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Wichtige Leitlinien im Überblick

16. Sep. 2022

Wichtige Leitlinien seit Anfang 2022

Wir haben für Sie eine Auswahl wichtiger neuer und aktualisierter Leitlinien seit Jahresbeginn zusammengestellt und nach Fachgebieten geordnet.

Lesedauer: ca. 5 Minuten

Ärztlicher Schreibtisch

Autor: Marc Fröhling

Onkologie

Bereits zu Beginn des Jahres hat das Leitlinienprogramm Onkologie unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) in Deutschland erstmals eine S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge für Patienten mit monoklonaler Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) und für Betroffene mit Multiplem Myelom herausgegeben. Ziel der Leitlinie ist es, evidenzbasierte Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und daraus Standards für die Diagnostik und Therapie von Betroffenen mit MGUS oder Multiplem Myelom in Deutschland zu etablieren. Zur Leitlinie >>

Ebenfalls zu Jahresbeginn hat das Leitlinienprogramm Onkologie seine S3-Leitlinie zum exokrinen Pankreaskarzinom aktualisiert. Die überarbeitete Fassung enthält neben neuen Empfehlungen zur Diagnostik, kurativen und palliativen Therapie des Bauchspeicheldrüsenkrebses auch Empfehlungen zu Mindestmengen bei operativen Eingriffen. „Studien zeigen, dass Erkrankte, die an Kliniken oder Zentren mit höheren Fallzahlen operiert werden, eine bessere Prognose haben. Deshalb wird in der S3-Leitlinie erstmals eine Mindestfallzahl von 20 Pankreasresektionen pro Jahr für Krankenhäuser empfohlen“, fasst Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Thomas Seufferlein vom Universitätsklinikum Ulm zusammen. Zur Leitlinie >>

Darüber hinaus ist im Frühjahr von der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) die neue S1-Leitlinie Priorisierung und Ressourcenallokation im Kontext der Pandemie: Empfehlungen für die Krebsversorgung veröffentlicht worden. Die Leitlinie soll Behandlerinnen und Behandler von Krebspatientinnen und -patienten im stationären und ambulanten Sektor im Kontext der Pandemie bei der Entscheidungsfindung über Prioritäten in der Versorgung unterstützen. Zur Leitlinie >>

Gynäkologie

Um die Versorgung von Patientinnen mit vermehrten Fehlgeburten stetig zu verbessern und dem Stand der Wissenschaft anzupassen, wurde in diesem Jahr die aktualisierte Version der S2k-Leitlinie zu Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten veröffentlicht. „Aufgrund der heterogenen Studienlage zu diesem Thema bestehen weit verbreitete Unsicherheiten bei der Behandlung von Frauen mit wiederholten Spontanaborten. Eine Erkenntnis: Alkoholkonsum erhöht die Abortwahrscheinlichkeit, mäßiger Kaffeekonsum hingegen nicht. Zur Leitlinie >>

Mit der neuen S2k-Leitlinie zu rekonstruktiven und ästhetischen Operationen des weiblichen Genitale werden erstmalig Empfehlungen für die Beratung und Therapie rekonstruktiver und ästhetischer Operationen von Mädchen und Frauen gegeben, um behandelnden Ärztinnen und Ärzten zu ermöglichen, Maßnahmen fundiert nach aktuellem Stand besprechen und planen zu können. Ein eigenes Kapitel ist zudem den Formen von Genitalverstümmelung, Female Genital Mutilation (FGM), gewidmet. Zur Leitlinie >>

Neue WHO-Leitlinien für STI, HIV, Virushepatitis und Empfehlungen für gefährdete Patientinnen und Patienten heben einen neuen Ansatz zur Prävention sexuell übertragbarer Infektionen hervor. Die konsolidierten Leitlinien unterstreichen die Notwendigkeit, Stigmatisierung und Diskriminierung abzubauen, wichtige Instrumente wie Strategien zur Schadensminderung, die Prä- und Postexpositionsprophylaxe, die Impfung sowie das Screening zur Förderung der Prävention von Infektionen mit HIV, STIs und Hepatitisviren bereitzustellen und bestehende Infektionen zu behandeln. Zu den Leitlinien >>

Ist eine schwangere Frau mit SARS-CoV-2 infiziert, sollte bei der Betreuung der Patientinnen nicht vom geburtshilflichen Standard und den Vorgaben der Mutterschaftsrichtlinien abgewichen werden. So lautet eine Empfehlung der neuen S2k-Leitlinie, die relevante wissenschaftliche Erkenntnisse zu einer SARS-CoV-2-Infektion während Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit bündelt. Eine stationäre Therapie wird erst dann empfohlen, wenn die Symptome den Allgemeinzustand deutlich beeinträchtigen oder ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf zusätzlich zur Schwangerschaft besteht. Zur Leitlinie >>

Ganz aktuell wurde die S2k-Leitlinie zu geburtsbedingten Blutungen ("Peripartale Blutungen, Diagnostik und Therapie") überarbeitet und aktualisiert. Darin werden Maßnahmen zur Behandlung in einem übersichtlichen Algorithmus "PPH 2022" zusammengefasst. Die postpartale Blutung (PPH) zählt mit einer Prävalenz von 0,5 bis 1,9 % zu den Hauptursachen der Müttersterblichkeit – auch in der westlichen Welt. Durch das Erkennen vorgeburtlicher Risikofaktoren können vorbeugend Maßnahmen eingeleitet werden. Zur Leitlinie >>

Neurologie

Erst kürzlich wurde die neue S2k-Leitlinie zum Restless-Legs-Syndrom (RLS) von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) herausgegeben. Neu ist hier vor allen Dingen das Verständnis des RLS als ein Krankheitsbild, das aus genetischen und Umweltfaktoren entsteht und durch Komorbiditäten beeinflusst wird. Dies macht die bisherige Unterscheidung in ein idiopathisches sekundäres RLS infolge einer zugrundeliegenden Erkrankung obsolet. Zur Leitlinie >>

Ein aktuelles Leitlinien-Update der europäischen Fachgesellschaften EAN und MDS war auch im Bereich der invasiven Parkinson-Therapie zu verzeichnen. Invasive Therapien werden bei der Parkinson-Erkrankung derzeit stärker denn je weiterentwickelt und in Studien evaluiert – allen voran die tiefe Hirnstimulation. Die Arbeitsgruppe gibt in ihrem Update insgesamt sechs evidenzbasierte Empfehlungen für invasive Therapien ab. Zur Leitlinie >>

Ebenfalls in diesem Sommer haben die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) eine neue S2k-Leitlinie zur Sekundärprophylaxe des ischämischen Schlaganfalls und der transitorischen ischämischen Attacke publiziert. Der erste Teil der Leitlinie befasst sich dabei mit der medikamentösen Behandlung der „klassischen“ Risikofaktoren, während im zweiten Teil unter anderem Modifikationen des Lebensstils, die Therapie von Dissektionen der hirnversorgenden Arterien und die Behandlung intrakranieller Gefäßstenosen im Fokus stehen.
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Kardiologie

In der Kardiologie haben ganz aktuell die European Society of Cardiology (ESC) und die European Respiratory Society (ERS) ihre Leitlinie zur pulmonalen Hypertonie aktualisiert. Das Autorenteam hat dabei ein besonderes Augenmerk auf eine frühe Diagnose der Erkrankung und eine rechtzeitige Behandlung gelegt. Die neuen Empfehlungen wurden kürzlich auf dem aktuellen Kongress der ESC vorgestellt. Zur Leitlinie >>

Bereits im Frühjahr haben das American College of Cardiology (ACC) und die American Heart Association (AHA) ihre Leitlinie zur Herzinsuffizienz aktualisiert. Das Leitlinien-Update berücksichtigt nun auch die neueste Evidenz zu SGLT2-Inhibitoren und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Prävention bei Menschen mit erhöhtem Risiko für eine Herzinsuffizienz. Ziel der Leitlinie ist es, die Risikofaktoren für eine Herzinsuffizienz frühzeitig zu erfassen und eine Behandlung einzuleiten, noch bevor es zu strukturellen Veränderungen oder Anzeichen einer verschlechterten Herzfunktion kommt. Zur Leitlinie >>

Chirurgie

Die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie e.V. (DGH) und die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie e.V. (DGNC) haben die S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Karpaltunnelsyndroms aktualisiert. Das nächtliche „Einschlafen der Hand“ gilt ein typisches Erstsymptom, als relevante Methode zum zuverlässigen Nachweis eines KTS soll die elektroneurographische Diagnostik durchgeführt werden. Zur Leitlinie >>

Außerdem wurde von der Deutschen Gesellschaft für Mund, Kiefer- und Gesichtschirurgie e.V. (DGMKG) die S3-Leitlinie Kiefergelenkluxation aktualisiert. In Anbetracht künftig steigender Zahlen von Patientinnen und Patienten mit Kiefergelenkluxationen möchte die Leitlinie angesichts mit dem Krankheitsbild einhergehender Einschränkungen der Lebensqualität und langfristiger Folgeschäden im Kiefergelenk ein neues Bewusstsein für die Erkrankung schaffen. Zur Leitlinie >>

Urologie

Im Frühjahr hat die Europäische Gesellschaft für Urologie ihre Leitlinien zum Nierenzellkarzinom (RCC) auf Grundlage einer neuen Literaturrecherche in den Datenbanken Medline, EMBASE und Cochrane aktualisiert. Neben zahlreichen weiteren Punkten wurden die Empfehlungen zur diagnostischen und genetischen Beurteilung aktualisiert. Zur Leitlinie >>

Im zweiten Teil des Beitrags finden Sie, neben neuen und aktualisierten Leitlinien aus den Fachgebieten Zahnmedizin, Pädiatrie und Dermatologie, auch interdisziplinäre Orientierungs- und Entscheidungshilfen.

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