22. Januar 2021

Medikamentenbezogene Störungen

Nach Angaben der epidemiologischen Suchtsurveys ESA ist In Deutschland von 2,65 Mio. (2015) und 2,9 Mio. (2018) Fällen von schädlichem und abhängigem Konsum von Medikamenten in der Gruppe der 18- bis 64-Jährigen auszugehen (12-Monats-Prävalenz).1,2

Lesedauer: ca. 1 Minute

Ähnliche Zahlen wie bei Alkohol angenommen

Belastbare bevölkerungsepidemiologische Daten hinsichtlich der Abhängigkeitserkrankung im Sinne des ICD-10 F1×.2 fehlen. Es kann aber angenommen werden, dass die Zahlen vergleichbar hoch sind wie die der Alkoholabhängigkeit. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass eine Abhängigkeit oder ein schädlicher Gebrauch (F1×.1) von Medikamenten mit dem Risiko für schwere, teils tödliche körperliche und psychische Folgen und Entzugssyndrome häufig sind.

Was die Diagnostik und Therapie erschwert: Mehr als bei anderen Suchtmitteln besteht bei Medikamenten ein fließender Übergang zwischen bestimmungsgemäßem Gebrauch, nicht-bestimmungsgemäßem Gebrauch (Fehlgebrauch), missbräuchlichem, schädlichem und abhängigem Gebrauch.

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Benzodiazepine und Opioide besonders relevant

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Die wichtigsten Empfehlungen
  • Die Diagnostik medikamentenbezogener Störungen der verschiedenen Medikamente (z. B. opioide- und nichtopioide Analgetika, Benzodiazepine, Gabapentinoide, Cannabinoidmedikamente, Psychostimulantien) orientiert sich wie bei den anderen Abhängigkeitserkrankungen an den Internationalen Klassifikationskriterien (ICD10 (bald ICD-11).
  • Für die allermeisten Substanzen gilt, dass das jeweilige Medikament beim Absetzen oder im Entzug langsam ausgeschlichen werden soll. Die ursprünglichen oder auch konsekutiv auftretenden medizinischen oder psychischen Erkrankungen sind dabei leitliniengerecht zu diagnostizieren und möglichst optimal gleichzeitig mitzubetreuen.
  • Das Angebot qualifizierter suchtmedizinischer und psychotherapeutischer Methoden zur Förderung der Motivation, Behandlungszuversicht oder Stärkung von Selbstwirksamkeitserwartungen soll Bestandteil der Entzugsbehandlung sein.
  • Die Dauer der Entzugsbehandlung ist nach der individuellen Schwere der Entzugserscheinungen und der körperlichen und psychischen Begleit- und Folgeerkrankung auszurichten.
  • Im Anschluss an die Entzugsphase sollen dem Patienten abstinenzorientierte, postakute Interventionsformen als nahtlose weiterführende Behandlung angeboten werden. Dafür sind vorzugsweise Einrichtungen auszuwählen, die ein spezifisches Behandlungsangebot für medikamentenabhängige Menschen vorhalten.
  • Multiprofessionelle und integrativ arbeitende Behandlungsteams sind wesentliche Voraussetzung für eine zielführende Behandlung und Therapie der Patienten.
  • Werden Arzneimittel mit einem Potential für einen schädlichen Gebrauch oder eine Abhängigkeit verordnet, soll deren Indikation und Wirksamkeit regelmäßig kritisch überprüft werden. Dabei sollen Risikofaktoren der Patienten und Kontraindikationen der Wirkstoffe sowie Neben- und Wechselwirkungen berücksichtigt werden.

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  1. S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen (2020). AWMF-Register-Nr. 038-025
  2. Medikamente, Alkohol, Tabak: Drei neue S3-Leitlinien klären über Suchterkrankungen auf. Pressemitteilung DGPPN 20.01.2021

Bildquelle: © Getty Images/apomares

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