Titelbild von Wichtige Leitlinien im Überblick
Logo von Wichtige Leitlinien im Überblick

Wichtige Leitlinien im Überblick

07. Feb. 2024

S1-Leitlinie Crampi/Muskelkrampf

Die neue S1-Leitlinie fasst die Differenzialdiagnostik und Therapie von Muskelkrämpfen (Crampi) bei erwachsenen Menschen zusammen.1,2

Lesedauer: ca. 2 Minuten

S1-Leitlinie Crampi / Muskelkrampf
S1-Leitlinie Crampi/Muskelkrampf online | Symbolbild (Foto: Dreamstime.com | Martin Novak)

Redaktion: Dr. Linda Fischer

Basisdaten der Leitlinie

  • Leitlinie: S1-Leitlinie Crampi/Muskelkrampf
  • Stufenklassifikation: S1
  • AWMF-Register-Nr.: 030 - 037
  • Stand: 08.11.2023; gültig bis 07.11.2028
  • Federführende Fachgesellschaft: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V. (DGN) 1

Auszüge aus der Leitlinie: Inzidenz, Risikofaktoren

Im Rahmen eines Muskelkrampfs kontrahiert ein Muskel, ein Teil des Muskels oder eine Muskelgruppe akut, schmerzhaft und unwillkürlich. Ein solcher Krampf geht mit einer tastbaren Verhärtungen einher und ist sowohl von kurzer Dauer (Sekunden bis Minuten) als auch selbstlimitierend.

Besonders nächtliche Muskelkrämpfe sind häufig: Bereits 90 % der jungen Erwachsenen berichten vereinzelt von Muskelkrämpfen, wobei die Frequenz im Alter steigt. Oft überdauert ein lokaler Muskelschmerz den akuten Krampf für einen Tag oder länger. Risikofaktoren umfassen:

  • hohes Alter
  • Bewegungsmangel
  • Alkoholkonsum
  • venöse oder peripher-arterielle Gefäßerkrankungen
  • Kalzium-/Magnesiummangel
  • schwere Leber- und Niereninsuffizienz (Urämie, Hämodialyse)
  • periphere neurogene Läsionen

Behandlung: Chinin rezeptpflichtig und nur bei bestimmten Krämpfen

Generell hat sich die Evidenzlage zur Behandlung idiopathischer Muskelkrämpfe in den letzten Jahren kaum geändert:

  • Chinin zur Behandlung ist ausreichend belegt. Allerdings ist Chininsulfat seit 2015 rezeptpflichtig und dessen Indikation auf andernfalls nicht behandelbare, sehr häufige oder schmerzhafte, nächtliche Wadenkrämpfe eingeschränkt.
  • Für alle weiteren Behandlungen liegt nur schwache oder nicht ausreichende Evidenz vor.

Zur Behandlung symptomatischer Muskelkrämpfe hat sich die Studienlage zwar mittlerweile verbessert, jedoch sind trotzdem – Stand heute – keine evidenzbasierten Empfehlungen möglich.

Wirksamkeit von Magnesium unsicher

In der Abklärung sind zunächst symptomatische Muskelkrämpfe auszuschließen. Im Akutfall wird der krampfende Muskel gedehnt bzw. die Antagonisten statisch angespannt. Bei nächtlichen Wadenkrämpfen sind regelmäßig Dehnübungen der Wadenmuskeln hilfreich.

Die Wirksamkeit von Magnesium bei idiopathischen Krämpfen ist nicht ausreichend belegt. Ein Mangel sollte aber ausgeglichen werden. Bei Muskelkrämpfen während der Schwangerschaft ist die Wirkung von Magnesium unsicher.

Kein ausreichendes Evidenzniveau für pharmakologische Therapien gibt es für belastungsinduzierte Muskelkrämpfe sowie für symptomatische Muskelkrämpfe im Rahmen von Schwangerschaft, Dialyse, Leberzirrhose oder peripheren neurogenen Schäden.

Zur Leitlinie >>
Impressum anzeigen
Zurück zum Seitenanfang