15. Juni 2021

Leitlinien-Update

Spontane intrazerebrale Blutungen

Etwa 50 % der Personen mit intrazerebralen Blutungen sterben innerhalb von drei Monaten – zwei Drittel versterben innerhalb eines Jahres. Mit der Leitlinie „Behandlung von spontanen intrazerebralen Blutungen“ sollen Betroffene künftig besser behandelt und betreut werden. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Bei Patientinnen und Patienten mit akuter spontaner intrazerebraler Blutung sollte der systolische Blutdruck innerhalb von zwei Stunden nach Blutungsbeginn auf 140 mmHg oder niedrigere Werte gesenkt werden, ohne jedoch die Schwelle von 110 mmHg zu unterschreiten. Der systolische Blutdruck sollte dabei um maximal 90 mmHg gesenkt werden.

Blutung stoppen

Für die Hämostase bei Personen mit spontaner intrazerebraler Blutung kann Tranexemsäure gegeben werden. Der Einsatz von Thrombozyten-Konzentraten ist hingegen nicht empfohlen. Nimmt die betroffene Person orale Vitamin-K-Antagonisten (VKA) ein und liegt ein erhöhter INR-Wert vor, sollten die VKA abgesetzt und der Vitamin-K-Wert normalisiert werden.

Blutungen bei Personen unter Dabigatran können mit Idarucizumab behandelt werden. Nimmt die betroffene Person die Faktor Xa-Hemmer Rivaroxaban und Apixaban, kann Andexanet alfa gegeben werden. Zu beachten ist dabei die Dosis und der Zeitpunkt der letzten Einnahme des Faktor Xa-Hemmers. Eine PPSB-Therapie kann bei Personen unter Faktor Xa-Hemmer Edoxaban eingesetzt werden.

Operative Behandlungsmöglichkeiten

Im Falle einer akuten spontanen intrazerebralen Blutung von mindestens 30 ml kann die Behandlung über eine bildgesteuerte, minimal invasive Katheteranlage mit Hämatomabsaugung erfolgen. Anschließend kann, nach einem Stabilitätsnachweis im CCT, Alteplase intrathekal gegeben werden.

Bei einer akuten spontanen supratentoriellen Blutung mit intraventrikulärer Ausdehnung, Verlegung des dritten und/oder vierten Ventrikels und klinischen oder radiologischen Zeichen eines Hydrozephalus bietet sich die Anlage einer externen Ventrikeldrainage und eine intrathekale Thrombolyse mit Alteplase an.

Personen mit akuter spontaner supratentorieller intrazerebraler Blutung mit intraventrikulärer Ausdehnung und durchgängigem dritten und vierten Ventrikel, bei denen der intrakranielle Druck trotz externer Ventrikeldrainage weiterhin steigt bzw. klinische oder radiologische Zeichen eines Hydrozephalus vorliegen, sollten mit einer weiteren Liquordrainage behandelt werden.

  1. Update: Leitlinie „Spontane intrazerebrale Blutungen“DGN; 09.06.2021

Bildquelle: © Getty Images/alvarez

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