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Wichtige Leitlinien im Überblick

09. Mai 2023

S1-Leitlinie Intrakranieller Druck (ICP)

Die S1-Leitlinie beinhaltet kleine Änderungen, Aktualisierungen und Anpassungen zur Therapie des erhöhten intrakraniellen Drucks, gegenüber der letzten Version Stand 2017.

Lesedauer: ca. 2 Minuten

MRT Brain ICP
Viele neurointensivmedizinische Erkrankungen können mit einer Erhöhung
des intrakraniellen Drucks einhergehen. Symbolbild (Foto: Dreamstime.com | Tridsanu Thopet)

Redaktion: Dr. Linda Fischer

Basisdaten

  • Leitlinie: S1-Leitlinie Intrakranieller Druck (ICP)
  • Stufenklassifikation: S1
  • AWMF-Register-Nr.: 030 - 105
  • Stand: 14.02.2023; gültig bis 13.02.2028
  • Federführende Fachgesellschaft: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V. (DGN)

Auszug wichtiger Empfehlungen

Außer für operative Verfahren bei neurovaskulären Erkrankungen liegt für keine ICP-senkende Therapie genug Evidenz vor, sodass nicht pauschal eine prophylaktische ICP-senkende Therapie ohne ICP-Monitoring initiiert werden sollte.

Bei einem GCS (Glasgow Coma Scale) < 9 umfasst die Basisbehandlung eine Intubation und Analgosedierung. Bei allen Neurointensivpatientinnen und -patienten ist auf eine ausreichende Oxygenierung und die Einhaltung einer Normotension, Normovolämie, Normokapnie, Normoglykämie und Normothermie zu achten. Sinnvoll ist zudem laut Leitlinie eine Oberkörperhochlagerung bei 15–30°.

Im Optimalfall wird der ICP bei < 20 mmHg gehalten und der zerebrale Perfusionsdruck (CPP) beträgt > 60 mmHg. Um weitere physiologische Parameter darzustellen, kann multimodales Neuromonitoring eingesetzt werden.

Bei Verschlusshydrozephalus sollte eine Liquorableitung erfolgen. Bei Erkrankungen, die mit einer Raumforderung und damit verbundenem erhöhtem ICP einhergehen, sind frühzeitig weitere operative Therapiemöglichkeiten auszumachen. Dies umfasst Entscheidungen für oder gegen

  • eine frühe Entlastungstrepanation bei malignem Mediainfarkt und bei raumforderndem Kleinhirninfarkt,
  • eine Hämatomevakuation bei intrazerebraler Blutung (ICB) und
  • eine Entlastungstrepanation bei schwerem Schädel-Hirn-Trauma mit therapierefraktär erhöhtem ICP.

Bei pathologisch erhöhtem ICP im Krankheitsverlauf kann die Bolusgabe von Mannitol (Ziel Serumosmolalität von 330 mOsmol/l) oder hypertoner Kochsalzlösung (Ziel Serumnatrium von 155 bis 160 mmol/l) erwogen werden. Mannitol als Prophylaxe wird nicht empfohlen.

Nicht generell empfohlen sind eine kontinuierliche Hyperventilation, Tris-Puffer oder Barbiturate. Im Rahmen einer Notfallmaßnahme bei beginnender Herniation kann ggf. der transiente Einsatz von Barbituraten erwogen werden.

Die Hypothermie kann im Einzelfall erwogen werden, wobei eine finale Bewertung derzeit nicht möglich ist. Beim Schädel-Hirn-Trauma und bei ambulant erworbener bakterieller Meningitis ist sie nicht empfohlen.

Bei schwerem Schädel-Hirn-Trauma (therapierefraktäre ICP-Erhöhung > 25 mmHg für > 1 h) kann eine Entlastungstrepanation sowohl die Mortalität senken als auch das Outcome verbessern. Doch auch hier ist eine individuelle Therapieentscheidung gefragt.

Steroide können bei onkologischen Ursachen einer ICP-Erhöhung indiziert sein. Dies gilt ebenso für die Akutphase einer bakteriellen Meningitis. Für die große Gruppe der vaskulären Erkrankungen ist hingegen die Gabe von Steroiden zur Hirndrucktherapie beim ischämischen oder hämorrhagischen Schlaganfall oder bei der Subarachnoidalblutung (SAB) nicht empfohlen.

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