnetresonanztomografie.
Das zentrale und periphere Nervensystem wird untersucht über Doppler- und Duplexsonografie der hirnversorgenden Gefäße, kranielles MRT mit MR-Angiografie der zerebralen und zervikalen Gefäße, Elektroneurografie sowie zur Untersuchung der kleinkalibrigen Nervenfasern, Hautstanzbiopsie zur Bestimmung der intraepidermalen Nervenfaserdichte und quantitative sensorische Testung insbesondere der thermischen Wahrnehmungsschwellen.
Bei der jährlichen Verlaufsuntersuchung sollte das Lyso-Gb3 (deacylierte Form von Globotriaosylceramid) im Serum als potenzieller Biomarker bestimmt werden, um die Krankheitsprogression zu beurteilen.
Menschen mit M. Fabry sollten ambulant behandelt und zusätzlich an einem interdisziplinären Fabry-Zentrum vorgestellt werden. Die Therapie umfasst eine ERT oder Chaperontherapie sowie Begleittherapien der Organmanifestationen und Symptome.
Eine ERT wird bei Frauen, Männern und Kindern empfohlen und sollte nach der Diagnosesicherung und bei Vorliegen therapiebedürftiger klinischer Symptome so früh wie möglich eingesetzt werden. Die orale Chaperontherapie als Dauerbehandlung ist für Patientinnen und Patienten ab einem Alter von 12 Jahren und einem Körpergewicht von 45 kg zugelassen, die eine für die Therapie geeignete Missense-Genvariante tragen.
Für die Anwendung einer ERT bei Schwangeren liegen nur begrenzt Daten vor. Daher muss die Indikation individuell gestellt werden. Eine Chaperontherapie ist bei Schwangeren nicht empfohlen.
Die Indikation für die Migalastat-Therapie erfolgt nach den gleichen Kriterien wie die für eine ERT. Nicht empfohlen ist sie bei einer GFR < 30 ml/min. Auch bei Frauen in gebärfähigem Alter ohne sichere Kontrazeption ist die Migalastat-Therapie nicht empfohlen.
Klinische, mindestens jährlich stattfindende Verlaufskontrollen in einem interdisziplinären Fabry-Zentrum sind unerlässlich.
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